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Pestizide

sind die einzigen giftigen Chemikalien, die in großer Menge absichtlich in die Umwelt freigesetzt werden. Pestizid-bedingte akute Vergiftungen und Langzeiterkrankungen wie Krebs und Parkinson zählen zu den ungewollten Auswirkungen des Pestizideinsatzes auf die menschliche Gesundheit. Aber auch die Umwelt ist betroffen. Pestizide tragen zum Verlust von biologischer Vielfalt bei, schädigen Nützlinge wie Bestäuber, belasten Böden und Gewässer und kommen selbst an Orten vor, die weit entfernt von ihrem Einsatzort entfernt liegen. Auch wer selbst keine Pestizide anwendet, kommt mit ihnen über Pestizid-Abdrift von Nachbarflächen oder über Rückstände in Lebensmitteln in Kontakt.

Ein Sammelbegriff

„Pestizide“ ist ein Sammelbegriff für Substanzen, die solche Lebewesen abtöten vertreiben oder ihre Entwicklung oder Vermehrung hemmen sollen, die von Menschen als schädlich oder lästig angesehen werden. Der Großteil der Pestizide wird in der Landwirtschaft eingesetzt. Aber auch im Forst, im Gartenbau, auf Gleisanlagen, in Privatgärten und auf kommunalen Flächen kommen Pestizide zum Einsatz. Zu den Pestiziden zählen unter anderem sogenannte „Unkrautvernichtungsmittel“ (Herbizide), „Schädlingsbekämpfungsmittel“ (Insektizide) und zahlreiche weitere Mittel, wie solche zur Bekämpfung von Pilzen (Fungizide), Schnecken (Molluskizide) oder Nagetieren (Rodentizide). Darunter fallen auch die außerhalb der Landwirtschaft eingesetzten sogenannten Biozide, denen PAN eine eigene Rubrik widmet.

Pestizid-Abdrift

Bei der Ausbringung von Pestiziden kann es dazu kommen, dass der feine Sprühnebel verweht wird. Das eingesetzte Pestizid wird so vom Ort der Anwendung weg transportiert und gelangt auf benachbarte Flächen wie Felder, Gehölze oder Gärten, aber auch in Gewässer.

Von Pestizid-Abdrift kann jeder betroffen sein. Der abgedriftete Sprühnebel gelangt auf Obst und Gemüse in Gärten von Anrainern und auf Spielplätze. Menschen, die sich gern in der Natur aufhalten, zum Beispiel Spaziergänger, Jogger und Radfahrer, geraten häufig ungewollt in den Sprühnebel frisch gespritzter Felder. Wer sich in der Landschaft aufhält, kann unfreiwillig zum Zeuge fehlerhafter Anwendung werden, wenn beispielsweise bei starkem Wind Pestizide ausgebracht werden und Wege, Raine, angrenzenden Gehölze oder Gewässer quasi mitgespritzt werden. Bio-Betriebe, die in direkter Nachbarschaft zu konventionellen Betrieben liegen, leiden  besonders unter dem Problem, dass ihre Anbaufrüchte durch Pestizide von Nachbarflächen kontaminiert werden. Immer wieder melden sich betroffene Menschen bei PAN und berichten über gesundheitliche Beeinträchtigungen, über Schäden an Wild- oder Gartenpflanzen und über das Gefühl, der Pestizid-Abdrift hilflos ausgeliefert zu sein.

Eine zentrale „Meldestelle“ für erlittene oder beobachtete Fälle von Pestizid-Abdrift gibt es nicht. Zuständige Ansprechpartner für die Meldung von Abdrift oder Fehlanwendungen sind die Landesbehörden (Pflanzenschutzämter), die wiederum zur Informationsweitergabe an die Bundesbehörde verpflichtet sind. Aber nicht jeder Betroffene meldet den Vorfall der zuständigen Landesbehörde. Den Bundesbehörden fehlt es nach eigenen Angaben an verlässlich dokumentierten Fällen von Abdrift. Den Betroffenen fehlt es an Hilfestellung im Schadensfall. So entsteht auf Bundesebene, wo über die Zulassung von Pestiziden entschieden wird, ein falsches Bild vom tatsächlichen Ausmaß des Abdrift-Problems.

Aktiv werden – Abdrift melden!

PAN Germany möchte mit der Dokumentation von erlittener oder beobachteter Pestizid-Abdrift und Fehlanwendungen zu mehr Transparenz beitragen. Dazu hat PAN einen Meldebogen erstellt mit dem Betroffene ihren Abdrift-Fall schildern können. PAN will diese Angaben dazu nutzen, auf das Problem der Pestizid-Abdrift aufmerksam zu machen und Maßnahmen zum Schutz von Betroffenen und der Umwelt vor Pestizid-Abdrift einzufordern. Das Ausfüllen des Meldebogens ist kein Ersatz für die Meldung bei der zuständigen Landesbehörde. Vielmehr geht es darum, die Fälle von Pestizid-Abdrift zu sammeln und zu dokumentieren, um so eine Grundlage für die weitere politische Diskussion zu schaffen. Die Möglichkeit, einer anonymen Meldung wird ausdrücklich angeboten, um auch Menschen zu motivieren ihren Fall von Abdrift zu melden, die nachbarschaftliche Spannungen fürchten.

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PAN Germany Meldebogen zu Pestizid-Abdrift

Datum: 8. Mai 2018 241.31 KB

Pestizid-Abdrift ist ein Problem für Mensch und Natur. Mit diesem Abdrift-Meldebogen möchte PAN Germany...

Fotorechte: Gemüsekiste © C_Ernst, Pestizidanwendung im Obstbau © ermess – Fotolia.com


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Pestizid Aktions-Netzwerk e.V. (PAN Germany)