Ein Sieg für den Verbraucherschutz: Die EU verbietet die neurotoxischen Pestizide Chlorpyrifos und Chlorpyrifos-methyl

Die Mitgliedsstaaten haben heute im Ständigen Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebens- und Futtermittel (SCOPAFF) gegen eine Wiedergenehmigung der Pestizidwirkstoffe Chlorpyrifos and Chlorpyrifos-methyl in der EU gestimmt. Die Verbote der Hirn und Intelligenz von Kindern gefährdenden Wirkstoffe wird von PAN Germany und anderen Umwelt- und Verbraucherschutzorganisationen sehr begrüßt.

 

Gemeinsame Pressemitteilung (ENG)

 




Diskussionsveranstaltung am 28.11.19 in Hamburg: Pestizide in Brasilien – Die agrarökologische Bewegung kämpft für ein Leben ohne Agrar-Gifte

„Das Leben ist Agrarökologie“, so sagt eine Kleinbäuerin aus Südbrasilien. Ihre Familie ist eine von vielen, die ein Leben ohne Gift leben wollen. Dafür kämpfen sie um Land und setzen auf einen vielfältigen Anbau mit Agroforst und traditionellem Saatgut. In einem Land, das von gentechnisch verändertem Soja- und Maisanbau dominiert ist, ist dies kein einfaches Unterfangen. Brasilien ist der größte Pestizidmarkt der Welt, mit verheerenden Folgen für die Bevölkerung vor Ort.

Im Bundesstaat Parana hat sich eine starke soziale Bewegung gebildet, die Alternativen zum agrarindustriellen Model aufzeigt. Wichtige Errungenschaften werden jedoch von der aktuellen brasilianischen Regierung unter Jair Bolsonaro bedroht. Fördergelder wurden gestrichen und viele Bäuerinnen und Bauern, Aktivist*innen und Wissenschaftler*innen werden bedroht. Sie brauchen dringend mehr internationale Unterstützung und Aufmerksamkeit.

Mireille Remesch, Agrar Koordination, war im Oktober in Parana und berichtet wie die Menschen in diesen schwierigen Zeiten für Agrarökologie kämpfen und welche Herausforderungen damit verbunden sind.

Susan Haffmans, Pestizid Aktions-Netzwerk e.V. umreißt das Pestizidproblem und stellt Ergebnisse der Studie „Giftige Exporte. Die Ausfuhr hochgefährlicher Pestizide von Deutschland in die Welt“ vor.

Moderation: Petra Zivkovic, umdenken Heinrich-Böll-Stiftung Hamburg e.V.

28.11.2019 um 19.30 Uhr in der GLS Bank, Düsternstraße 10, 20355 Hamburg

Dies ist eine gemeinsame Veranstaltung von Agrar Koordination, Pestizid Aktions-Netzwerk e.V. und umdenken Heinrich-Böll-Stiftung Hamburg e.V.

Flyer zur Veranstaltung




Launch der Europäische Bürgerinitiative „Save Bees and Farmers“ – Bienen und Bauern retten

Heute ist es so weit! Am 25.11.2019 startet die Europäische Bürgerinitiative „Save Bees and Farmers“, die chemisch-synthetische Pestizide bis 2035 aus dem Verkehr ziehen, Landwirt*innen beim Umstieg auf eine umweltfreundliche Landwirtschaft unterstützen und Bienen und Ökosysteme retten will. 90 Organisationen aus 17 EU-Ländern aus den Bereichen Umwelt, Gesundheit, Landwirtschaft und Imkerei tragen die Kampagne gemeinsam. Ziel ist es, bis September 2020 mindestens eine Million Unterschriften zu sammeln, damit EU Kommission und  EU Parlament erwägen, die Forderungen gesetzlich zu verankern.

Organisationen und Wissenschaft fordern eindringlich einen Systemwandel, um den Zusammenbruch von Natur und Umwelt zu stoppen. Ein Viertel der Wildtiere in Europa ist stark bedroht, die Hälfte unserer Naturgebiete befindet sich in einem kritischen Zustand und unsere Lebensgrundlagen sind in Gefahr. Unterdessen werden Millionen von Bäuer*innen durch unfairen Wettbewerb und mangelnde politische Unterstützung vom Markt gedrängt.

 

Jetzt unterzeichnen auf www.savebeesandfarmers.eu

 

Die Europäische Bürgerinitiative fordert die EU Kommission auf, Gesetzesvorschläge einzubringen für:

  • Schrittweiser Ausstieg aus synthetischen PestizidenDer Einsatz von synthetischen Pestiziden wird bis 2030 um 80 Prozent reduziert. Bis 2035 steigt die EU komplett aus der Nutzung der Ackergifte aus.
  • Maßnahmen zur Erholung der BiodiversitätBiotopflächen in landwirtschaftlichen Flächen werden wiederbelebt und Produktionsmethoden so gestaltet, dass die Landwirtschaft wieder einen Beitrag zur Förderung der Artenvielfalt leistet.
  • Unterstützung der Bäuerinnen und BauernDie Europäische Agrarpolitik wird reformiert. Kleinteilige, vielfältige und nachhaltige landwirtschaftliche Strukturen werden bevorzugt, der Ökolandbau ausgeweitet sowie die Forschung zu pestizid- und gentechnikfreiem Anbau gefördert.

Mehr dazu in der offizielle Pressemitteilung zum Launch der EBI




PAN Germany Workshop_Programm_Bittere Pillen – mehr Schutz für Tiere, Umwelt und Gesundheit

Um Raum für einen gemeinsamen Diskurs für eine Verbesserung von Tier-, Umwelt- und Gesundheits-schutz zu schaffen, lädt PAN Germany am 21. November 2019 Interessenvertreter*innen aus den Be-reichen Tier-, Natur- und Umweltschutz, Tierhalter*innen, Tierärzt*innen, Journalist*innen, politische Entscheidungsträger*innen und Interessierte zum Workshop „Bittere Pillen – mehr Schutz für Tiere, Umwelt und Gesundheit“ mit Fachvorträgen und Diskussion nach Hamburg ein.




Resumen: ¿INFRAVALORACIÓN CRÓNICA? Una revisión de la evaluación de la Unión Europea sobre el riesgo carcinogénico de 10 pesticidas

El glifosato, uno de los pesticidas más utilizados en el mundo y que ha sido relacionado con múltiples efectos negativos para la salud, volvió a ser autorizado en 2017 en el mercado europeo para un periodo de cinco años. Esta fue una decisión controvertida, en especial, porque para la evaluación oficial de carcinogenicidad de este pesticida se realizó un uso defectuoso y distorsionado de las pautas y documentos de orientación de la Unión Europea [1]. Estas críticas también plantearon dudas acerca de la forma en la que las autoridades europeas realizan las evaluaciones de carcinogenicidad. En un esfuerzo por resolver estas dudas, hemos realizado una revisión de las secciones sobre carcinogenicidad de diez pesticidas en los borradores de los Informes de Evaluación para la Renovación (RARs, por sus siglas en inglés).




Biodiversitäts- und Gewässerschutz brauchen Rechtssicherheit

Berlin, Hamburg, 21.10.2019. Gemeinsame Pressemitteilung von Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Naturschutzbund Deutschlands (NABU), Umweltdachverband Deutscher Naturschutzring (DNR) und dem Pestizid Aktions-Netzwerk (PAN Germany). Die Umweltverbände NABU, BUND, DNR und PAN fordern die Bundesregierung auf, eine rechtssichere Klärung von Zulassungsauflagen zum Schutz der biologischen Vielfalt und des Grundwassers bei der Auslegung von EU-Recht zu ermöglichen.

Die Verbände verweisen auf den Beschluss der der Bundesregierung im Koalitionsvertrag, den Einsatz glyphosathaltiger Pestizide mit einer systematischen Minderungsstrategie „deutlich und mit dem Ziel einzuschränken, die Anwendung so schnell wie möglich grundsätzlich zu beenden und die dafür notwendigen Maßnahmen in einem EU-rechtskonformen Rahmen zu verankern“.

Dieses vereinbarte Ziel sehen die Verbände durch Urteile des Verwaltungsgerichtes Braunschweigs mit Verweis auf fehlende methodische Verfahren in Frage gestellt. Daher sei eine weitere juristische Klärung unerlässlich, um die sowohl von der Bundesregierung als auch EU-weit beschlossene Prüfung und Berücksichtigung negativer Effekte von Pestiziden für Biologische Vielfalt und Gewässer rechtssicher umzusetzen.

„Wenn die Bundesregierung nicht riskieren will, dass ihre Versprechen und Beschlüsse Papiertiger und Gegenstand jahrelanger Rechtsstreitigkeiten werden, muss sie dafür sorgen, dass das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) bis 28. Oktober 2019 Revision gegen die Urteile einlegt“, so die Verbände in ihrer Bewertung. Da das für die Fachbehörde zuständige Bundeslandwirtschaftsministerium das bisher ablehne und sich damit gegen die Forderung von Umweltbundesamt und Bundesumweltministerium stelle, sei das Kanzleramt in der Pflicht, umgehend eine Klärung am Kabinettstisch bzw. Weisung zu veranlassen.

Die Bundesregierung stehe, auch mit dem Beschluss des Aktionsprogrammes Insektenschutz, für eine Trendwende beim Schutz der Artenvielfalt im Wort. Dazu gehört, dass sie für die Vollzugsfähigkeit von Beschlüssen und eine Auslegung von EU-Recht im Sinne des politischen Willens der Gesetzgeber und für alle EU-Mitgliedstaaten sorgt. Wie wichtig dieses Thema den Bürgerinnen und Bürgern ist, zeigten die hohe Beteiligung an zahlreichen Initiativen wie die Volksbegehren zum Artenschutz oder die heute im Bundestag debattierte Petition Pestizidkontrolle der Aurelia-Stiftung.

weitere Informationen zu den Fällen und Urteilen: siehe Pressemitteilung des Umweltbundesamtes

Fachliche Rückfragen:

Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)
Silvia Bender, Abteilungsleitung Biodiversität, silvia.bender@bund.net, Tel. 030-275 86 511

Deutscher Naturschutzring (DNR)
Ilka Dege, Koordination Biodiversitätspolitik, ilka.dege@dnr.de, Tel. 030-678 1775 917

Naturschutzbund Deutschland (NABU)
Verena Riedl, Referentin Biodiversität und Ökotoxikologie, verena.riedl@nabu.de, Tel. 0172 3266577

Pestizid Aktions-Netzwerk e.V. (PAN Germany)
Susanne Smolka, Referentin Pestizide/ Biozide, susanne.smolka@pan-germany.org, Tel. 040-399 1910-24




Carcinogenicity assessment was flawed for 4 out of 10 pesticides, new report shows

Brussels, Hamburg, 17.10.2019. Press release. A new review of carcinogenicity assessments of pesticide active ingredients shows 40 percent of them are not carried out in compliance with existing European guidelines, leading to possible continued exposure of farmers and consumers to cancer-causing pesticides [1]. In 30 percent of the cases significant details were missing from the dossiers, raising uncertainties about how European authorities came to a conclusion.

The report ‘Chronically underrated – A review of the EU carcinogenic hazard assessment of 10 pesticides’, released today by Pesticide Action Network (PAN) Germany and the Health and Environment Alliance (HEAL) analysed the carcinogenicity sections of the draft Renewal Assessments Reports (RARs) of ten pesticides [2]. The review, performed by senior toxicologist Peter Clausing, focused on how the sections describing carcinogenicity studies in rats and mice in the EU assessment documents complied with the applicable guidelines and guidance documents of the EU and the Organisation for Economic Co-operation and Development (OECD).

“After discovering a considerable number of flaws in the carcinogenicity assessment of glyphosate, it was the logical next step to investigate whether similar problems occurred with other pesticides. Analysing these ten RARs has made it clear that at least three of the pesticides should have been classified as ‘presumed’ human carcinogens, rather than just ‘suspected’ human carcinogens”, explained Susan Haffmans, Senior Advisor on Pesticides at PAN Germany.

The carcinogenicity classification triggers the regulatory fate of a pesticide active ingredient. Pesticides classified as ‘suspected’ human carcinogens can be marketed, while those classified as ‘presumed’ human carcinogens cannot or must be withdrawn [3].

Our report shows that:
– For three pesticides, the outcome of our review was similar to that of the European authorities: chlorothalonil, diuron, forchlorfenuron;
– For three pesticides, the outcome of our review differed from that of the European authorities and we found that the classification should be upgraded: folpet, pirimicarb and thiacloprid;
– For one pesticide, our review found that severe data gap should have been identified by the European authorities and a flawed decisive carcinogenicity should not have been accepted: phosmet;
– For three pesticides, our review found that reports were not sufficiently informed to allow any conclusive external review: captan, chlorpropham, dimoxystrobin.

“The current rise of non-communicable diseases including cancer means that Europe cannot afford the health price of flawed pesticides classifications”, commented Genon K. Jensen, Executive Director of the Health and Environment Alliance (HEAL). “Committing to a rigorous implementation of European laws should be a founding block of reaching Europe’s zero-pollution objective to prevent diseases and protect people, starting with farmers, from substances toxic to their health.”

PAN Germany and HEAL call on the European Commission President-elect Ursula von der Leyen to pay particular attention to a more rigorous application of existing pesticide legislation and guidance documents. In her recent confirmation hearing at the European Parliament, the Commissioner-designate for Health Stella Kyriakides already agreed Europe needs to reduce dependency on pesticides and stimulate the take-up of low-risk and non-chemical alternatives [4].

Contact:

Dr. Peter Clausing, Executive board member Pesticide Action Network (PAN) Germany, peter.clausing@pan-germany.org

Yannick Vicaire, Chemicals and Health Policy campaigner Health and Environment Alliance (HEAL) , yannick@env-health.org

Notes to editor:

[1] Chronically Underrated, Peter Clausing, October 2019.
[2] The ten pesticides reviewed included Captan, Chlorotalonil, Chlorpropham, Dimoxystrobin, Diuron, Folpet, Forchlorfenuron, Phosmet, Pirimicarb and Thiacloprid.
[3] Article 3.6.3 of regulation 11/072009 states: “An active substance, safener or synergist shall only be approved, if, on the basis of assessment of carcinogenicity testing carried out in accordance with the data requirements for the active substances, safener or synergist and other available data and information, including a review of the scientific literature, reviewed by the Authority, it is not or has not to be classified, in accordance with the provisions of Regulation (EC) No 1272/2008, as carcinogen category 1A or 1B…”
[4] Answers to the European Parliament questionnaire to the Commissioner-Designate Stella Kyriakides, Commissioner-designate for health

Other publications on this topic from Dr. Peter Clausing include:
– Clausing et al. (2018): Pesticides and public health: a review of the regulatory approach to assessing the carcinogenicity of glyphosate in the European Union. J. Epidemiol. Community Health 72, 668–672
Pesticide Action Network Europe (2018): Ensuring a higher level of protection from pesticides in Europe

The Pesticide Action Network Germany (PAN Germany) is a nongovernmental organisation informing about the negative consequences of pesticide use and promoting environment-friendly and socially fair alternatives. PAN Germany is part of the PAN International network. Our work comprises critical analyses of pesticides and their use, policy advice practical advice for farmers and consumers.

The Health and Environment Alliance (HEAL) is the leading not-for-profit organisation addressing how the environment affects human health in the European Union (EU) and beyond. HEAL works to shape laws and policies that promote planetary and human health and protect those most affected by pollution, and raise awareness on the benefits of environmental action for health.

Icon

CHRONICALLY UNDERRATED? A review of the European carcinogenic hazard assessment of 10 pesticides

Datum: 21. Oktober 2019 289.03 KB

This report, commissioned by Pesticide Action Network (PAN) Germany and by the Health and Environment...

Icon

Summary: CHRONICALLY UNDERRATED? A review of the European carcinogenic hazard assessment of 10 pesticides

Datum: 21. Oktober 2019 80.39 KB

Glyphosate, one of the world’s most widely used pesticides that has been linked to multiple negative...

Icon

Zusammenfassung: CHRONISCH UNTERBEWERTET? Eine Überprüfung des EU-Bewertungsverfahrens zur Krebsgefahr von 10 Pestiziden

Datum: 21. Oktober 2019 88.71 KB

Glyphosat, eines der meistverwendeten Pestizide der Welt, das mit verschiedenen negativen Auswirkungen...

Icon

Resumen: ¿INFRAVALORACIÓN CRÓNICA? Una revisión de la evaluación de la Unión Europea sobre el riesgo carcinogénico de 10 pesticidas

Datum: 21. Oktober 2019 273.16 KB

El glifosato, uno de los pesticidas más utilizados en el mundo y que ha sido relacionado con múltiples...




Neuer Bericht zeigt: Bewertung von Krebseffekten bei 4 von 10 Pestiziden fehlerhaft

Brüssel, Hamburg, 21.10.2019. Pressemitteilung. Eine Überprüfung der behördlichen Krebsbewertungen von 10 Pestizidwirkstoffen durch die Nichtregierungsorganisationen PAN Germany und HEAL offenbarte, dass vier Stoffbewertungen nicht im Einklang mit den für die EU geltenden  Richt- und Leitlinien durchgeführt wurden [1]. Dies könne zu einer möglichen anhaltenden Exposition von Landwirt*innen und Verbraucher*innen gegenüber krebserregenden Substanzen führen, kritisieren die Verbände. Bei weiteren drei überprüften Pestiziden  fehlten notwendige Details in den Bewertungsberichten. So bleibt die Frage offen, wie die europäischen Behörden zu ihren Ergebnissen gekommen sind.

Der heute vom Pestizid Aktions-Netzwerk e.V. (PAN Germany) und der in Brüssel ansässigen Health and Environment Alliance (HEAL) veröffentlichte Bericht „Chronically underrated – a review of the EU carcinogenic hazard assessment of 10 pesticides“ stellt die Ergebnisse einer kritischen Analyse der Abschnitte zur Krebsbewertung in den offiziellen Berichten (draft Renewal Assessments Reports, RARs) zur Wiedergenehmigung von zehn Pestiziden vor [2]. Die vom Toxikologen Dr. Peter Clausing durchgeführte Überprüfung konzentrierte sich darauf, ob die in den RARs vorgenommenen Bewertungen der Krebshäufigkeit bei Studien an Ratten und Mäusen mit den geltenden Richt- und Leitlinien der EU und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) übereinstimmten.

Nachdem eine beträchtliche Anzahl von Fehlern in der Beurteilung der Karzinogenität von Glyphosat festgestellt wurde, war es der logische nächste Schritt, zu untersuchen, ob ähnliche Probleme bei anderen Pestiziden auftreten. Die Analyse dieser zehn Bewertungsberichte hat deutlich gemacht, dass mindestens drei der geprüften Pestizide als „wahrscheinlich krebserregend beim Menschen“ eingestuft werden sollten und nicht, wie geschehen, als Substanzen mit „Verdacht auf Krebseffekte beim Menschen“, erklärt Susan Haffmans, Referentin für Pestizide bei PAN Germany.

Die Krebsklassifizierung hat starken Einfluss darauf, ob ein Pestizidwirkstoff genehmigt wird oder nicht. Pestizide, die Wirkstoffe mit „Verdacht auf Krebswirkung beim Menschen“ enthalten, können in Verkehr gebracht werden, während solche, die als „wahrscheinlich krebserregend beim Menschen“ eingestuft sind, nicht weiter in der EU vermaktet werden dürfen [3].

Die Analyse zeigt, dass

  • bei drei Pestiziden – Chlorothalonil, Diuron, Forchlorfenuron – unsere Einschätzung mit jener der europäischen Behörden übereinstimmt;
  • bei drei weiteren Pestiziden nach unserer Einschätzung die Bewertung der europäischen Behörden zu schwach ausfiel. Die Wirkstoffe Folpet, Pirimicarb, Thiacloprid sollten als „wahrscheinlich krebserregend beim Menschen“ eingestuft werden;
  • beim Pestizid Phosmet eine gravierende Datenlücke vorliegt, so dass die Behörden die eingereichte Krebsstudie hätten zurückweisen müssen;
  • bei drei Pestiziden – Captan, Chlorpropham, Dimoxystrobin – die Behördenberichte so intransparent waren, dass eine unabhängige Bewertung nicht möglich war.

„Der derzeitige Anstieg nicht übertragbarer Krankheiten einschließlich Krebs zeigt, dass die Europäische Union sich Europa den mit der Gesundheit bezahlten Preis für fehlerhafte Pestizidbewertungen nicht leisten kann“, kommentiert Genon K. Jensen, Direktorin der Nichtregierungsorganisation Health and Environment Alliance (HEAL). „Die Verpflichtung zu einer rigorosen Umsetzung der europäischen Gesetze sollte ein Grundpfeiler sein, um das Null-Emissions-Ziel  der EU zu erreichen, um Erkrankungen vorzubeugen und um die Menschen, angefangen bei den Landwirten, vor gesundheitsschädigenden  Stoffen zu schützen.“

PAN Germany und HEAL fordern die designierte EU-Ratspräsidentin Ursula von der Leyen auf, auf eine striktere Anwendung der bestehenden Pestizidgesetzgebung und Richtlinien zu achten. Stella Kyriakides, die designierte Gesundheitskommissarin, stimmte während ihrer jüngsten Anhörung im Europäischen Parlament zu, dass in der EU die Abhängigkeit von synthetischen Pestiziden verringert und die Einführung risikoarmer und nicht-chemischer Alternativen gefördert werden muss [4].

 

Kontakt:

Dr. Peter Clausing, Pestizid Aktions-Netzwerk (PAN Germany), +49 176 4379 5932, peter.clausing@pan-germany.org

Yannick Vicaire, Campaigner für Chemikalien- und Gesundheitspolitik (HEAL), yannick@env-health.org

 

Quellen:

[1]  Clausing, P. (2019): Chronically underrated. A review of the European carcinogenic hazard assessment of 10 pesticides.

[2]  Zu den zehn untersuchten Pestiziden gehörten Captan, Chlorotalonil, Chlorpropham, Dimoxystrobin, Diuron, Folpet, Forchlorfenuron, Phosmet, Pirimicarb und Thiacloprid.

[3] Artikel 3.6.3 der Verordnung (EG) 1107/2009 lautet: „Ein Wirkstoff, Safener oder Synergist wird nur dann zugelassen, wenn er auf der Grundlage der von der Behörde überprüften Auswertung von Karzinogenitätsversuche entsprechend den Datenanforderungen für die Wirkstoffe, Safener oder Synergisten sowie von anderen verfügbaren Daten und Informationen, einschließlich einer Überprüfung der wissenschaftlichen Literatur, nicht gemäß der Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 als karzinogene Substanz der Kategorie 1A oder 1B eingestuft wird oder einzustufen ist, …“

[4] Antworten auf den Fragebogen des Europäischen Parlaments an die designierte Kommissarin Stella Kyriakides, designierte Kommissarin für Gesundheit.

 

Weitere Publikationen unter Beteiligung von P. Clausing:

Icon

CHRONICALLY UNDERRATED? A review of the European carcinogenic hazard assessment of 10 pesticides

Datum: 21. Oktober 2019 289.03 KB

This report, commissioned by Pesticide Action Network (PAN) Germany and by the Health and Environment...

Icon

Zusammenfassung: CHRONISCH UNTERBEWERTET? Eine Überprüfung des EU-Bewertungsverfahrens zur Krebsgefahr von 10 Pestiziden

Datum: 21. Oktober 2019 88.71 KB

Glyphosat, eines der meistverwendeten Pestizide der Welt, das mit verschiedenen negativen Auswirkungen...

Icon

Summary: CHRONICALLY UNDERRATED? A review of the European carcinogenic hazard assessment of 10 pesticides

Datum: 21. Oktober 2019 80.39 KB

Glyphosate, one of the world’s most widely used pesticides that has been linked to multiple negative...

Icon

Resumen: ¿INFRAVALORACIÓN CRÓNICA? Una revisión de la evaluación de la Unión Europea sobre el riesgo carcinogénico de 10 pesticidas

Datum: 21. Oktober 2019 273.16 KB

El glifosato, uno de los pesticidas más utilizados en el mundo y que ha sido relacionado con múltiples...




Summary: CHRONICALLY UNDERRATED? A review of the European carcinogenic hazard assessment of 10 pesticides

Glyphosate, one of the world’s most widely used pesticides that has been linked to multiple negative health effects, was reauthorized for a period of five years on the European market in 2017. This decision was a controversial one, particularly as the official assessment on the carcinogenicity of this pesticide was based on a flawed and distorted use of EU guidelines and guidance documents [1]. These criticisms have also raised more general questions about the way European authorities perform carcinogenicity assessments. In an effort to find answers to these questions, we have performed a review of the carcinogenicity sections of the draft Renewal Assessments Reports (RARs) of ten different pesticides.




CHRONICALLY UNDERRATED? A review of the European carcinogenic hazard assessment of 10 pesticides

This report, commissioned by Pesticide Action Network (PAN) Germany and by the Health and Environment Alliance (HEAL), examines how EU Member States (acting as “Reporting Member States”, RMS) and the European Food Safety Authority (EFSA) assess the risk that pesticides cause human cancer. It does so by comparing the actual risk assessments performed with the recommendations that follow from OECD guidelines on the performance of carcinogenicity studies and the guidance provided by the European Chemicals Agency (ECHA), as well as with the requirements imposed by EU instruments themselves, in particular the 2008 and 2009 regulations on the conditions under which pesticides can be placed on the market.1