Positiver Rückgang beim Inlandsabsatz von Pestiziden doch Intensität und Toxizität beiben weiter hoch

Gestern, am 12.8.2020 wurde der Bericht zum Absatz an Pestiziden 2019 des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) veröffentlicht.

Dass der Inlandsabsatz an Pestiziden im Vergleich zum Vorjahr um etwa 6,7 Prozent gesunken ist, ist zunächst einmal – ganz unabhängig davon, welchen Anteil die Witterung daran hatte – eine gute Nachricht, die allerdings differenziert betrachtet werden muss. Allen Landwirtinnen und Landwirten, die sich engagiert haben und durch vorsorgende ackerbauliche Maßnahmen, durch vorausschauende Fruchtfolgeplanung oder den Verzicht auf Herbizide wie Glyphosat zu dieser Reduktion beigetragen haben, gebührt Anerkennung und Dank.

Besonders hervorzuheben ist dabei die Leistung der des ökologischen Landbaus (ÖLB) für die Pestizidreduktion. Auf 94 Prozent seiner Flächen wirtschaftet der ÖLB komplett pestizidfrei und überall ist er Vorreiter, wenn es darum geht, nicht-chemische Pflanzenschutzkonzepte zu entwickeln und in der Praxis umzusetzen. Dies kommt der Umwelt, der Artenvielfalt und unserer Gesundheit direkt zugute.

Was die Daten des BVL nicht zeigen: Die „Pestizidlast“ pro Fläche, die sich aus der Behandlungsintensität pro Fläche und der Toxizität der ausgebrachten Pestizide u.a. für Säugetiere und den Menschen, für aquatische Organismen  etc. bestimmen lässt, ist nach Berechnungen von Expert*innen in den vergangenen Jahren gestiegen, nicht gesunken. Von einer wesentlichen Pestizidreduktion, wie sie von der EU Kommission im Rahmen der „Farm to Fork“-Strategie und der Biodiversitätsstrategie 2030 gefordert, sind wir noch weit entfernt. Die Strategien fordern, den Einsatz chemischer Pestizide und das damit verbundene Risiko bis 2030 um 50 % zu reduzieren, gefährlichere Pestizide um 50 % zu verringern und durch agrarökologische Verfahren zu ersetzen sowie den Anteil ökologisch bewirtschafteter Flächen in der EU bis 2030 auf 25 % landwirtschaftlicher Nutzflächen zu erhöhen. Vielleicht lässt der Rückgang des Inlandsabsatzes hoffen, dass Bewegung in Richtung Pestizidreduktion trotz gegenteiliger Erfahrungen der letzten Jahre möglich ist.

BMEL und die Bundesregierung sind aufgerufen, sich dahingehend zu engagieren. Ein solches ernsthaftes Engagement sollte auch einschließen, endlich die seit Jahren ungenutzt Möglichkeit umzusetzen, durch eine Risikoabgabe auf besonders gefährliche Pestizide Anreize zu schaffen, auf diese zu verzichten und umweltfreundlicheres Verhalten von Landwirt*innen zu honorieren sowie Lösungen zu erarbeiten für Probleme wie Pestizid-Abdrift, unberücksichtigte Kombinationswirkungen und indirekte Umwelteffekte.

Mit 41,7 Prozent hatten 2019 die Insektizide und Akarizide (inklusive inerter Gase, die im Vorratsschutz eingesetzt werden) den größten Anteil an der Wirkstoffmenge, die im Inland abgesetzt wurden, gefolgt von den Herbiziden mit 30,5 Prozent und den Fungiziden mit 22,5 Prozent. Die Anzahl von Wirkstoffen in zugelassenen Pestiziden hat erneut zugenommen und liegt derzeit bei 288, 2010 lag waren es noch 249 Wirkstoffe. Trotz erfreulichem Rückgang von Herbiziden insgesamt um 6,5 Prozent und Pestizid-Produkten mit Glyphosat um 11,3 Prozent, behauptet der hoch problematische Wirkstoff Glyphosat mit 2500-10000 Tonnen seinen Spitzenplatz. Der Wirkstoff wurde von der Krebsagentur der WHO als ‚wahrscheinlich krebserregend beim Menschen‘ eingestuft.

Der BVL-Bericht enthält auch neue Daten zum Export von Pestiziden. Hierauf wird in einem gesonderten Beitrag eingegangen.




Toxikologische Bewertung der Pestizidbelastung über die Luft deckt ungenügende Risikobewertung auf

In einer 2019 veröffentlichten Studie zu einem bundesweiten Monitoring der Immissionsbelastung der Luft durch Pestizide wurden insgesamt 104 verschiedene Pestizide in Baumrinden nachgewiesen. Der Toxikologe Dr. Peter Clausing (Mitglied von PAN Germany) hat in einer toxikologischen Bewertung 15 der am häufigsten nachgewiesenen Wirkstoffe näher betrachtet. Dabei handelt es sich um Boscalid, Clomazon, Diflufenican, Epoxiconazol, Ethofumesat, Flufenacet, Glyphosat, Metalaxyl, Metazachlor, Pendimethalin, Prosulfocarb, Prothioconazol, S-Metolachlor, Tebuconazol, Terbuthylazin. Das Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft hat die Analyse in einem Bericht „Baumrinden-Monitoring der Pestizid-Belastung über die Luft: Eine toxikologische Bewertung“ am 12.02.2020 veröffentlicht.

Aufgrund der Ergbnisse kommt Dr. Peter Clausing zu dem Schluss, dass die Kriterien der Bewertung einer möglichen Exposition des Menschen dringend überprüft werden müssen. Die Bewertung einer möglichen Krebsgefahr zeigte in der Analyse bei sieben von 13 der am häufigsten in Baumrindenproben gefundenen Wirkstoffe Mängel. Das Risiko einer verharmlosenden Bewertung durch eine falsche Anwendung oder Nichtberücksichtigung von Bewertungskriterien, ist inakzeptabel. Dr. Peter Clausing warnt, dass das Behördenversagen bei der Krebsbewertung von Glyphosat kein Einzelfall war. Weil die Risikobewertung einer Pestizidexposition über die Atemluft bislang nur nicht umfassend genug erfolgt, bedarf es einer Aktualisierung des Vorgehens, so wie es auch bei der ungenügenden Bewertung von Mehrfachrückständen in Lebensmitteln der Fall ist.




Gefährliches Vertrauen in die Gute Laborpraxis

Im Oktober 2019 schockierte in Deutschland das investigative Nachrichtenmagazin FAKT der ARD mit schweren Betrugsvorwürfen gegen ein großes deutsches Tierversuchslabor, das LPT – Laboratory of Pharmacology and Toxicology in Hamburg. Eine jetzt durchgeführte Analyse zeigt, dass im Rahmen des Glyphosat-Genehmigungsverfahrens rund 10 Prozent der neu eingereichten Studien LPT zugeordnet werden können. Das Factsheet „Gefährliches Vertrauen in die Gute Laborpraxis (GLP)“ beschreibt die Situation bei LPT im Detail und befasst sich mit der Frage, was generell geändert werden muss, um das Vertrauen in diese Art von Studien wieder herzustellen.

Factsheet - GEFÄHRLICHES VERTRAUEN IN DIE „GUTE LABORPRAXIS“

Factsheet - GEFÄHRLICHES VERTRAUEN IN DIE „GUTE LABORPRAXIS“

Datum: 11. Februar 2020 3.46 MB

Unser Zulassungssystem für Chemikalien basiert auf dem Grundsatz, dass die Hersteller anhand von Studien...

Factsheet - DANGEROUS CONFIDENCE IN “GOOD LABORATORY PRACTICE”

Factsheet - DANGEROUS CONFIDENCE IN “GOOD LABORATORY PRACTICE”

Datum: 11. Februar 2020 3.42 MB

Our authorisation system for chemicals is based on the principle that manufacturers must prove, by means...

Pressemitteilung von PAN Europe (Englisch)




Factsheet – DANGEROUS CONFIDENCE IN “GOOD LABORATORY PRACTICE”

Our authorisation system for chemicals is based on the principle that manufacturers must prove, by means of scientifc studies, that their products do not pose unacceptable risks to public health and the environment. It is therefore also the responsibility of manufacturers to
commission certifed contract laboratories to carry out the toxicological studies necessary for the approval procedure. As a guarantee against manipulation and falsifcation of these „regulatory“ studies, regulatory authorities worldwide rely on the certifed standard of „Good
Laboratory Practice“ (GLP). This standard provides for strict documentation requirements and regular internal and external controls. However, the current fraud scandal involving a German contract laboratory certifed according to GLP, shows that this trust is unlikely to be justifed. According to reports, GLP studies have been manipulated and falsifed there since 2005.




Factsheet – GEFÄHRLICHES VERTRAUEN IN DIE „GUTE LABORPRAXIS“

Unser Zulassungssystem für Chemikalien basiert auf dem Grundsatz, dass die Hersteller anhand von Studien beweisen müssen, dass ihre Produkte keine inakzeptablen Risiken für Gesundheit und Umwelt bergen. Daher obliegt es auch den Herstellern, zertifzierte Vertragslabors mit den für das Zulassungsverfahren notwendigen toxikologischen Studien zu beauftragen. Als Garant gegen Manipulation und Fälschung dieser “regulatorischen“ Studien vertrauen Zulassungsbehörden weltweit auf den zertifzierten Standard der „Guten Laborpraxis“ (GLP). Dieser sieht strenge Dokumentationspfichten und regelmäßige interne und externe Kontrollen vor. Doch der aktuelle Betrugsskandal an einem deutschen GLPzertifzierten Vertragslabor zeigt, dass dieses Vertrauen nicht gerechtfertigt ist. Berichten zufolge wurden dort seit 2005 GLP-Studien manipuliert und gefälscht.




Die Darstellung von Glyphosat in der medialen Öffentlichkeit

Eine Analyse der Berichterstattung in der Süddeutschen Zeitung und der tageszeitung

PAN Germany Pestizid-Brief 2 – 2019

Wohl kaum ein anderer Herbizidwirkstoff erfährt so viel öffentliche Aufmerksamkeit wie Glyphosat. Das öffentliche Interesse lässt sich nicht nur damit begründen, dass Glyphosat das weltweit am häufigsten genutzte Herbizid ist (vgl. Benbrook 2015). Sondern vor allem die Kontroverse, ob Glyphosat krebserregend für Menschen ist, führte zu einer erhöhten Berichterstattung in den Massenmedien. Die Frage der Krebsgefahr von Glyphosat ist deshalb kontrovers, weil unterschiedliche Institutionen zu konträren Einschätzungen kommen. Besonders die Einschätzung der Internationalen Agentur für Krebsforschung der Weltgesundheitsorganisation (IARC), dass Glyphosat „wahrscheinlich krebserregend“ (IARC 2015) sei, fand ein breites Echo in der Öffentlichkeit. Andere Institutionen, wie etwa das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR 2019) oder die Europäische Chemikalien Agentur (ECHA 2017), sehen durch den Gebrauch von Glyphosat kein Krebsrisiko für den Menschen. Die dispersen Bewertungen der verschiedenen Institutionen resultieren aus unterschiedlichen Interessen sowie unterschiedlichen toxikologischen Bewertungen, was sich auch auf regulativer Ebene widerspiegelt. Nach EU-Recht sollte ein Stoff nicht genehmigt werden, der „wahrscheinlich krebserregend“ ist, und somit ein Gefahrenpotenzial besitzt. Die Problematik, dass regulative Behörden den Gefahrenansatz für die Risikoabschätzung nicht voll umsetzen, legt Clausing (2017) dar. Neben den Akteuren und Institutionen, die in der Risikoabschätzung von Glyphosat beteiligt sind, ist auch die öffentliche Darstellung von Glyphosat relevant. Schließlich ist die massenmediale Berichterstattung nicht nur eine zentrale Informationsquelle, sondern auch eine wesentliche Basis für unsere Einstellungen, unser Weltbild und unsere Meinungen (Gamson/Modigliani 1989; Gerhards/Neidhardt 1990; Schmidt/Schäfer 2015). Freilich soll hier von keiner Übermacht der Medien ausgegangen werden, dennoch konstruieren Medien soziale Realität (Tuchmann 1978). Mit Blick auf Glyphosat stellt sich beispielsweise die Frage: Welche Bilder werden in der Berichterstattung vermittelt? Wird das Krebsrisiko ernsthaft thematisiert oder wird Glyphosat als nützliches Mittel dargestellt? Und welche Akteure kommen zu Wort? Die Berichterstattung zu Glyphosat ist damit hochpolitisch, denn je nachdem wie Leitmedien über Glyphosat berichten, kann dies zu einer erhöht kritischen Stimmung in der Öffentlichkeit führen.

An dieser Stelle wird ein Blick auf die deutsche Berichterstattung über Glyphosat genommen. Der Fokus liegt auf der Presseberichterstattung von zwei Leitmedien: der Süddeutschen Tageszeitung (SZ) und der tageszeitung (taz). Nach der Bild-Zeitung steht die SZ aktuell auf Platz zwei der auflagenstärksten Tageszeitungen in Deutschland; die taz steht auf Platz sechs (vgl. Statista 2019). Die beiden Tageszeitungen sind im politischen Spektrum links (taz) beziehungsweise mitte-links (SZ). Der Vergleich zwischen der SZ und der taz ist insofern interessant, als die SZ zunächst die Auflagenstärkste Tageszeitung der Qualitätspresse ist, während die taz für ihre alternative Ausrichtung bekannt ist. Im Vergleich der beiden Tageszeitungen soll deutlich werden, ob und inwiefern Tendenzen in der Berichterstattung erkennbar sind. Die Auswahl der Artikel erfolgte per Stichwortsuche („Glyphosat“) in den Online-Archiven der Zeitungen. Dabei wurden alle Artikel berücksichtigt, die vier Wochen vor und nach den folgend dargestellten Daten und Ereignissen publiziert wurden – außer im Jahr 1996 wurden alle Artikel analysiert, die zu Glyphosat erschienen sind, da kein konkretes Datum recherchiert werden konnte, wann exakt Roundup Ready Saatgut nach Deutschland kam:

  • 01.01.1996 – 31.12.1996: Roundup-Ready-Saatgut kommt in Deutschland auf den Markt.
  • 20.03.2015: Die IARC klassifiziert Glyphosat als “wahrscheinlich krebserregend”.
  • 29.06.2016: Die Europäische Union lässt Glyphosat für weitere 15 Monate zu.
  • 10.05.2016: Die Übernahme von Monsanto durch Bayer wird öffentlich bekannt gemacht.
  • 14.03.2017: Die Monsanto-Papiere werden publik gemacht.
  • 15.03.2017: Der Ausschuss für Risikobewertung der ECHA stuft Glyphosat nicht als wahrscheinlich krebserregend ein.
  • 27.11.2017: Die EU lässt Glyphosat für weitere fünf Jahre zu.

Folgende Fragen zur Darstellung von Glyphosat in den ausgewählten Medien werden im weiteren Verlauf beantwortet:

  1. Zu welchen Zeitpunkten ist die Berichterstattung über Glyphosat besonders hoch?
  2. Welche Risiken von Glyphosat werden thematisiert?
  3. Welche Nutzen von Glyphosat werden dargestellt?
  4. Welche Akteure werden genannt?
  5. Welche Akteure werden direkt zitiert?

Der Begriff „Risiko“ meint hier nicht das Risiko im toxikologischen oder regulativen Sinne, sondern bezieht sich auf ein sozialwissenschaftliches Konzept zur Untersuchung öffentlicher Kommunikation. Konkret referiert der Begriff „Risiko“ hier auf das Frame-Konzept des amerikanischen Sozialwissenschaftlers Robert Entman (1993). Entman untersucht, wie Themen in den Medien „gerahmt“ werden (Rahmen = Frame). Entman geht davon aus, dass Themen eher unter einem Blickwinkel eines „Risikos“ oder aus der Perspektive eines „Nutzens“ präsentiert werden. Daher bezieht sich Risiko in der folgenden Analyse nicht auf ein toxikologisches Risiko, sondern allgemein auf die Frage, ob Glyphosat im Kontext eines Risikos (und das muss nicht toxikologisch verstanden werden, sondern kann zum Beispiel auch ein wirtschaftliches oder politisches Risiko sein) oder im Kontext eines Nutzens präsentiert wird. Da Glyphosat aber auch im toxikologischen Sinne aufgrund seines Gefahrenpotenzials ein Risiko darstellt, sind diese zwei Verständnisse von Risiko zu beachten.

Die Frage nach den Akteuren ist bedeutsam, da es einen Unterschied macht, ob vermehrt Akteure aus der Wirtschaft, Wissenschaft, Politik oder von Nicht-Regierungs-Organisationen (NGOs) benannt und zitiert werden, da hierdurch differenzierte Anschauungen dargestellt werden. Welche Akteure sind sichtbar und wer kommt zu Wort – werden bestimmte Akteure kaum genannt oder zitiert, ist dies ebenfalls politisch, da Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit überhaupt Voraussetzung ist, um den eigenen Argumenten Gehör zu verschaffen.

Frage 1: Zu welchen Zeitpunkten ist die Berichterstattung besonders hoch?

Vier Wochen vor und nach den zuvor genannten Daten inklusive aller Artikel aus dem Jahr 1996 sind in der SZ insgesamt 152 zu Glyphosat erschienen, in der taz sind es 74 Artikel.

An der Anzahl und der Verteilung der Artikel wird bereits deutlich, dass Glyphosat in der Berichterstattung beider Tageszeitungen zu einem politisierten Thema wurde. Während die IARC Klassifizierung vor allem in der SZ zunächst eher minimal berücksichtigt wurde (mit einem Artikel), stieg die Berichterstattung mit dem politischen Disput zunächst in der EU und später vor allem in Deutschland zwischen der damaligen Umweltministerin Barbara Hendricks und dem Landwirtschaftsminister Christian Schmidt deutlich an. Nun stellt sich die Frage, wie über Glyphosat berichtet wurde.

Frage 2 und 3: Welche Risiken und welche Nutzen von Glyphosat werden thematisiert?

Tabelle 2 gibt einen Überblick über Risiken und Nutzen, die im Zusammenhang mit Glyphosat diskutiert wurden. Dabei kann ein Artikel mehrere Nutzen und/oder Risiken benennen. Da die Anzahl der Gesamtartikel von taz und SZ sehr unterschiedlich ausfiel, wird zunächst die absolute Anzahl an Artikeln dargestellt und sodann die Prozentzahl. Die Prozentzahl bezieht sich dabei auf 100% der jeweiligen Zeitung. So wurde beispielsweise in 18,92% der Artikel in der taz die Gefahr, Glyphosat ist wahrscheinlich krebserregend, thematisiert, während dieser Aspekt in 7,24% aller hier analysierten SZ-Artikel problematisiert wurde.

Tabelle 2: Übersicht Risiken und Nutzen von Glyphosat (SZ = 152 Artikel; taz = 74 Artikel)

Insgesamt werden deutlich mehr Risiken thematisiert als Nutzen. In beiden Tageszeitungen werden in weniger als 10% der Artikel Nutzen von Glyphosat thematisiert. Auch die Bandbreite an genannten Nutzen ist vergleichsweise gering als diejenige an Risiken. Mit Blick auf die Risiken wird abermals die politische Perspektive auf Glyphosat deutlich. So ist in beiden Tageszeitungen der politische Disput um Glyphosat das meist genannte Risiko – vorrangig geht es dabei um das Risiko des Vertrauensbruchs zwischen den damaligen Bundesministern Christian Schmidt und Barbara Hendricks und der damit verbundenen Frage, ob es 2017 dennoch zu Koalitionsverhandlungen zwischen der CDU/CSU und der SPD kommen konnte. Die Krebsgefahr und allgemeine Sorgen, die nicht weiter spezifiziert werden, sind ebenfalls ein öfter diskutiertes Risiko – wobei die taz das Krebsgefahr in fast 19% der hier analysierten Artikel thematisiert, während es in der SZ lediglich rund 7% der Artikel sind. Umweltrisiken werden hingegen kaum problematisiert; allerdings werden diese vermehrt in der SZ diskutiert als in der taz. Ebenfalls fällt auf, dass jeweils knapp weniger als 20% der Artikel beider Tageszeitungen weder ein Risiko noch einen Nutzen problematisieren; zudem muss berücksichtigt werden, dass für wenige SZ-Artikel die Analyse noch aussteht.

Frage 4 und 5: Welche Akteure werden genannt und welche Akteure werden zitiert?

Tabelle 3 fasst zusammen, welche Typen von Akteuren in den beiden Tageszeitungen genannt und welche direkt zitiert werden. Die Nennung bestimmter Akteure ist bedeutsam, da ein Akteur überhaupt erst sichtbar sein muss, damit er in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden kann. Eine direkte Zitation gibt dem Akteur wiederum noch mehr Sichtbarkeit, da eine direkte Aussage via Berichterstattung an ein breites Publikum vermittelt wird. In der Tabelle wird jeweils zunächst dargestellt, welcher Akteurstyp genannt wurde und sodann welcher Akteurstyp direkt zitiert wurde. An dieser Stelle werden die Akteurstypen präsentiert – das heißt, die Frage ob beispielsweise politische oder wirtschaftliche Akteure genannt und zitiert wurden. Die Analyse fand feingliedriger statt und hat jeden konkreten Akteur (Organisationen ebenso wie einzelne Personen) erfasst. Der Blick auf die Akteurstypen ist aufschlussreich, da daran erkannt wird, ob Glyphosat eher mit einem Fokus auf die Politik, Wirtschaft, Landwirtschaft oder Umwelt oder Zivilgesellschaft betrachtet wird. Hier wird ein besonderes Augenmerk auf NGOs gerichtet. NGOs werden hier als Gruppen der Zivilgesellschaft verstanden, die keine Absicht haben, eine Regierung zu bilden. Gleichwohl können Sie ein bestimmtes politisches Weltbild repräsentieren, was beispielsweise bei politischen Stiftungen der Fall ist – gleichzeitig sind politische Stiftungen finanziell und organisatorisch von Parteien unabhängig (vgl. Massing 2015, o. S.). Organisationen, die wiederum wirtschaftliche Interessen hinter sich vereinen, zählen hier nicht zu NGOs. Die Glyphosat Task Force wird hier als wirtschaftliche Organisation kategorisiert. Verbrauchergruppen wurden ebenfalls separat kategorisiert, da diese typischerweise mit dem Akteurstyp Verbraucher in Verbindung gesetzt werden und damit in der Berichterstattung einen spezifischen Fokus setzen, der in diesem Kontext gesondert berücksichtigt wird (eben das Thema Verbraucherschutz/Verbraucher). Die Angaben in der Tabelle sind die Prozentzahlen aller analysierten Artikel (SZ = 152 Artikel, taz = 74 Artikel):

Tabelle 3: Übersicht genannte und direkt zitierte Akteure (SZ = 152 Artikel, taz = 74 Artikel)

Abermals wird deutlich, dass Glyphosat vor allem vor einem politischen Hintergrund dargestellt wird. In beide Zeitungen sind politische Akteure sowohl die meist genannten als auch die meist zitierten Akteure – am Rande sei bemerkt, dass Christian Schmidt in seiner Funktion als Bundeslandwirtschaftsminister der meist genannte und meist zitierte politische Akteur ist. Die taz benennt und zitiert deutlich häufiger politische Akteure als die SZ. Am zweithäufigsten, aber bereits deutlich weniger werden wirtschaftliche Akteure genannt. Vor allem fällt hier die geringe Anzahl an Artikeln auf, die einen wirtschaftlichen Akteur direkt zitieren. Lediglich in 5,2% (SZ) beziehungsweise 9,4% (taz) der Artikel werden wirtschaftliche Akteure wortwörtlich wiedergegeben. Allerdings werden in deutlich weniger Artikeln Expert*innen, Bürger*innen oder Landwirt*innen zitiert. Dies verdeutlicht, dass weder wissenschaftliche Aussagen noch die Perspektive der zuvorderst betroffenen Landwirt*innen einen prominenten Stellenwert in der analysierten Berichterstattung haben. Interessant sind die Befunde zu NGOs. Zwar werden in nur wenigen Artikeln NGOs thematisiert, allerdings fällt die Erfolgsquote für ein direktes Zitat vergleichsweise hoch aus. Folgende NGOs werden in den Artikeln der SZ genannt: Greenpeace (in drei Artikeln), PAN (in drei Artikeln), BUND (in drei Artikeln), Umweltinstitut München (in zwei Artikeln), Global 2000 (in einem Artikel), zudem werden in vier Artikeln „NGOs“ allgemein genannt, ohne ein konkretes Beispiel zu nennen. Direkte Zitate gibt die SZ von Vertreter*innen des BUND (in zwei Artikeln), PAN (in 2 Artikeln) und des Umweltinstitut München (in einem Artikel) wieder. In der taz werden folgende NGOs genannt: BUND (in neun Artikeln), Greenpeace (in vier Artikeln), und in jeweils einem Artikel: Heinrich Böll Stiftung, Global 2000, PAN, Koordination gegen Bayer-Gefahren, Bund für Ökologische Lebensmittel, Friends of the Earth, NABU, Organisation Corporate Europe Observatory und schließlich namentlich Jan Plagge als Vertreter verschiedener Institutionen (hier wird die Verbindung zwischen verschiedenen Akteurstypen erkennbar, in diesem Fall zwischen NGOs und Landwirtschaft). Direkt zitiert werden in der taz folgende NGOs: BUND (in sechs Artikeln), und in jeweils einem Artikel: Greenpeace, Global 2000, Organisation Corporate Europe Observatory, Bund für Ökologische Lebensmittel, Koordination gegen Bayer-Gefahren und abermals Jan Plagge als Vertreter verschiedener Organisationen und Akeurstypen. NGOs sind in der taz der am zweithäufigsten zitierte Akteurstyp.

Insgesamt wird deutlich, dass Glyphosat in der Berichterstattung von SZ und taz ein politisiertes Thema ist. Dies zeigt sich sowohl mit Blick auf die dargestellten Risiken und Nutzen als auch mit Blick auf die thematisierten Akteure. Dabei ist grundsätzlich zu berücksichtigen, dass die Journalist*innen den politischen und zivilgesellschaftlichen Diskurs aufgegriffen haben, ob Glyphosat hinsichtlich festgestellter Gefahren und (toxikologischer) Risiken neu regulativ bewertet werden muss oder nicht. Diese Bewertung hat per Gesetz unabhängig von einer Nutzenbewertung zu erfolgen. Der politisch-regulative Status quo von Glyphosat war damit Anlass für die Berichterstattung. Gleichsam zeigt sich, dass Journalist*innen das Thema spezifisch gerahmt haben. So überwiegt in beiden Tageszeitungen die Problematisierung von Risiken (gegenüber Nutzen). Allerdings sind die unterschiedlichen Verständnisse von Risiko zu beachten. Risiko meint hier nicht das toxikologische Risiko von Glyphosat, sondern referiert auf allgemeine Risiken. Tatsächlich stehen weder gesundheitliche noch Umweltrisiken im Vordergrund, sondern der Fokus liegt auf dem politischen Disput (politisches Risiko). Vor allem die unterschiedlichen Positionen von Christian Schmidt und Barbara Hendricks sowie der Alleingang des damaligen Landwirtschaftsministers bilden die Hauptproblematik in den analysierten Artikeln. Christian Schmidt hatte 2017 bei der Abstimmung in der EU für eine weitere Genehmigung von Glyphosat gestimmt. Dies war illegitim, da das deutsche Umweltministerium gegen die Genehmigung war und sich Deutschland in dieser „Pattsituation“ (ein zuständiges Ministerium war für, ein zuständiges Ministerium war gegen die Genehmigung) daher bei der Abstimmung hätte enthalten müssen. Journalist*innen haben schließlich sowohl Glyphosat als kontroverses Mittel als auch die politischen Entwicklungen im Zusammenhang mit der weiteren Genehmigung kritisch beleuchtet. Dies entspricht mithin dem Anspruch an Journalist*innen kritisch zu berichten, schließlich hat der Journalismus eine Kritik- und Kontrollfunktion (vgl. Donges/Jarren 2017).

Abschließend sei angemerkt, dass die hier präsentierten Daten Auszüge aus einem noch laufenden Forschungsprojekt zur Darstellung von Glyphosat in der Deutschen und US-Amerikanischen Presse sind. Bei weiteren Fragen steht die Autorin sehr gerne Rede und Antwort.

 

(Martha Kuhnhenn)

Die Verantwortung für den Inhalt des Artikels liegt bei der Autorin. Ein besonderer Dank geht an Susanne Smolka und Tamara Gripp von PAN Germany.

Wenn Sie auf DRUCKEN klicken, werden die Abbildungen größer dargestellt.

 

Benbrook, Charles M. (2016): Trends in Glyphosate Herbicide Use in the United States and Globally. Environmental Sciences Europe 28(3), S. 1-15.

Bundesinstitut für Risikobewertung BfR (2019): Neue Meta-Analyse zu glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln ändert die Bewertung des Wirkstoffs nicht. DOI 10.17590/20190402-10482. https://www.bfr.bund.de/cm/343/neue-meta-analyse-zu-glyphosathaltigen-pflanzenschutzmitteln-aendert-die-bewertung-des-wirkstoffs-nicht.pdf [11.06.2019]

Clausing, Peter (2017): Krebsgefahr durch Glyphosat: Der „Weight of Evidence Approach“ des BfR In: Umwelt – Hygiene – Arbeitsmed 22 (1), S. 27-34.

Donges, Patrick/Jarren, Otfried (2017): Politische Kommunikation in der Mediengesellschaft. Wiesbaden: Springer.

European Chemicals Agency ECHA (2017): https://echa.europa.eu/-/glyphosate-not-classified-as-a-carcinogen-by-echa [11.06.2019]

Entman, Robert (1993): Framing. Toward Clarification of a Fractured Paradigm. Journal of Communication 43(4), S. 51-58.

Gamson, William A./Modigliani, Andre (1989): Media Discourse and Public Opinion on Nuclear Power: A Constructionist Approach. American Journal of Sociology 95(1), S. 1-37.

Gerhards, Jürgen/Neidhardt, Friedhelm (1990): Strukturen und Funktionen moderner Öffentlichkeit. Fragestellungen und Ansätze, WZB Discussion Paper, No. FS III, S. 90-101.

International Agency for Research on Cancer IARC (2015): IARC Monograph on Glyphosate https://www.iarc.fr/featured-news/media-centre-iarc-news-glyphosate/ [08.08.2019]

Massing, Peter (2015): Politische Stiftungen. https://www.bpb.de/gesellschaft/bildung/politische-bildung/193401/politische-stiftungen?p=all [06.08.2019]

Schmidt, Andreas/Schäfer, Mike (2015): Constructions of Climate Justice in German, Indian and US media. In: Climatic Change 133, S. 535–549.

Statista (2019): Überregionale Tageszeitungen in Deutschland nach verkaufter Auflage im 1. Quartal 2019. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/73448/umfrage/auflage-der-ueberregionalen-tageszeitungen/ [11.06.2019]

Tuchman, Gaye (1978). Making news: A Study in the Construction of Reality. New York: Free Press.




Dokumentation – PAN Germany Workshop „Risiken und Nebenwirkungen von Pestiziden – Schutzgebiete besser schützen!“

 

PAN Germany Workshop

Mit dem Ziel Informationen über die Belastung von Natur und Umwelt durch Pestizide auszutauschen, Handlungsoptionen für den Schutz von Schutzgebieten vor Pestiziden zu erörtern und Maßnahmen für einen erfolgreichen Biodiversitätsschutz im aktuellen Kontext des Aktionsprogramms Insektenschutz zu konkretisieren, hat PAN Germany am 4. Juni 2019 zu dem eintägigen Fachworkshop „Risiken und Nebenwirkungen von Pestiziden – Schutzgebiete besser schützen!“ nach Hamburg eingeladen. Zu den Teilnehmenden zählten Vertreter*innen des Natur- und Umweltschutzes aus Länder- und kommunalen Behörden und von Verbänden und Organisationen der Zivilgesellschaft sowie fachkundige Interessierte. Die vorliegende Dokumentation ermöglicht es den Teilnehmenden und all denjenigen, die nicht am Workshop haben teilnehmen können, sich mit dem Thema über die Veranstaltung hinaus auseinanderzusetzen.

 

Hintergrund

Zahlreiche Faktoren haben dazu geführt, dass Ökosysteme und unsere Umwelt in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend unter Druck geraten sind. Das Ergebnis dieser Entwicklung zeigt sich u.a. in den sich füllenden „Roten Listen“ und anhand von Analyseprotokollen zur Gewässerbelastung. Seit gut 70 Jahren trägt der chemische Pflanzenschutz hierzu bei. Doch wie wirken Pestizide in der Umwelt?

Mit der Ausweisung von Schutzgebieten wie Wasserschutz- oder Naturschutzgebiete, wird versucht, dem Verlust bestimmter Biotoptypen, der chemischen Kontamination von Ressourcen und dem Artenverlust entgegen zu wirken. Doch wie kann es sein, dass vier von fünf deutschen Grünlandbiotop-Typen gefährdet sind und selbst in Schutzgebieten die Insektenbiomasse in den vergangenen 30 Jahren um gut 75 % zurückgegangen ist? Das Insektenschutzprogramm des Bundesumweltministeriums fordert nicht nur eine Pestizidreduktion, sondern auch einen besseren Schutz für Schutzgebiete. Beim Schutz solcher sensiblen Gebiete kommt den Bundesländern eine besondere Aufgabe zu: Sie haben die Befugnis, die Anwendung von Pestiziden in Schutzgebieten nach wasserrechtlichen oder naturschutzrechtlichen Bestimmungen zu verbieten oder zu beschränken. Das Bundesumweltministerium spricht sich für einen Stopp des Pestizideinsatzes in Schutzgebieten aus. Das allein reicht aber nicht aus – es braucht konkrete Maßnahmen und zunächst vor allem Akzeptanz in der Bevölkerung und bei den Beteiligten Vorort.

 

Programm

Mit vier Fachvorträgen wurden wichtige Aspekte zum Thema Pestizide und biologische Vielfalt näher beleuchtet. Der Ökotoxikologe Prof. Dr. Liess vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), Leipzig, berichtete in seinem Vortrag über aktuelle Untersuchungsergebnisse eines laufenden Projekts zur Analyse von Pestizidbelastungen in deutschen Kleingewässern und stellte den Bioindikator „SPEAR pesticides“ zur Anzeige von Pestizidbelastung und ökologischen Effekten in Fließgewässern vor. Senior advisor Water and Food Safety Margriet Mantingh von der Frauenorganisation Women Engage for a Common Future (WECF) und Jelmer Buijs, Buijs von Agro-Services, stellten ihre Untersuchung zu Pestizidfunden auf niederländischen Viehbetrieben und deren mögliche Folgen für die Biodiversität vor. Tamara Gripp, Referentin für Landwirtschaft und Umwelt vom Pestizid Aktions-Netzwerk e.V. (PAN Germany), gab in ihrem Vortrag Einblicke zum Sachverhalt des Pestizideinsatzes in Schutzgebieten und erläuterte den naturschutzrechtlichen und pestizidrechtlichen Rahmen. Abschließend präsentierte Corinna Hölzel, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Pestizidfreie Kommunen und Bienen vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), den aktuellen Stand zum Aktionsprogramm Insektenschutz der Bundesregierung und stellte Neues aus der BUND Initiative „Pestizidfreie Kommunen“ vor. Alle Präsentationen stehen nachfolgend zum Download bereit.

 

Diskussion

Im Anschluss an die Vorträge wurden gemeinsam mit den Teilnehmenden des Workshops mögliche Stellschrauben für eine Pestizidreduktion und Entlastung der Umwelt diskutiert. Besonders intensiv wurden die Defizite bei der regulatorischen Risikobewertung von Pestiziden hinsichtlich der Auswirkungen auf die Artenvielfalt besprochen (mit Bezug auf Cocktail-Effekte, sublethale und indirekte Effekte). Außerdem wurde die Wichtigkeit unterschiedlicher Belastungspfade erörtert, wie der Eintrag von Pestiziden und die damit verbundende Schädigung von Nutzinsekten über mit Pestiziden belastetes Tierfutter sowie die Verbreitung von Pestiziden über den Luftweg. Einigkeit bestand darüber, dass mehr Anstrengungen auf allen beteiligten Ebenen unternommen werden müssen, um den Pestizideinsatz insgesamt zu senken und in Schutzgebieten generell zu unterbinden sowie über die Notwendigkeit, in der landwirtschaftlichen Produktion eine Wende hin zu umweltverträglicheren Pflanzenschutzkonzepten einzuläuten.

 

Dokumentation - PAN Germany Workshop "Risiken und Nebenwirkungen von Pestiziden - Schutzgebiete besser schützen!"

Dokumentation - PAN Germany Workshop "Risiken und Nebenwirkungen von Pestiziden - Schutzgebiete besser schützen!"

Datum: 18. Juni 2019 35.25 MB

PAN Germany Workshop, 4. Juni 2019 in Hamburg-Wilhelmsburg. "Risiken und Nebenwirkungen von Pestiziden...




Dokumentation – PAN Germany Workshop „Risiken und Nebenwirkungen von Pestiziden – Schutzgebiete besser schützen!“

PAN Germany Workshop, 4. Juni 2019 in Hamburg-Wilhelmsburg.

„Risiken und Nebenwirkungen von Pestiziden – Schutzgebiete besser schützen!“

Programm und Vorträge im pdf-Format. Die Verantwortung für die Inhalte liegt bei den Autor*innen.




Manifest der CITIZENS FOR SCIENCE IN PESTICIDE REGULATION

Die Europäische Union hat eine der besten Pestizidverordnungen der Welt – auf dem Papier. Aber in der Praxis wird sie nicht umgesetzt. Eine neue Koalition, die “Citizens for Science in Pesticide Regulation”, hat deshalb dieses Manifest gestartet, um Reformen einzufordern.




Historischer Sieg im Roundup-Krebsfall – Monsanto muss 289 Mio US-Dollar zahlen

In der vorigen Woche verurteilte ein Gericht in San Francisco Monsanto zur Zahlung von 289 Millionen US-Dollar als Schadensersatz bzw. Schmerzensgeld.
Das Geld soll dem an Lymphdrüsenkrebs erkrankten Dewayne Johnson, Hausmeister eines Schulbezirks in Kalifornien, gezahlt werden, der über Jahre Roundup in dem von Monsanto vermittelten Glauben verwendete, dass das Pflanzengift harmlos sei.

Während zur Zeit in den USA rund 4.000 ähnliche Fälle gegen Monsanto verhandelt werden, war Dewayne Johnson der erste, der Klage einreichte. Außerdem drängte das Gericht aufgrund des fortgeschrittenen Zustands seiner Kreberkranung auf ein schnelles Urteil. Trotzdem zog sich der Prozess monatelang hin. Wie zu erwarten war, kündigte Monsanto an, gegen das Urteil Berufung einzulegen. (Quelle https://www.theguardian.com/business/2018/aug/10/monsanto-trial-cancer-dewayne-johnson-ruling)

Die juristische Situation in Europa ist anders als in den USA. Es gibt bislang keine bzw. kaum Möglichkeiten zur Einreichung von Sammelklagen. So weit PAN Germany bekannt ist, gibt es nur einen einzigen Fall in Frankreich, bei dem ein Mutter gegen Monsanto wegen der vorgeburtlichen Schäden ihres Sohnes geklagt hat. Dieser Fall ist gerichtlich noch nicht entschieden. Die Mutter des Jungen, Sabine Grataloup, ist auch auf dem Monsanto-Tribunal aufgetreten (https://vimeo.com/channels/mtde/page:7)

Weitere Informationen zu dem Fall:
PAN Nordamerika Statement
BAYER-Aktie bricht nach dem Urteil um 14 Prozent ein