Dokumentation – PAN Germany Workshop „Risiken und Nebenwirkungen von Pestiziden – Schutzgebiete besser schützen!“

 

PAN Germany Workshop

Mit dem Ziel Informationen über die Belastung von Natur und Umwelt durch Pestizide auszutauschen, Handlungsoptionen für den Schutz von Schutzgebieten vor Pestiziden zu erörtern und Maßnahmen für einen erfolgreichen Biodiversitätsschutz im aktuellen Kontext des Aktionsprogramms Insektenschutz zu konkretisieren, hat PAN Germany am 4. Juni 2019 zu dem eintägigen Fachworkshop „Risiken und Nebenwirkungen von Pestiziden – Schutzgebiete besser schützen!“ nach Hamburg eingeladen. Zu den Teilnehmenden zählten Vertreter*innen des Natur- und Umweltschutzes aus Länder- und kommunalen Behörden und von Verbänden und Organisationen der Zivilgesellschaft sowie fachkundige Interessierte. Die vorliegende Dokumentation ermöglicht es den Teilnehmenden und all denjenigen, die nicht am Workshop haben teilnehmen können, sich mit dem Thema über die Veranstaltung hinaus auseinanderzusetzen.

 

Hintergrund

Zahlreiche Faktoren haben dazu geführt, dass Ökosysteme und unsere Umwelt in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend unter Druck geraten sind. Das Ergebnis dieser Entwicklung zeigt sich u.a. in den sich füllenden „Roten Listen“ und anhand von Analyseprotokollen zur Gewässerbelastung. Seit gut 70 Jahren trägt der chemische Pflanzenschutz hierzu bei. Doch wie wirken Pestizide in der Umwelt?

Mit der Ausweisung von Schutzgebieten wie Wasserschutz- oder Naturschutzgebiete, wird versucht, dem Verlust bestimmter Biotoptypen, der chemischen Kontamination von Ressourcen und dem Artenverlust entgegen zu wirken. Doch wie kann es sein, dass vier von fünf deutschen Grünlandbiotop-Typen gefährdet sind und selbst in Schutzgebieten die Insektenbiomasse in den vergangenen 30 Jahren um gut 75 % zurückgegangen ist? Das Insektenschutzprogramm des Bundesumweltministeriums fordert nicht nur eine Pestizidreduktion, sondern auch einen besseren Schutz für Schutzgebiete. Beim Schutz solcher sensiblen Gebiete kommt den Bundesländern eine besondere Aufgabe zu: Sie haben die Befugnis, die Anwendung von Pestiziden in Schutzgebieten nach wasserrechtlichen oder naturschutzrechtlichen Bestimmungen zu verbieten oder zu beschränken. Das Bundesumweltministerium spricht sich für einen Stopp des Pestizideinsatzes in Schutzgebieten aus. Das allein reicht aber nicht aus – es braucht konkrete Maßnahmen und zunächst vor allem Akzeptanz in der Bevölkerung und bei den Beteiligten Vorort.

 

Programm

Mit vier Fachvorträgen wurden wichtige Aspekte zum Thema Pestizide und biologische Vielfalt näher beleuchtet. Der Ökotoxikologe Prof. Dr. Liess vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), Leipzig, berichtete in seinem Vortrag über aktuelle Untersuchungsergebnisse eines laufenden Projekts zur Analyse von Pestizidbelastungen in deutschen Kleingewässern und stellte den Bioindikator „SPEAR pesticides“ zur Anzeige von Pestizidbelastung und ökologischen Effekten in Fließgewässern vor. Senior advisor Water and Food Safety Margriet Mantingh von der Frauenorganisation Women Engage for a Common Future (WECF) und Jelmer Buijs, Buijs von Agro-Services, stellten ihre Untersuchung zu Pestizidfunden auf niederländischen Viehbetrieben und deren mögliche Folgen für die Biodiversität vor. Tamara Gripp, Referentin für Landwirtschaft und Umwelt vom Pestizid Aktions-Netzwerk e.V. (PAN Germany), gab in ihrem Vortrag Einblicke zum Sachverhalt des Pestizideinsatzes in Schutzgebieten und erläuterte den naturschutzrechtlichen und pestizidrechtlichen Rahmen. Abschließend präsentierte Corinna Hölzel, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Pestizidfreie Kommunen und Bienen vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), den aktuellen Stand zum Aktionsprogramm Insektenschutz der Bundesregierung und stellte Neues aus der BUND Initiative „Pestizidfreie Kommunen“ vor. Alle Präsentationen stehen nachfolgend zum Download bereit.

 

Diskussion

Im Anschluss an die Vorträge wurden gemeinsam mit den Teilnehmenden des Workshops mögliche Stellschrauben für eine Pestizidreduktion und Entlastung der Umwelt diskutiert. Besonders intensiv wurden die Defizite bei der regulatorischen Risikobewertung von Pestiziden hinsichtlich der Auswirkungen auf die Artenvielfalt besprochen (mit Bezug auf Cocktail-Effekte, sublethale und indirekte Effekte). Außerdem wurde die Wichtigkeit unterschiedlicher Belastungspfade erörtert, wie der Eintrag von Pestiziden und die damit verbundende Schädigung von Nutzinsekten über mit Pestiziden belastetes Tierfutter sowie die Verbreitung von Pestiziden über den Luftweg. Einigkeit bestand darüber, dass mehr Anstrengungen auf allen beteiligten Ebenen unternommen werden müssen, um den Pestizideinsatz insgesamt zu senken und in Schutzgebieten generell zu unterbinden sowie über die Notwendigkeit, in der landwirtschaftlichen Produktion eine Wende hin zu umweltverträglicheren Pflanzenschutzkonzepten einzuläuten.

 

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Dokumentation - PAN Germany Workshop "Risiken und Nebenwirkungen von Pestiziden - Schutzgebiete besser schützen!"

Datum: 18. Juni 2019 35.25 MB

PAN Germany Workshop, 4. Juni 2019 in Hamburg-Wilhelmsburg. "Risiken und Nebenwirkungen von Pestiziden...




Dokumentation – PAN Germany Workshop „Risiken und Nebenwirkungen von Pestiziden – Schutzgebiete besser schützen!“

PAN Germany Workshop, 4. Juni 2019 in Hamburg-Wilhelmsburg.

„Risiken und Nebenwirkungen von Pestiziden – Schutzgebiete besser schützen!“

Programm und Vorträge im pdf-Format. Die Verantwortung für die Inhalte liegt bei den Autor*innen.




Manifest der CITIZENS FOR SCIENCE IN PESTICIDE REGULATION

Die Europäische Union hat eine der besten Pestizidverordnungen der Welt – auf dem Papier. Aber in der Praxis wird sie nicht umgesetzt. Eine neue Koalition, die “Citizens for Science in Pesticide Regulation”, hat deshalb dieses Manifest gestartet, um Reformen einzufordern.




Neuer Bericht: Alternativen zu Glyphosat

PAN Europe hat heute eine aktualisierte Ausgabe seines Berichts über Alternativen zu Glyphosat und anderer Herbizide veröffentlicht. Der Bericht erscheint rechtzeitig zu den aktuell laufenden nationalen und gemeinschaftlichen Diskussionen der EU-Mitgliedstaaten über Einschränkungen des Glyphosat-Einsatzes, das Auslaufen der Glyphosat-Genehmigung und die Förderung von Alternativen.

Am kommenden Dienstag (16.07.2018) wird Frankreich am Rande des Treffens der EU-Agrarminister ein Treffen mit gleichgesinnten Delegationen organisieren, um sich darüber auszutauschen, wie man Glyphosat abschaffen und Alternativen fördern kann. PAN Gruppen in ganz Europa begrüßen diese Initiative der Franzosen. PAN Europe nutzt diese Gelegenheit, um die zweite Ausgabe seines Berichts über „alternative Methoden der Unkrautbekämpfung zum Einsatz von Glyphosat und anderen Herbiziden“ zu veröffentlichen. PAN Germany hofft, dass Deutschlands Landwirtschaftsministerin Klöckner sich aktiv an der Initiative beteiligt.

Die Bundesregierung will laut Koalitionsvertrag „mit einer systematischen Minderungsstrategie den Einsatz von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln deutlich einschränken mit dem Ziel, die Anwendung so schnell wie möglich grundsätzlich zu beenden“. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat am 17. April 2018 die Eckpunkte dieser Minimierungsstrategie vorgestellt und das Ziel bekräftigt, die Anwendung von Glyphosat so schnell wie möglich in einem EU-konformen Rahmen grundsätzlich zu beenden“. Nun gibt es keine weiteren Ausreden mehr, umgehend und tatkräftig den Glyphosat-Ausstieg umzusetzen!

 

Aktuelle Pressemitteilung von PAN Europe

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PAN Europe Report – Alternatives to glyphosate

Datum: 11. Juli 2018 6.27 MB

While the use of synthetic pesticides in agriculture might have helped to increase food production, this...




PAN Europe Report – Alternatives to glyphosate

While the use of synthetic pesticides in agriculture might have helped to increase food production, this has not occurred without great costs to human health, the environment and natural resources. The 2017 UN report of the Special Rapporteur on the right to food highlights the adverse impact of pesticide use on human rights, human health (workers, their families, bystanders, residents and consumers) and the environment. The report also reveals that intensive agriculture based on pesticide use has not contributed to reduce world hunger, but rather it has helped to increase the consumption of food and food waste especially in industrialised countries.




¡Maíz! – oder wer regiert die Welt?

Mit einem vielfältigen Angebot aus Workshops und der Performance des kollektiv tonalli zu den Themen Mais, Mexiko und globale Märkte fand am 27.04.2018 der Thementag ¡Maíz! – oder wer ernährt die Welt? in Hamburg statt. Zum Abschluss des Thementages wurde die Frage in einer Podiumsdiskussion mit Referenten aus den Fachbereichen Ernährungssouveränität, Menschenrechtsverletzungen, politischer Intervention, Nachhaltigkeitsbildung und Umweltforschung erörtert.

Der TV-Sender TIDE war vor Ort und macht es für alle, die nicht an dieser Veranstaltung teilnehmen konnten, möglich, sowohl die Performance als auch die Podiumsdiskussion digital zuerleben. Die Sendung wird am Sonntag, 03.06.2018, um 21:00 Uhr (Programm TIDE) zum zweiten Mal ausgestrahlt und ist jeder Zeit auf Youtube unter https://www.youtube.com/user/TIDETVhamburg/videos verfügbar.

Diese Veranstaltung wurde in Kooperation der W3 – Werkstatt für internationale Kultur und Politik / Projekt Generation Global, Romerotage, Pestizid Aktions-Netzwerk e.V. (PAN Germany), Agrar Koordination, Amnesty International (CASA), Zentrum für Mission und Ökumene – Nordkirche weltweit und treemedia e.V. realisiert.

 




Offener Brief an Glyphosat-Untersuchungsausschuss

In einem offenen Brief haben sich PAN Germany und 22 weitere NGOs an den Glyphosat-Untersuchungsausschuss des EU Parlaments gewandt, der vor wenigen Tagen seine Arbeit aufgenommen hat und zum Ende des Jahres seine Ergebnisse vorlegen soll. In diesem Brief werden die Mitglieder des Ausschusses noch einmal auf die Versäumnisse und Ungereimtheiten während des Wiedergenehmigungsverfahrens von Glyphosat hingewiesen.

Die unterzeichnenden Organisationen brachten ihre Überzeugung zum Ausdruck, dass das Kommittee eine wichtige Rolle bei der Verbesserung der EU-Pestizid-Gesetzgebung spielen kann.

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Glyphosate: an emblematic failure of the EU pesticides regime

Datum: 13. April 2018 3.52 MB

Open letter to the Member of the European Parliament’s PEST Committee ...

 




Europäische Behörden verletzten ihre eigenen Regeln, um Glyphosat als nicht krebserregend einzustufen

Presseinformation.

Berlin, London, Wien, 14. März 2018. Die Europäische Lebensmittelbehörde (EFSA) und die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) konnten nur deshalb schlussfolgern, dass der Pestizidwirkstoff Glyphosat nicht krebserregend sei, weil sie die geltenden Regeln und Leitlinien für die Bewertung von Krebsstudien widersprüchlich angewendet oder direkt verletzt haben. Eine regelkonforme Auswertung und Gewichtung der Beweise hätte unweigerlich zu der Schlussfolgerung geführt, dass Glyphosat im Tierexperiment krebserregend ist und daher in der EU nicht zugelassen werden darf. Das ist das Ergebnis einer heute im Journal of Epidemiology and Community Health veröffentlichten Analyse des Toxikologen Peter Clausing und seiner Co-Autoren. Wie alle Publikationen in diesem Fachjournal unterlag das Manuskript einer externen wissenschaftlichen Prüfung (Peer-Review).(1)

Seit 2015 ist bekannt, dass die von den Glyphosat-Herstellern bei der Behörde eingereichten Krebsstudien in elf (!) Fällen eine statistisch signifikante erhöhte Tumorrate aufweisen. Mit anderen Worten: Jene Versuchstiere, die Glyphosat im Futter hatten, entwickelten häufiger Krebs als jene Tiere, denen das Pestizid nicht verabreicht wurde. Doch die EFSA verwarf sämtliche signifikante Tumorbefunde als nicht aussagekräftig.(2)

„Laut geltenden Gesetzen genügen zwei Tierexperimente mit signifikanten Krebsbefunden, um ein Pestizid als wahrscheinlich karzinogen beim Menschen einzustufen – die EFSA hatte sieben. Um behaupten zu können, dass keine Beweise für eine krebserregende Wirkung vorliegen, mussten die Behörden diese Befunde mit multiplen Verstößen gegen geltende Richt- und Leitlinien herunterspielen. Andernfalls wäre ein Glyphosatverbot unvermeidbar gewesen“, sagt der Erstautor der Studie, Dr. Peter Clausing: „Dieses Herunterspielen haben wir wissenschaftlich analysiert.“

Als relevanteste Regelwidrigkeiten der EU-Behörden identifizieren die Studienautoren in ihrer Analyse:

  • Multiple Verstöße gegen die einschlägigen OECD- und ECHA-Empfehlungen zur Anwendung historischer Kontrollen
  • Fälschliche Behauptung einer (fiktiven) „Limit Dose“ für Krebsstudien von 1.000 Milligramm pro Kilogramm Futter, deren Überschreitung die Zuverlässigkeit der Ergebnisse kompromittieren würde
  • Tatsachenwidrige Behauptung einer fehlenden Reproduzierbarkeit
  • Nichtbeachtung existierender Dosisabhängigkeit bestimmter Krebseffekte

„Ab April wird ein Sonderausschuss des EU-Parlaments das Zulassungsverfahren für Pestizide ins Visier nehmen und dabei untersuchen, ob die relevanten Leitlinien und Gesetze bei der Bewertung von Glyphosat beachtet wurden“ (3), sagt der Biochemiker Dr. Helmut Burtscher-Schaden und fährt fort: „Eine sorgfältige Aufarbeitung dieser Frage ist deshalb wichtig, da nur so die Schwächen im Zulassungssystem, die zu unnötigen Gesundheitsrisiken führen, eliminiert werden können.“

Claire Robinson ergänzt: „Diese Publikation entlarvt die Unrichtigkeit der Behauptungen von EFSA -Direkter Bernhard Url (4). Dieser hatte den Kritikern der EFSA-Bewertung unterstellt, sie würden starke Beweise für die Harmlosigkeit von Glyphosat ignorieren und  stattdessen mit ‚wissenschaftlich schwache Studien, die das Gegenteil zeigten, hausieren gehen‘. Unsere Analyse zeigt, dass die Beweise aus den Tierstudien der Hersteller – also genau jene Beweise, denen die EFSA zu folgen behauptet – eindeutig zeigen, dass Glyphosat krebserregend ist. Wir fordern die europäischen Behörden auf, zu den wissenschaftlichen Fakten zu stehen und den geltenden Regeln zu folgen. Entsprechend den gefahrenbasierten Kriterien der EU-Pestizid-Verordnung 1107/2009 hätte das unweigerlich zu einem Glyphosatverbot führen müssen.“

Der Erstaustor der Studie, Dr. Peter Clausing, ist Toxikologe beim Pestizid Aktions-Netzwerk (PAN Germany). Seine Co-Autoren Claire Robinson und Dr. Helmut Burtscher-Schaden, arbeiten für die Umweltorganisationen GMWatch in Großbritannien bzw. GLOBAL 2000 in Österreich.

 

Kontakt: Dr Peter Clausing peter.clausing@pan-germany.org; Tel: +49-176 4379 5932

Gemeinsame Presseinformation von PAN Germany, GLOBAL2000 und GMWatch

 

(1) Clausing, P., Robinson, C., and Burtscher-Schaden, H. Pesticides and public health: An analysis of the regulatory approach to assessing the carcinogenicity of glyphosate in the European Union. Journal of Epidemiology and Community Health, 2018, doi: 10.1136/jech-2017-209776
(2) Die 11 signifikanten Anstiege wurden im Addendum des Bundesinstituts für Risiko Bewertung (BfR) vom August 2015 beschrieben (verfügbar unter: http://gmwatch.org/files/Renewal_Assessment_Report_Glyphosate_Addendum1_RAR.pdf), während nur ein Tumoranstieg in der EFSA-Conclusion vom 30.10.2015 erwähnt wurde (EFSA. Conclusion on the peer review of the pesticide risk assessment of the active substance glyphosate, EFSA Journal 2015;13(11):4302. http://doi.wiley.com/10.2903/j.efsa.2015.4302).
(3) https://www.global2000.at/sites/global/files/Mandat615773-REV_EN.PDF
(4) https://www.nature.com/magazine-assets/d41586-018-01071-9/d41586-018-01071-9.pdf

 




Europäische Behörden verletzten ihre eigenen Regeln, um Glyphosat als nicht krebserregend einzustufen

Gemeinsame Presseinformation von PAN Germany, GLOBAL2000 und GMWatch

Berlin, London, Wien. 14. März 2018. Die Europäische Lebensmittelbehörde (EFSA) und die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) konnten nur deshalb schlussfolgern, dass der Pestizidwirkstoff Glyphosat nicht krebserregend sei, weil sie die geltenden Regeln und Leitlinien für die Bewertung von Krebsstudien widersprüchlich angewendet oder direkt verletzt haben. Eine regelkonforme Auswertung und Gewichtung der Beweise hätte unweigerlich zu der Schlussfolgerung geführt, dass Glyphosat im Tierexperiment krebserregend ist und daher in der EU nicht zugelassen werden darf. Das ist das Ergebnis einer heute im Journal of Epidemiology and Community Health veröffentlichten Analyse des Toxikologen Peter Clausing und seiner Co-Autoren. Wie alle Publikationen in diesem Fachjournal unterlag das Manuskript einer externen wissenschaftlichen Prüfung (Peer-Review).(1)

 

 




Strafanzeige gegen EU-Behörden nach Glyphosat-Zulassung

Absprachen, Einflussnahme und Copy-Paste statt unabhängiger Bewertung

Presseinformation.

Hamburg, 4. Dezember 2017. Ein Bündnis von Umweltorganisationen erstattet in Österreich, Deutschland, Italien und Frankreich Strafanzeige gegen das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Unter Verweis auf eigene Nachforschungen, US-Gerichtsdokumente („Monsanto Papers“) und ein Plagiatsgutachten legen die Umweltruppen dar, dass BfR und EFSA keine unabhängige, objektive und transparente Bewertung der gesundheitlichen Risiken von Glyphosat vorgenommen haben, wie das die EU-Pestizidverordnung 1107/2009 verlangt hätte. Folglich wurde mit Glyphosat ein Pestizidwirkstoff erneut europaweit genehmigt, der ansonsten die gesetzlichen Voraussetzungen für eine Zulassung wahrscheinlich verfehlt hätte. Es ist zu befürchten, dass schwere und schwerste Gesundheitsschäden als Folge des behördlichen Fehlverhaltens eintreten werden.

Verdacht des Plagiarismus mit bewusster Verschleierung der Urheber

Stoffe mit krebserregenden, mutagenen oder fortpflanzungsschädlichen Eigenschaften dürfen laut EU-Pestizidverordnung nicht als Pestizide zugelassen werden. Brisant ist daher, dass das BfR jene veröffentlichten Studien, die sich mit diesen potentiellen Stoffeigenschaften von Glyphosat beschäftigen, gar nicht selbst bewertet hat, sondern stattdesssen die Bewertungen wortwörtlich aus dem Zulassungsantrag der Hersteller übernahm, und dabei die Herkunft „bewusst verschleierte“, wie ein Gutachten des Salzburger Medienwissenchaftlers Doz. Dr. Stefan Weber feststellt.

Die Behörden weisen diesen Vorwurf zurück. Helmut Burtscher-Schaden, der für die österreichische Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 das Plagiatsgutachten beauftragt hatte, meint dazu: „Da BfR-Präsident Andreas Hensel die Vorwürfe unseres Gutachtens als ‚haltlos und erfunden‘ darstellt und EFSA-Direktor Bernhard Url gar eine ‚orchestrierte Kampagne zur Diskreditierung des wissenschaftlichen Prozesses‘ erkennen will, möchten wir mit unserer Anzeige eine unabhängige und objektive Prüfung der Belastbarkeit unseres Gutachtens durch ein Gericht erreichen.“

Keine unvoreingenommene Prüfung der wissenschaftlichen Fakten

Hinweise darauf, dass das Durchführen einer unabhängigen und objektiven Bewertung der Krebsgefahr von EFSA und BfR gar nicht beabsichtigt wurde, finden sich in kürzlich veröffentlichten US-Gerichtsakten, auch als „Monsanto Papers“ bekannt. Demzufolge hat die EFSA bereits am 22. Mai 2015 – also sechs Monate bevor (!) sie ihre mit Spannung erwartete finale Bewertung der Krebsgefahr von Glyphosat veröffentlichte, und zwei Monate vor (!) der Fertigstellung der IARC-Monographie – die US-Behörde bereits dahingehend informiert, dass sie die IARC-Monographie im August evaluieren und ihr widersprechen werde. Das schließt eine unabhängige und objektive Evaluierung aus.

Verdacht der (indirekten) Einflussnahme durch Monsanto

Kontakperson für die EFSA bei der U.S.-EPA war jener leitende EPA-Toxikologe, der in U.S.-Medien als „Monsantos Maulwurf bei der EPA“ tituliert wurde und durch die Gerichtsakten belastet wird, mit Monsanto konspiriert zu haben. So soll er versucht haben, eine unabhängige Krebsbewertung von Glyphosat durch das US-Gesundheitsministerium zu verhindert, und dies mit Erfolg. Einer Monsanto-internen Korrespondenz zufolge dürfte ihm auch gelungen sein, die EFSA bei der Telefonkonferenz mit den EU-Mitgliedsstaaten (TC 117) „auf Linie zu bringen“.

Dazu passt, dass der Toxikologe und Vorstand von PAN Germany, Peter Clausing, schon im Mai 2017 aufdecken konnte, dass bei eben dieser Telefenonferenz 117 eine Intervention von Jess Rowlands dafür verantwortlich war, dass die EFSA eine sehr zentrale Krebsstudie aus ihrer Bewertung ausschloss, ohne das wissenschaftlich begründen zu können.

Rechtanwalt Dr. Josef Unterweger stellt zu obigen Sachverhalten fest: „Die Herstellung eines Plagiates anstelle eines unabhängigen Bewertungsberichts kann als Benützung falscher oder verfälschter Daten qualifiziert werden. Die Verwendung falscher oder verfälschter Daten mit dem Ziel, eine Wirkstoffgenehmigung zu erreichen, könnte als Betrug gewertet werden. Werden deshalb Menschen einem wahrscheinlich krebserregenden Pestizid ausgesetzt, und könnten in der Folge an Krebs erkranken, so wäre das schwere Körperverletzung. Aus diesen Gründen erstatten die Umweltorganisationen GLOBAL 2000, Pesticide Action Networks (PAN) Europe, PAN Germany, PAN Italia und Generations Futures Strafanzeige gegen BfR und EFSA.

Die Verfehlungen, die über das Zulassungsverfahren von Glyphosat ans Licht kamen, führten zu einer nachhaltigen Beschädigung des Vertrauen in die Europäischen Zulassungsbehörden und das europäische Zulassungsverfahren. Eine umfassende Aufarbeitung und Aufklärung ist dringend erforderlich. Dies kann durch die Gerichte, aber auch durch Untersuchungsausschüsse im Europaparlament oder auf nationaler Ebene geleistet werden. Nur wenn dies geschieht und auch die notwendigen Konsequenzen gezogen werden, lässt sich das Vertauen der EuropäerInnen in ihre Institutionen langfristig wieder herstellen.