Syngenta unter Druck: 51 indische Familien reichen nach Pestizidvergiftung Beschwerde ein

Das Vergiftungsdrama im indischen Yavatmal im Jahr 2017 ist nicht vergessen. Hunderte Baumwollbäuer*innen erlittenen damals nach dem Versprühen von Pestiziden teils schwere Vergiftungen. Behördliche Dokumente zeigen nun die Rolle des Syngenta-Pestizids „Polo“ in dieser Tragödie. Die Polizei ordnete 98 erlittene Vergiftungen, darunter zwei mit Todesfolge, der Verwendung von „Polo“ zu. 51 betroffene Familien reichen deshalb heute Beschwerde beim Schweizer Kontaktpunkt der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ein. Sie werden dabei von PAN India, PAN Asia Pacific (PANNA), der Maharashtra Association of Pesticide Poisoned Persons (MAPPP), dem in Deutschland ansässigen European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) und der Schweizer NGO Public Eye unterstützt. „Polo“ enthält den Wirkstoff Diafenthiuron, der in der Schweiz aus Gründen des Umwelt- oder Gesundheitsschutzes verboten ist und auch in der EU nicht eingesetzt werden darf. Die Hintergründe der Vergiftungswelle von 2017 sind in den Berichten von PAN India und Public Eye dokumentiert.

Sarojeni Rengam, Geschäftsführende Direktorin von PAN Asia Pacific (PANAP) sagt hierzu: „Aus den Dokumenten geht klar hervor, dass das Pestizid „Polo“ von Syngenta in Yavatmal, Indien, in großem Umfang Vergiftungen verursacht hat. Viele der Vergiftungsopfer mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden, berichteten von vorübergehender Blindheit oder waren mehrere Tage lang bewusstlos. Einige litten auch an Atembeschwerden und Muskelschmerzen. Yavatmal ist nur ein Fall von vielen. Überall in Indien leiden Bäuerinnen und Bauern unter Pestizidvergiftungen. Wir reichen bei der OECD eine Beschwerde gegen Syngenta wegen der Vergiftungen ein, die durch das Produkt POLO verursacht wurden. Mit dieser Aktion wollen wir gegen die Verantwortungslosigkeit der europäischen Pestizidkonzerne vorgehen, unabhängig davon, wo sie tätig sind.“

Syngenta ist nicht der einzige Konzern in Europa, der Doppelstandards im Pestizid-Handel ausnutzt. Auch Firmen in Deutschland machen Gewinne mit Pestiziden, die in der EU aufgrund von Gefahren und Risiken für die menschliche Gesundheit und die Umwelt nicht genehmigt bzw. verboten sind, wie Berichte von PAN Germany und Public Eye zeigen konnten.

Erst im Juli dieses Jahres kritisierten führende Expert*innen des Menschenrechtsrates der Vereinten Nationen aufs schärfste die gängige Praxis wohlhabender Staaten, ihre verbotenen giftigen Chemikalien in ärmere Länder zu exportieren und forderten von EU- und OECD-Staaten eine Abkehr von dieser menschenrechtswidrigen Praxis. Der Vergiftungsfall von Yavatmal veranschaulicht auf traurige Weise, dass es die, von der Industrie nach wie vor gepredigte, „sichere Anwendung“ hochgefährlicher Pestizide unter Armutsbedingungen nicht gibt und er zeigt, wie dringend es rechtsverbindlicher Regelungen gegen Doppelstandards im Pestizidhandel bedarf. PAN Germany setzt sich in einer gemeinsamen Kampagne mit dem INKOTA Netzwerk für ein Gesetz gegen diese Doppelstandards ein.

Die amtlichen Dokumente aus Indien liefern auch Hinweise auf zwei Todesfälle im Zusammenhang mit Polo. Parallel zur OECD-Beschwerde wurde mit den Hinterbliebenen der beiden Todesopfer sowie mit einem Vergiftungs-Überlebenden eine auf der Produktehaftung basierende Schadensersatzklage in Basel eingereicht.

Weitere Informationen und Hintergründe zu der Beschwerde gegen Syngenta finden Sie in der gemeinsamen Presseerklärung des ECCHR, Public Eye, PAN Asia Pacific und PAN India.

 

Kontakt:

Ms. Sarojeni Rengam, PAN Asia Pacific, sarojeni.rengam@panap.net

Susan Haffmans, PAN Germany, susan.haffmans@pan-germany.org




Gemeinsam gegen den Export verbotener Pestizide – Jetzt PAN-Appell unterzeichnen!

Bislang gibt es weder EU-weit noch in Deutschland ein Gesetz, das den Export verbotener Pestizide untersagt. Aus Sicht von PAN Germany muss sich das ändern!

Firmen aus Deutschland exportieren Jahr für Jahr Tausende von Tonnen hochgefährlicher Pestizide in Drittländer, die wegen ihrer besonderen Gefährlichkeit für eine Anwendung in der EU verboten sind. Als hochgefährlich gelten nach FAO/WHO-Definition Pestizide, die nach international anerkannten Klassifizierungssystemen anerkanntermaßen besonders hohe akute oder chronische Gefahren für Gesundheit oder Umwelt darstellen. Auch Pestizide, die unter den Anwendungsbedingungen in einem Land schwere oder irreversible Gesundheits- oder Umweltschäden verursachen, zählen dazu.

Das europäische Pestizidrecht misst dem Schutz empfindlicher Gruppen unserer Gesellschaft, der Artenvielfalt und den Ökosystemen einen besonderen Wert bei. Demzufolge dürfen Pestizidwirkstoffe mit kanzerogenen, mutagenen, reproduktionsschädlichen, hormonschädlichen oder für die Umwelt besonders bedenklichen Eigenschaften nicht mehr genehmigt werden (mit sehr eng gefassten Ausnahmen).

Doch während man die europäischen Landwirt*innen, die Bevölkerung und ihre Umwelt zu Recht vor diesen gefährlichen Wirkstoffen zu schützen versucht, gibt es bislang in der EU keine gesetzliche Regelung, die den Export genau dieser Pestizide untersagt. Diese Doppelstandards im Pestizid-Handel erlauben Exportgewinne auf Kosten der Gesundheit von Millionen von Menschen in den Zielländern und gehören aus Sicht von PAN und führender UN-Menschenrechtsexpert*innen abgeschafft.

Gemeinsam mit dem INKOTA Netzwerk und einer wachsenden Anzahl von Unterstützer*innen fordern wir Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner und Wirtschaftsminister Peter Altmaier auf,

  1. den Export von Pestizidwirkstoffen, die in der EU aufgrund von Gefahren und Risiken für die menschliche Gesundheit und die Umwelt nicht genehmigt sind, gesetzlich zu verbieten,
  2. sich für eine entsprechende gesetzliche Regelung auf EU-Ebene einzusetzen und
  3. sich auf europäischer und internationaler Ebene für ein schrittweises Verbot hochgefährlicher

Pestizide zu engagieren.

Giftexporte stoppen

Machen Sie mit!

Unterstützen Sie diese Forderungen, indem Sie den gemeinsamen Aufruf „Giftexporte stoppen“ von PAN Germany und INKOTA unterzeichnen und verbreiten.

 




Internationaler Aufruf gegen hochgefährliche Pestizide

Der „Internationale Aufruf für ein Verbot hochgefährlicher Pestizide“ ist ein Aufruf von PAN International, den Organisationen aus sehr vielen Ländern aller Kontinente unterzeichnet haben. Der Aufruf bringt zum Ausdruck, dass hochgefährliche Pestizide endlich durch agrar-ökologische Ansätze der landwirtschaftlichen Produktion ersetzt werden müssen, um die vielen Gesundheits- und Umweltschäden durch Pestizide zu stoppen.

Dieser Aufruf ist nicht vergleichbar mit den vielen anderen Aufrufen, die sich zeitlich begrenzt zu einem konkreten Datum mit einem spezifischen Anliegen z.B. an eine Regierungsstelle wenden, um sich etwa zu einem konkreten Gesetzesvorhaben zu äußern.

Im Gegensatz dazu geht es bei diesem Aufruf darum, sichtbar zu machen, dass weltweit sehr viele Organisationen ein Verbot hochgefährlicher Pestizide als dringende Lösung schwerwiegender Pestizid-Probleme erachten. Es ist eine globale zivilgesellschaftliche Willensbekundung, die von mehr als 564 Organisationen aus 111 Ländern (Stand 07.01.2019) unterzeichnet wurde und die Programme zur Ökologisierung der Pflanzenproduktion einfordert. All die vielen Organisationen, die diesen Aufruf unterzeichnet haben, machen mit ihrer Unterzeichnung deutlich, dass sie entweder aktiv auf das gemeinsame Ziel hinarbeiten oder das Ziel ideell oder finanziell unterstützen. Wie sie dies tun, ist erfreulich unterschiedlich, weil jede Organisation mit ihrer Arbeit unterschiedlich ansetzt, um einen Beitrag zu leisten. Während z.B. einige dafür arbeiten, dass ein bestimmtes hochgefährliches Pestizid in ihrem Land, ihrer Region oder global nicht weiter zugelassen wird, kümmern sich andere darum, gemeinsam mit Bäuerinnen und Bauern ökologische Pflanzenschutzmethoden zu entwickeln, die lokal in einer konkreten Anbaukultur praxistauglich und wirksam sind. Weitere arbeiten in der Bildungs- oder Öffentlichkeitsarbeit oder sie koordinieren Projekte, die Frauen als wichtiges Rückgrat der nachhaltigen Ernährungssicherung stärken. Die hier nur angedeutete Diversität der Initiativen begründet die berechtigte Hoffnung, dass es machbar ist, zukünftig ohne die Kollateralschäden der Pestizidwirtschaft Landwirtschaft zu betreiben. Gleichzeitig hat dieser Aufruf auch die Funktion, das globale Netzwerk zivilgesellschaftlicher Organisationen rund um das Thema „hochgefährliche Pestizide“ sichtbar zu machen und damit allen Unterzeichnern die Möglichkeit zu geben, miteinander in Kontakt zu treten, wenn eine Kooperation oder ein Informationsaustausch gewünscht ist.

Eine nicht zu unterschätzende Funktion dieses Aufrufes ist, einzelnen Organisationen bei Ihrer Arbeit den Rücken zu stärken, denn mit diesem Aufruf können alle Unterzeichner darauf verweisen, dass sie keine Einzelmeinung vertreten.

Deshalb ist es wichtig, dass noch mehr Organisationen unterzeichnen, indem sie folgende Informationen an susan.haffmans@pan-germany.org senden:

1) Name der Organisation,
2) Land,
3) Name der Kontaktperson,
4) E-Mail der Kontaktperson.

 

Der Aufruf mit der Liste der Unterzeichner ist in fünf Sprachen verfügbar:

Aufruf "Für ein Verbot hochgefährlicher Pestizide"

Aufruf "Für ein Verbot hochgefährlicher Pestizide"

Datum: 13. August 2020 357.67 KB

Jahrzehnte an Erfahrungen haben gezeigt, dass eine sichere Anwendung hochgefährlicher Pestizide trotz...

Appeal for a ban of highly hazardous pesticides

Appeal for a ban of highly hazardous pesticides

Datum: 13. August 2020 344.67 KB

Decades of experience has shown that, despite numerous ‘safe use’ programs, the ’safe use’ of...

Appel pour l’interdiction des Pesticides Extrêmement Dangereux

Appel pour l’interdiction des Pesticides Extrêmement Dangereux

Datum: 13. August 2020 417.64 KB

Des décennies d'expériences ont montré qu’en dépit des nombreux programmes d’ «utilisation sécuritaire»,...

Convocatoria por la prohibición de los plaguicidas altamente peligrosos

Convocatoria por la prohibición de los plaguicidas altamente peligrosos

Datum: 13. August 2020 301.88 KB

Décadas de experiencia han mostrado que un uso seguro de los plaguicidas altamente peli-grosos no es...

Appello per la messa al bando dei pesticidi ad alto rischio (PAR)

Appello per la messa al bando dei pesticidi ad alto rischio (PAR)

Datum: 13. August 2020 350.90 KB

L’esperienza accumulata nei decenni ha dimostrato che nonostante numerosi programmi di “uso sicuro”,...




Appeal for a ban of highly hazardous pesticides

Decades of experience has shown that, despite numerous ‘safe use’ programs, the ’safe use’ of highly hazardous pesticides (HHPs) is not possible. People, farm­animals, wildlife and the environment continue to suffer considerable harm from HHPs. After decades of failure which have seen millions of deaths worldwide, new policies are needed to stop pesticide poisonings. A progressive phaseout and ban of HHPs, along with new policies for supporting alternatives, can make a change towards a healthy and sustainable world for all.




Aufruf „Für ein Verbot hochgefährlicher Pestizide“

Jahrzehnte an Erfahrungen haben gezeigt, dass eine sichere Anwendung hochgefährlicher Pestizide trotz vieler Programme zur „sicheren“ Anwendung nicht möglich ist. Noch immer erleiden Menschen, Nutztiere, wild lebende Tiere und die Natur erhebliche Schäden durch hochgefährliche Pestizide.




Appel pour l’interdiction des Pesticides Extrêmement Dangereux

Des décennies d’expériences ont montré qu’en dépit des nombreux programmes d’ «utilisation sécuritaire», «l’utilisation sécuritaire» des Pesticides Extrêmement Dangereux (HHPs) n’est pas possible. Les Hommes, les animaux domestiques, la faune et l’environnement continuent de subir d’importants préjudices provoqués par les Pesticides Extrêmement Dangereux (HHP). Après des décennies d’échecs qui ont vu des millions de morts dans le monde, de nouvelles politiques sont nécessaires pour stopper les intoxications par les pesticides. L’élimination progressive et l’interdiction des Pesticides Extrêmement Dangereux, accompagnées de nouvelles politiques en faveur des alternatives, peuvent apporter des changements vers un monde sain et durable pour tous.




Convocatoria por la prohibición de los plaguicidas altamente peligrosos

Décadas de experiencia han mostrado que un uso seguro de los plaguicidas altamente peli-grosos no es posible, a pesar de los muchos programas para un “uso seguro“. Todavía existen seres humanos, ganado, animales silvestres y naturaleza que sufren daños graves a causa de los plaguicidas altamente peligrosos. Después de décadas de fracasos que cobraron milliones de muertos en todo el mundo, cada vez se hace más necesaria una nueva política para detener la intoxicación por plaguicidas. La reducción progresiva del uso y la prohibición de los plaguici-das altamente peligrosos, así como una nueva política para el fomento de alternativas, pueden impulsar un cambio hacia un mundo sano y sustentable.




Appello per la messa al bando dei pesticidi ad alto rischio (PAR)

L’esperienza accumulata nei decenni ha dimostrato che nonostante numerosi programmi di “uso sicuro”, l’“uso sicuro” dei pesticidi ad alto rischio (PAR) non è possibile. Le persone, gli animali delle fattorie, la fauna e flora e l’ambiente continuano ad essere considerevolmente af-fetti dai PAR. Dopo anni di fallimenti, che hanno portato alla morte di milioni di persone nel mondo, è necessario implementare nuove politiche per fermare l’avvelenamento dai pesticidi. Il ritiro e la proibizione dei PAR, in parallelo a nuove politiche in supporto a pratiche alternative, possono portare ad un mondo più salutare e sostenibile per tutti noi.




Bewertung von Pestizidrückständen in Pflanzenmaterial (Grasproben vom 28.5.2016) aus Südtirol

Grasproben von acht Flächen in der Provinz Bozen, Italien, wurden auf Pestizide hin untersucht. Pestizid-Wirkstoffe wie Chlorpyrifos, Fluazinam und Thiacloprid wurden in Proben von Flächen nachgewiesen, die nicht mit Pestiziden behandelt wurden (Grundschulen, Spiel-, Sportplätze usw.).




UN Press Release: States must stop exporting unwanted toxic chemicals to poorer countries, says UN expert

GENEVA (9. July 2020) – The practice of wealthy States exporting their banned toxic chemicals to poorer nations lacking the capacity to control the risks is deplorable and must end, a UN expert said today, with the endorsement of 35 fellow experts of the Human Rights Council.