1. Oktober 2026 · Rubrik: Pestizide

Menschen in der EU belastet: TFA in allen Blutproben nachgewiesen

Eine neue Studie hat die ultrakurzkettige PFAS-Trifluoressigsäure (TFA) in den Blutproben aller 110 untersuchten europäischen Personen nachgewiesen. Mit einer mittleren Konzentration von 21,22 ng/ml wurden einige der bislang höchsten beim Menschen gemessenen TFA-Konzentrationen festgestellt. [1]

PAN Europe und PAN Germany fordern ein sofortiges Verbot von PFAS-Pestiziden, die zur TFA-Belastung beitragen.

TFA ist ein kurzkettiges PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) und ein Abbauprodukt von PFAS, die eine -CF₃-Gruppe enthalten. Darunter fallen viele der in der EU genehmigten PFAS-Pestizide. TFA ist hoch problematisch für die Umwelt und die Gesundheit. Es ist äußerst persistent, mobil und toxisch und wurde als reproduktionstoxisch (R 1b) eingestuft mit dem Hinweis „Kann das Kind im Mutterleib schädigen. Kann vermutlich die Fruchtbarkeit beeinträchtigen“. Bestimmte Dosierungen beeinträchtigen zudem die Schilddrüsenfunktion und das Immunsystem. Dass TFA im Blut aller 110 untersuchten Personen nachgewiesen wurde, ist beunruhigend. Anders als längerkettige PFAS reichert sich TFA im menschlichen Gewebe nicht in gleicher Weise an. Aufgrund seiner hohen Mobilität und der kontinuierlichen Freisetzung in die Umwelt werden Menschen allerdings wiederholt über Wasser, Lebensmittel und andere Umweltquellen exponiert.

Weit verbreitete TFA-Belastung über Lebensmittel und Wasser

PFAS-Pestizide sind eine wichtige Quelle für TFA in unserem Wasser und unseren Lebensmitteln, da TFA als Abbauprodukt direkt in Böden, Nutzpflanzen und das Grundwasser freigesetzt wird. Derzeit sind etwa 30 PFAS-Wirkstoffe als Pestizide auf dem EU-Markt, die in Hunderten von sog. Pflanzenschutzmitteln enthalten sind. Das Gros kann zu TFA abgebaut werden. Nach der Einstufung von TFA als Reproduktionstoxisch 1b könnten und sollten nach dem geltenden EU-Pflanzenschutzrecht diese Stoffe unverzüglich verboten werden.

Die Hinweise auf eine weit verbreitete und zunehmende Belastung der Bevölkerung verdichten sich. Erst vor zwei Wochen zeigten Auswertungen von Grundwasserproben aus Österreich, dass die TFA-Konzentrationen in den vergangenen vier Jahren deutlich gestiegen sind und weiter zunehmen werden. [2] Die gemessenen Konzentrationen konnten in Zusammenhang mit dem Einsatz von PFAS-Pestiziden gebracht werden, nicht mit anderen PFAS-Quellen.

PAN Europe, PAN Germany und weitere Mitgliedsorganisationen warnen bereits seit 2023 vor dieser Entwicklung. Damals legte die EU einen Vorschlag für eine Beschränkung von PFAS vor, nahm PFAS-Pestizide jedoch aus, da man davon ausging, dass diese durch das EU-Pflanzenschutzrecht angemessen reguliert und schrittweise vom Markt genommen würden Diese Annahme ist falsch. Rückstände von PFAS-Pestiziden in Obst und Gemüse haben sich zwischen 2011 und 2021 verdreifacht – ein Beleg dafür, dass PFAS-Pestizide bislang keineswegs schrittweise aus dem Verkehr gezogen werden. [3]

Das PAN-Netzwerk hat TFA in Flüssen, Leitungswasser, Mineralwasser, Wein und Getreideprodukten nachgewiesen. [4] Tatsächlich liegen die TFA-Konzentrationen in Lebensmitteln 100-mal höher als im Wasser, wodurch Lebensmittel eine bedeutende Expositionsquelle für die allgemeine Bevölkerung darstellen.

TFA im Blut europäischer Bürger*innen

Die von den Grünen im Europäischen Parlament in Auftrag gegebene Studie untersuchte sowohl lang- als auch kurzkettige PFAS im Blut von 110 Europäer*innen. [1] Die Studie ist eine der wenigen Untersuchungen, die bislang TFA-Konzentrationen in Blutserumproben messen. Die Ergebnisse im Einzelnen:

  • Bei allen 110 untersuchten Personen wurde Trifluoressigsäure (TFA) im Blut nachgewiesen.
  • Die TFA-Konzentrationen lagen dabei vier- bis fünfmal höher als die Konzentrationen aller anderen untersuchten langkettigen PFAS.
  • Die mittlere TFA-Konzentration betrug 21,22 ng/ml.

Im Vergleich zu anderen PFAS waren die TFA-Konzentrationen im Blutserum „schwach mit PFOA korreliert“ und zeigten „wenig oder keine Korrelation mit den anderen langkettigen PFAS“. Auch dies deutet auf unterschiedliche Quellen hin.

Was haben frühere Studien ergeben?

Bislang waren direkte Messungen von TFA im menschlichen Blut nur in begrenztem Umfang verfügbar. Eine in China durchgeführte Studie untersuchte TFA im Blutserum von 252 Erwachsenen und wies die Substanz in 97 % der Proben nach. Die mittlere Konzentration lag bei 8,5 ng/ml. [5]

Eine weitere Studie aus den USA untersuchte Blutserumproben von 81 Erwachsenen. TFA wurde in 74 % der Proben nachgewiesen, mit einer mittleren Konzentration von 6 ng/L. [6] Eine separate Untersuchung von Proben von 119 Erwachsenen aus North Carolina ergab eine mittlere TFA-Konzentration von 17 ng/ml. [7]

Untersuchungen von Blutserumproben aus der norwegischen EuroMix-Kohorte belegten: TFA war das am häufigsten nachgewiesene einzelne PFAS. Bei Teilnehmenden, die das fluorierte Arzneimittel Fluoxetin nicht einnahmen, lag die mittlere TFA-Konzentration bei 6,22 ng/ml. Bei Personen, die Fluoxetin einnahmen, war der Median mit 27,7 ng/ml deutlich höher. Dies zeigt, dass auch fluorierte Arzneimittel wie Prozac zur TFA-Belastung beitragen können. [8]

Vergleich mit gesundheitsbasierten Grenzwerten für TFA

Derzeit gibt es keine gesundheitsbasierten Referenzwerte für TFA im menschlichen Blut. Die Ergebnisse weisen jedoch auf eine weit verbreitete Belastung der Bevölkerung hin. Angesichts der großen Verbreitung von TFA in unseren Lebensmitteln und unserem Wasser ist dies eigentlich kaum überraschend.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat kürzlich eine gesundheitsbasierte zulässige tägliche Aufnahmemenge (Acceptable Daily Intake, ADI) für TFA von 0,014 mg/kg Körpergewicht festgelegt, basierend auf der Schilddrüsentoxizität. (PAN Germany berichtete) Nach einer im Bericht enthaltenen groben Schätzung würde dies zu einer mittleren TFA-Konzentration von 24 ng/ml führen. Dieser Wert liegt sehr nahe an der bei den 110 Teilnehmer:innen gemessenen mittleren Konzentration von 21,22 ng/ml (Spanne: 4,67–58,35 ng/ml).

Dieser Wert berücksichtigt nicht, dass wir gleichzeitig einer Vielzahl von PFAS ausgesetzt sind, deren toxische Wirkungen sich möglicherweise addieren.

Forderung nach einem sofortigen Verbot von PFAS-Pestiziden

Da TFA äußerst persistent ist, wird es in der Umwelt nicht abgebaut. Die Konzentrationen werden daher weiter steigen. Jeder Moment des Nichtstuns erhöht die Belastung für die Gesundheit künftiger Generationen.

Die EU ist rechtlich verpflichtet, PFAS-Pestizide zu verbieten, da diese die Anforderungen des EU-Pflanzenschutzrechts für einen weiteren Verbleib auf dem Markt nicht erfüllen. Für viele dieser Stoffe ist bereits bekannt, dass sie das Grundwasser mit TFA in Konzentrationen belasten, die deutlich über dem gesetzlichen Grenzwert von 0,01 µg/L liegen.

Im Einklang mit dem EU-Recht muss das Vorsorgeprinzip anwenden und alle PFAS-Pestizide verboten werden, die Wasserressourcen mit TFA belasten können – sowohl auf EU-Ebene als auch auf nationaler Ebene. Dies ist unerlässlich, um unsere Umwelt sowie die Gesundheit unserer Kinder und künftiger Generationen zu schützen.

Die wissenschaftliche Evidenz ist eindeutig, und die Belastung ist allgegenwärtig. PFAS-Pestizide müssen jetzt verboten werden.

 

Grundlage für diesen Beitrag ist der PAN Europe Blogbeitrag „TFA detected in every blood sample tested from 110 Europeans„ vom 1.10.2026

 

[1] PFAS levels in Europeans. An exploratory study. V.C. Lenters, PhD and Prof. M.B.M. van Duursen, PhD

[2] EU-wide call to ban PFAS pesticides after rise of TFA in Austrian groundwater | PAN Europe

[3] Toxic Harvest: Ban PFAS pesticides | PAN Europe

[4] Ban PFAS pesticides and TFA | PAN Europe

[5] Distribution of novel and legacy per-/polyfluoroalkyl substances in serum and its associations with two glycemic biomarkers among Chinese adult men and women with normal blood glucose levels – PubMed (link is external)

[6] Elevated Levels of Ultrashort- and Short-Chain Perfluoroalkyl Acids in US Homes and People | Environmental Science & Technology | ACS Publications (link is external)

[7] Historical Blood Serum Samples from Wilmington, North Carolina: The Importance of Ultrashort-Chain Per- and Polyfluoroalkyl Substances – PubMed (link is external)

[8] Extractable organofluorine (EOF) and target PFAS, including trifluoroacetic acid (TFA), in human serum from a Norwegian cohort, with a case study on the impact of fluorinated pharmaceuticals – ScienceDirect

 

Bild: © Rainer Strum / pixelio.de