Aufzeichnung PAN-Webinar: „Gesundheit geht vor! Für ein Verbot von Hormongiften“

Mengen gefährlicher Chemikalien sind in Alltagsprodukten enthalten, gelangen als Schadstoffe in die Umwelt, verunreinigen Nahrungsketten und reichern sich in unseren Körpern an, wo sie schwerwiegende Schäden verursachen können. Zahlreiche chronische Erkrankungen und Entwicklungsstörungen werden von hormonschädlichen Chemikalien, den Endocrine Disrupting Chemicals (EDCs) verursacht oder gefördert.

PAN Germany fordert, gemeinsam mit anderen Organisationen der Zivilgesellschaft, mehr Engagement von der Deutschen Bundesregierung für eine deutliche Reduzierung der tagtäglichen Belastung der Bevölkerung und der Umwelt gegenüber Pestiziden, Bioziden und Industriechemikalien mit hormonschädigenden Eigenschaften.

Das PAN-Webinar, das in Kooperation mit den Organisationen HejSupport und WECF am 24. Juni 2020 durchgeführt wurde, thematisiert die fachlichen und politischen Hintergründe sowie die NGO-Forderungen rund um das Problemfeld „EDCs“.

Susanne Smolka von PAN Germany eröffnet das Webinar mit einem Überblick über die besondere Stoffeigenschaft bestimmter Chemikalien, das Hormonsystem von Menschen und Wildtieren zu stören und damit langfristige und irreversible Schädigungen zu initiieren. Sie beschreibt auch den bereits Jahrzehnte andauernden Versuch der EU, diese gefährliche Stoffeigenschaft in Gesetzgebungen zu regulieren und die wiederkehrenden Versuche, solche gesetzgeberischen Maßnahmen im Sinne der Pestizid- und Chemieindustrie zu verzögern. So sind Mensch und Wildtierpopulationen noch immer nicht ausreichend gegenüber EDCs und EDC-Gemischen geschützt.

Dr. Silvia Pleschka von Women Engage for a Common Future (WECF) beschreibt in ihrer Präsentation die besonderen Gefahren von EDCs für Frauen, Schwangere und Kinder. Besonders empfindliche Gruppen unserer Gesellschaft sind besonderen Gefahren ausgesetzt, denn EDCs greifen in wichtige Entwicklungsprozesse, beispielsweise des Gehirns oder der Fortpflanzungsorgane ein. Ein Schutz dieser empfindlichen Gruppen muss schnellsten politisch sichergestellt werden. Zwischenzeitlich kann jede*r von uns im Alltag Maßnahmen ergreifen, um das in Kontakt kommen mit EDCs zu reduzieren. Dr. Pleschka gibt dazu praktische Tipps und verweist auf Informationskampagnen wie das Nestbau-Projekt des WECF.

Alexandra Caterbow von HejSupport, Health and Environment Justice Support, HEJSupport beleuchtet die politische Ebene der EDC-Problematik und stellt die gemeinsam ausgearbeiteten NGO-Forderungen an die Bundesregierung vor. Deutschland sollte unbedingt und ernsthaft gegen umwelt- bzw. schadstoffbedingte Erkrankungen und Belastungen stärker vorgehen und Maßnahmen starten, die einige andere EU-Mitgliedsstaaten bereits initiiert haben. Der alltäglichen Exposition gegenüber gefährlichen Hormongiften muss mit effektiven Maßnahmen wie Informationskampagnen, Monitoring, Forschungsförderung für Alternativen und einem starken Engagement auf europäischer und internationaler Ebene begegnet werden. Fazit: Deutschland sollte endlich nachziehen und einen nationalen Aktionsplan zur Minderung von EDCs ins Leben rufen!




Aktualisiertes Hintergrundpapier zu Endokrinen Disruptoren (EDCs)

Was sind Hormongifte und wie geht die Politik in Deutschland, der EU und International mit dem Problem der gefährlichen hormonell wirksamen Substanzen um, mit der die Umwelt und die Bevölkerung tagtäglich belastet werden?

Das neue achtseitige Hintergrundpapier „Endokrine Disruptoren“ von HEYSupport, PAN Germany und WECF bietet hierzu einen schnellen Überblick.

 

Gemeinsames Hintergrundpapier - Endokrine Disruptoren

Gemeinsames Hintergrundpapier - Endokrine Disruptoren

Datum: 16. Juni 2020 1.03 MB

Hormonschädliche oder hormonverändernde Chemikalien (engl. Endocrine Disrupting Chemicals (EDCs)),...




Bis 9. März 2020: Sagen Sie der EU, warum Sie wegen hormonell wirksamer Chemikalien besorgt sind!

Nutzen Sie Ihr Mitspracherecht und nehmen Sie sich 10 Minuten Zeit. Einzelpersonen haben jetzt die Möglichkeit, ihre Meinung bei den dringend erforderlichen gesetzlichen und politischen Änderungen für den Schutz der Verbraucher*innen vor hormonell wirksamen Chemikalien (EDCs) der Europäischen Kommission mitzuteilen.

Bis zum 9. März 2020 läuft noch die öffentliche EU-Konsultation, die sich gezielt an alle Bürger*innen der EU richtet. Sie können die Umfrage in Ihrer eigenen Sprache beantworten und so zeigen, dass Ihnen der Schutz unserer Gesundheit vor hormonell wirksamen Chemikalien am Herzen liegt und Sie sich eine strengere Gesetzgebung wünschen. Denn dies ist die Voraussetzung dafür, damit diese Stoffe nicht weiter als Pestizidrückstände in Lebensmitteln oder in Spielzeug, Körperpflegeprodukten, Konsumgütern und vielen anderen Materialien zum Einsatz kommen.

Die von der Europäischen Kommission organisierte Befragung der Bürger*innen Europas ist Teil einer laufenden Evaluierung (ein sogenannter „Fitness-Check“) der bestehenden EU-Gesetzgebung zur Kontrolle endokrin wirksamer Chemikalien. Mit diesem „Fitness-Check“ soll bewertet werden, ob die bestehenden europäischen Rechtsvorschriften über endokrin wirksame Stoffe ihr Ziel erreichen, unsere Gesundheit und die Umwelt zu schützen – eine Maßnahme, die angesichts der letzten EU-Strategie zu den EDCs aus dem Jahr 1999 längst überfällig ist!

Einige EU-Mitgliedstaaten wie Dänemark, Frankreich oder Schweden haben bereits Maßnahmen ergriffen, um unsere Exposition gegenüber EDCs zu verringern und die am stärksten gefährdeten Gruppen wie Eltern und Schwangere über diese schädlichen Chemikalien zu informieren. Nationale Maßnahmen sind jedoch nicht die Lösung: Nur eine europäische Strategie gegen endokrin wirksame Chemikalien wird die Gesundheit und die Umwelt aller in der Europäischen Union lebenden Menschen schützen.

Für Pestizide und Biozide sind EU-weite Regelungen zur Identifizierung möglicher endokrin schädlicher Eigenschaften zwar seit 2018 zwar in Kraft, aber die Umsetzung verläuft sehr schleppend, häufig, weil die von der Industrie vorgelegten Daten für eine Bewertung unvollständig sind. Währenddessen sind Menschen und Wildtiere weiter diesen gefährlichen Substanzen ausgeliefert. Ein schnelleres Vorgehen und Verbesserungen sind auch hier notwendig.

Helfen Sie uns, die Europäische Kommission aufzufordern, die Versprechen einzuhalten, die sie im Rahmen des Europäischen Grünen Deals gemacht hat und die Verzögerung von dringenden Maßnahmen zu beenden? Beantworten Sie die öffentliche Konsultation bis Montag, den 9. März! 




Hormonell wirksame Pestizide sind eine schleichende Gefahr

Tag ein Tag aus sind Mensch und Umwelt einer Vielzahl von chemischen Stoffen ausgesetzt – unter ihnen auch Endokrine Disruptoren (EDCs). Sie können in das Hormonsystem von Menschen und Tieren eingreifen und wichtige hormongesteuerte Entwicklungsprozesse stören. Die Lebensphasen im Mutterleib bis zur Pubertät sind deshalb besonders gegenüber diesen Stoffen gefährdet. Auch einer Reihe von Pestiziden wird diese besondere Wirkungsweise zugeschrieben. Hormonell wirksame Pestizidrückstände lassen sich oft als Gemische in konventionell angebautem Obst und Gemüse finden. Ebenso sind bestimmte Biozide, Pestizide die zur Desinfektion, zum Materialschutz oder zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt werden, EDCs oder stehen unter Verdacht, diese gefährliche Eigenschaft zu besitzen.

Obwohl die EU sich ein ambitioniertes Ziel gesetzt hat, die Menge an EDCs mit denen Menschen, aber auch Haus-, Nutz- und Wildtiere in Kontakt kommen zu reduzieren, werden konkrete Maßnahmen verschleppt oder sind unzureichend, kritisieren Umweltverbände wie PAN Germany, aber auch Wissenschaftsverbände wie die International Endocrine Society.

Was muss sich politisch ändern und was können wir bereits jetzt zum Schutz unserer Gesundheit und für die Umwelt tun? Informationen dazu gibt das Faltblatt Hormonell wirksame Pestizide – Eine schleichende Gefahr.

Faltblatt: Hormonell wirksame Pestizide - Eine schleichende Gefahr

Faltblatt: Hormonell wirksame Pestizide - Eine schleichende Gefahr

Datum: 11. Juni 2019 966.35 KB

Endokrine Disruptoren, sogenannte EDCs, sind überall: Man findet sie in vielen Alltagsprodukten wie...




NGOs fordern ambitionierten Aktionsplan gegen endokrine Disruptoren (EDCs)

Deutsche Umwelt-, Gesundheits- und Frauenorganisationen plädieren in einer gemeinsamen Stellungnahme an den Umweltausschuss des Deutschen Bundestages für einen ambitionierten und konkreten Aktionsplan zum Schutz vor hormonell schädlichen Substanzen (EDCs) im Rahmen des im Koalitionsvertrag vereinbarten ressortübergreifenden Aktionsprogramm „Umwelt und Gesundheit“.




EU Plan zum Schutz vor Hormongiften nicht konkret genug

Presseinformation. München, Hamburg, 7. November 2018.

Heute veröffentlichte die EU Kommission ein lang erwartetes Papier[1] zum Umgang mit endokrinen Disruptoren (endocrine disrupting chemicals, EDCs). Diese sogenannte Communication bleibt leider weit hinter den Möglichkeiten zum effektiven Schutz vor EDCs von Umwelt und Gesundheit zurück. Dies kritisieren die deutschen Umwelt- und Gesundheitsverbände WECF, HejSupport und PAN Germany.

Im Wesentlichen fehlen in der Communication ganz konkrete Maßnahmen, die Exposition gegenüber EDCs zu verringern. Dies wäre aber dringend nötig, weil diese schädlichen Stoffe in vielen Alltagsprodukten vorhanden sind und im Zusammenhang stehen mit Krankheiten, wie Unfruchtbarkeit, Diabetes, Hoden- und Brustkrebs. EDCs finden sich in zahlreichen Alltagsprodukten wie Lebensmitteln, Kunststoffverpackungen, Kosmetikartikel oder Spielzeug. Gelangen sie in den Körper, können sie das Hormonsystem stören und Entwicklungen anstoßen, die zu Krankheiten führen können. Die WHO spricht in diesem Zusammenhang von einer „globalen Bedrohung“ der Gesundheit.[2]

Anstatt eines konkreten Aktionsplans, plant die EU Kommission einen zusätzlichen Fitness Check[3] bestehender EU Gesetze, welcher zu einer weiteren Verzögerung von konkreten Maßnahmen führen wird. Außerdem gibt es keine Pläne, den sogenannten Cocktail-Effekt in bestehende EU Regulierungen zu integrieren. So sind Mensch und Umwelt weiterhin einer Mixtur von einer Vielzahl verschiedener Schadstoffe ausgesetzt sind.

Die Communication ignoriert die Forderungen von Umweltverbänden, Gesundheitsexperten und einer Vielzahl von Wissenschaftlern, die seit Jahren und wiederholt eine strenge Regulierung für EDCs fordern. Vor allem müssen Schwangere vor EDCs geschützt werden, da bereits geringe Dosen dieser Stoffe entscheidenden Einfluss auf die fötale Entwicklung haben können.

Die EU Kommission fordert in ihrem Papier die Mitgliedsstaaten auf, nationale Aufklärungskampagnen zu starten. Damit ist die Bundesregierung dringend aufgefordert, einen nationalen Aktionsplan zum Schutz vor EDCs zu entwickeln. Dies fordern seit Jahren auch deutsche Umweltorganisationen[4], unterstützt von 150.000 Bürgerinnen und Bürgern in einer Petition[5] an die Umwelt-, Landwirtschafts- und Gesundheitsministerien. Bis heute gibt es jedoch keine Initiativen seitens der Bundesregierung.

Mehr als 70 Umwelt-, Gesundheit-, Frauen- und Verbraucherverbände fordern das Europäische Parlament, den Europäischen Rat und die deutsche Bundesregierung auf, einen ambitionierten und konkreten Maßnahmenkatalog aufzustellen.

 

Kontakt

Susanne Smolka, PAN Germany, susanne.smolka@pan-germany.org, 040 399 19 10-24

Johanna Hausmann, WECF, johanna.hausmann@wecf.org, 0173 8010040

Alexandra Caterbow, HEJSupport, alexandra.caterbow@hej-support.org,  0179 5244994

 

Weitere Informationen zu den Organisationen

www.wecf.eu

www.hej-support.org

www.pan-germany.org

www.edc-free-europe.org

EDC-Free Europe ist eine Allianz von über 70 europäischen Organisationen der Zivilgesellschaft aus den Politikfeldern Umwelt, Gesundheit, Frauen und Verbraucher, die sich gemeinsam für einen besseren Schutz gegenüber hormonschädlichen Chemikalien und ihren Belastungen von Mensch und Umwelt einsetzen. Kampagnenpartner sind außerdem Gewerkschaften, ExpertInnen für Verbraucherschutz und Gesundheitswesen sowie Akteure für Krebsvorsorge, Umweltschutz und Frauenrechte.

 

[1] http://europa.eu/rapid/press-release_IP-18-6287_en.htm

Siehe auch Pressemitteilung der EDC-free Europe Campaign https://www.edc-free-europe.org/articles/press-release/edc-free-europe-reacts-to-new-communication-on-edcs

[2] WHO (2012): State of the Science of Endocrine Disrupting Chemicals 2012 – Summary for Decision-Makers: https://www.unenvironment.org/resources/report/state-science-endocrine-disrupting-chemicals-2012-summary-decision-makers

[3] „Fitness check“ sind umfangreiche Evaluierungen, die analysieren ob Regulierungen für einen bestimmten politischen Bereich ihren Zweck erfüllen. http://ec.europa.eu/smart-regulation/evaluation/docs/fitness_checks_2012_en.pdf

[4] Acht Forderungen der EDC-free Coalition an eine EU EDC Strategie: http://www.wecf.eu/german/pressemeldungen/2018/EDC-Forderungen.php

Gemeinsame Stellungnahme deutscher NGOs zum EU Entwurf zu EDC-Identifikation in Pestiziden: https://hej-support.org/kein-schutz-vor-umwelthormonen-nach-der-entscheidung-ist-vor-der-entscheidung/

[5] EU-weite Petition : https://actions.sumofus.org/a/eu-endocrine-disruptors
Gemeinsame Petition „Hormongifte stoppen!“ der deutschen NGO Koalition:
Umweltinstitut München: https://www.umweltinstitut.org/mitmach-aktionen/hormongifte-stoppen.html
BUND: https://aktion.bund.net/hormongifte-stoppen
SumOfUs: https://actions.sumofus.org/a/hormongifte-stoppen




Hormonschädliche Chemikalien – Acht Forderungen an die Politik

EDC-Free WebsiteSind Sie besorgt über hormonschädliche Chemikalien (EDCs) und ihre Auswirkungen auf ihre Gesundheit und ihre Umwelt?  Die politischen Verantwortlichen sind aufgerufen, jetzt endlich zu handeln. Diesen Appell hat EDC Free Europe, eine breite Allianz an Nichtregierungsorganisationen in Europa, mit acht Forderungen für eine umfassende EU-EDC-Strategie in einer aktuellen Stellungnahme  konkretisiert.

 

Die Stellungnahme ist in mehren Sprachen verfügbar unter: EDC Free Europe Statement: Our eight demands for an EU EDC strategy 

Acht Forderungen für eine EU EDC-Strategie

Acht Forderungen für eine EU EDC-Strategie

Datum: 15. Mai 2018 702.33 KB

Gemeinsame Stellungnahme der NGO-Allianz EDC-Free Europe ...

 

 

 




Hormongifte stoppen!

Empfehlungen für eine wirkungsvolle Reduktion der Belastung mit hormonschädlichen Pestiziden und Bioziden

Ab Juni 2018 werden erstmals chemische Substanzen auf ihre hormonschädlichen Eigenschaften auf Grundlage abgestimmter wissenschaftlicher Kriterien und Bewertungsverfahren reguliert. Mit rund fünf Jahren Verspätung werden damit rechtliche Vorgaben zunächst für Biozidprodukte, im November auch für Pestizide implementiert. Diese regulativen Maßnahmen weisen in die richtige Richtung, ausreichend sind sie aus Sicht von PAN Germany aber nicht, um in absehbarer Zeit die Belastungen für Mensch und Umwelt durch sog. endokrine Disruptoren (EDs) wirkungsvoll zu senken. Um dieses festgeschriebene Schutzziel der EU tatsächlich zu erreichen, besteht weiterhin Handlungsbedarf.

 

 

 

Hormongifte stoppen!

Hormongifte stoppen!

Datum: 25. April 2018 605.31 KB

Empfehlungen für eine wirkungsvolle Reduktion der Belastung mit hormonschädlichen Pestiziden und Bioziden. ...




Schutz vor Hormongiften – Die neue Bundesregierung ist gefordert

Presseinformation.

Hamburg, 26. April 2018. Hormonschädliche Substanzen finden sich quasi überall: in Lebensmitteln, in der Umwelt, im Haushalt. Sie werden von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als eine globale Bedrohung gesehen. Die EU hat sich das Ziel gesetzt, eine Minimierung der Belastung von Bevölkerung und Umwelt durch sogenannte „endokrine Disruptoren“ sicherzustellen. In der aktuellen Veröffentlichung „Hormongifte stoppen!“ zieht die Umweltschutzorganisation Pestizid Aktions-Netzwerk e.V. (PAN Germany) die neue Bundesregierung zur Verantwortung, mehr Engagement für dieses wichtige Ziel zu zeigen und fordert einen nationalen Aktionsplan.

Eigentlich gibt es dieser Tage gute Nachrichten. Nach Jahren der Verzögerungen und kontroversen Debatten hat die EU-Kommission jetzt die weltweit ersten wissenschaftlichen Kriterien zur Erkennung von hormonschädlichen Stoffen verabschiedet. Diese treten ab Juni 2018 für Biozidprodukte, also für Mittel zur Schädlingsbekämpfung, zur Desinfektion und zum Materialschutz, in Kraft. Ab dem 10. November 2018 werden ähnliche Vorschriften für die Pestizidregulierung eingeführt. Hormonschädliche Biozide oder Pestizide sollen, mit Regelungen für Ausnahmen, zukünftig nicht mehr in der EU eingesetzt werden dürfen. Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Nach Auffassung der Umweltschutzorganisation PAN Germany reicht dieser jedoch nicht aus, um dem Problem der schleichenden chemischen Störung des Hormonsystems von Mensch und Tier wirksam und in angemessener Zeit entgegenzutreten. Nachbesserungsbedarf wird besonders bei der vorgeschlagenen Prüf-und Bewertungsleitlinie sowie beim Verfahren im Biozidrecht gesehen, dass durch besonders viele Beschränkungen und Ausnahmeregelungen gekennzeichnet ist.

„Wir befürchten, dass die neuen Regelungen in ihrer jetzigen Form nur wenig bewirken werden. Außerdem fehlt es an einer Gesamtstrategie, denn hormonschädliche Chemikalien stecken auch in Verpackungen, Spielzeug, Kosmetika und vielen weiteren Produkten. Andere Mitgliedsstaaten wie Frankreich oder Schweden legen Aktionsprogramme mit Forschungsförderung, Informationskampagnen und Verwendungsbeschränkungen auf. Es ist Zeit, dass die deutsche Politik nachzieht, um aktiv die Gefahren durch Hormongifte in einer offensiven und innovativen Form zu mindern“, sagt Susanne Smolka, Referentin für Pestizide und Biozide von PAN Germany.

Die vierseitige Publikation „Hormongifte stoppen“ fasst kurz und prägnant den Sachstand zum Umgang mit endokrinen Pestiziden und Bioziden in der EU zusammen und formuliert Forderungen an die Bundesregierung.

Rund 800 Chemikalien stehen derzeit unter Verdacht, das Hormonsystem von Menschen und Wildtieren stören zu können und dadurch schädlich auf Fruchtbarkeit, Verhalten und Intelligenz einzuwirken oder am Anstieg hormonbedingter Krebsarten sowie metabolischer Störungen wie Diabetes oder Adipositas beteiligt zu sein.

 

Kontakt: Susanne Smolka, Tel. 040-3991910-24, E-Mail: susanne.smolka@pan-germany.org

Weitere Informationen: „Hormongifte stoppen! Empfehlungen für eine wirkungsvolle Reduktion der Belastung mit hormonschädlichen Pestiziden und Bioziden“




Regulierung hormonschädlicher Pestizide & Biozide: Leitlinienentwurf bleibt unzureichend

Die Ausarbeitung einer Prüf- und Bewertungsleitlinie („Guidance“) zur Identifizierung von hormonschädlichen Pestiziden und Bioziden durch die EU-Behörden EFSA und ECHA läuft bereits rund ein Jahr. Im Dezember 2017 wurde ein Entwurf für Kommentierungen bereitgestellt. Am 1. Februar, ein Tag nach Ende der Kommentierungsfrist, treffen sich auf Einladung der Generaldirektion Gesundheit (DG SANTE) Interessensverbände in Brüssel, um über den Entwurf zu diskutieren. PAN Europe, CHEM Trust und HEAL werden in einer gemeinsamen Präsentation ihre Positionen vorstellen und Verbesserungen aus Sicht des Umwelt- und Gesundheitsschutzes anmahnen.

Von den Umweltverbänden, aber auch von der anerkannten Endocrine Society wird starke Kritik an dem Leitlinienentwurf geäußert. Diese regelt quasi die Detailfragen für ein einheitliches Prüf- und Bewertungsverfahren bei den europäischen und nationalen Behörden und ist insofern das entscheidende Werkzeug, um den verankerten Schutz von Mensch und Umwelt gegenüber hormonschädlichen Pestiziden und Bioziden umzusetzen … oder eben nicht.

Die Hauptkritikpunkte am Bewertungskonzept sind, dass es nicht dem Vorsorgeprinzip folgt und die vorgeschlagenen Verfahren zur Entscheidungsfindung mangelhaft sind. So sollen Entscheidungen auf Beweisen beruhen, die die verfügbaren Daten und Erkenntnisse gar nicht hergeben. Bei Unkenntnis oder Zweifel über die detaillierte initiale Wirkweise (mode of action, MoE) der Substanz – und das ist derzeit faktisch die Norm – soll stets zugunsten der Chemikalie bzw. des Herstellers entschieden werden, auch wenn erwiesen ist, dass die Substanz schädliche Effekte auf hormonelle Funktionen hat. Damit geht die Leitlinie deutlich über das Notwendige für eine Plausibilitätsprüfung hinaus, die nicht verlangt, den gesamten biologischen Weg einer endokrinen Schädigung in einem Organismus nachvollziehen zu können.

Des Weiteren wird in der Leitlinie der Prüfbereich begrenzt und berücksichtigt nur Effekte, die über spezifische Hormone, konkret über Östrogene, Androgene, Schilddrüsenhormone und Steroide (EATS) vermittelt werden. Das bedeutet, dass andere endokrin vermittelte Effekte, die zu anderen komplexen hormonbedingten Erkrankungen beitragen, wie Diabetes, Adipositas, kognitive oder Verhaltensdysfunktionen, nicht bewertet werden bzw. Verdachtsmomente keine regulativen Konsequenzen haben. Es mangelt auch an Prüfstandards, wie Substanzen mit hormonschädlichen Effekten auf Nichtsäugetiere bzw. auf wirbellose Tiere wie Insekten, Weichtiere u.ä. identifiziert werden können. Dabei schreiben die EU-Verordnungen die Identifizierung ALLER für Menschen und Nichtzielorganismen hormonschädlichen Pestizide und Biozide vor. Zu erwarten wäre zumindest ein konkretes Konzept, wie man solchen Bewertungslücken angemessen Rechnung trägt und wann sie geschlossen werden sollen.

Die Ende 2017 verabschiedeten Verordnungen zur Identifizierung hormonschädlicher Chemikalien (s. PAN-Blog), die die Ziele des Biozid- und Pestizidrechts konkretisieren, sollen im Juni 2018 in Kraft treten. Bis dahin soll die Leitlinie den zuständigen Behörden zur Verfügung stehen. Gerade die Ausarbeitung der Detailfragen zum Prüf- und Bewertungsprozess entscheiden maßgeblich darüber, ob die Regelungen zu Papiertiger werden oder ob tatsächlich der notwendige Fortschritt im Gesundheits- und im Umweltschutz erreicht wird. Nach Auffassung der Umweltverbände und der Endocrine Society bedarf es deutlicher Nachbesserungen.

Positionen und Kommentierungen von:

PAN Europe
Chem Trust
HEAL
Client Earth
Endocrine Society