Große Konferenz zu Agrarökologie und Biodiversität im Livestream

Am 11. und 12. Mai 2020 veranstaltet die österreichische NGO GLOBAL2000 unter dem Titel „Visions for Transitions“ den ersten online Kongress zu Agrarökologie und urbaner Biodiversität und urbaner Biodiversität. Auch Kurzentschlossene können per Livestream teilnehmen.

Mit Blick auf die Corona-Epidemie sagt Helmut Burtscher-Schaden von GLOBAL2000: „So streng die Beschränkungen auch erscheinen mögen, sie geben uns jedoch nur einen kleinen Vorgeschmack auf das, was uns in Zukunft blühen könnte, wenn es uns nicht gelingt, den Zusammenbruch der biologischen Vielfalt und des Weltklimas zu verhindern. Eine pestizidfreie, biodiversitäts- und klimafreundliche Landwirtschaft wird den besten Schutz gegen das Massenaussterben von Arten und weltweite Ernteausfälle bieten“.

Das Programm wird als Livestream übertragen. Die Vorträge werden auf Deutsch oder Englisch gehalten und jeweils simultan übersetzt. Über die gesamte Konferenz finden Parallelsitzungen statt. Der eine Konferenzstrang befasst sich mit der „Landwirtschaft der Zukunft“ (Livestream Saal 1 ), der andere mit der „Biodiversität in Städten & Gemeinden der Zukunft“ (Livestream Saal 2 ).

GLOBAL2000  ist ein langjähriger Kooperationspartner von PAN Europe und PAN Germany.

 

Web-Kongress „Visions for Transitions“




SAICM Issues of Concerns (IoCs) – Case of Highly Hazardous Pesticides(HHPs) by PAN International

New Mechanism of Action: elevation of obligations to progress SAICM Issues of Concerns (IoCs) in the post 2020 multilateral regime for chemicals and waste: the case of the current Issue of Concern – Highly Hazardous Pesticides(HHPs) by PAN International, September 2019, slightly modified April 2020




Europäischer Grüner Deal darf nicht verwässert werden

Hamburg, 29. April 2020. Pressemitteilung. Während die EU-Mitgliedstaaten mit der Covid-19-Krise zu kämpfen haben, nutzt die Agrarindustrie die Situation aus, um von der Leyen’s European Green Deal zu verwässern. Die Unterstützer*innen der Europäischen Bürgerinitiative „Bienen und Bauern retten“, darunter PAN Germany, fordern die Europäische Kommission auf, die ehrgeizigen Ziele zum Schutz der Gesundheit der Menschen und der Umwelt beizubehalten und den Übergang der europäischen Landwirtschaft zur Agrarökologie zu unterstützen.

Heute, am 29. April 2020, sollte die Europäische Kommission endlich ihre „Farm to Fork“-Strategie und ihre Biodiversitätsstrategie veröffentlichen. Angekündigt war, dass diese politischen Instrumente ehrgeizige und verbindliche Ziele für eine Pestizidreduktion im Sinne einer grüneren Landwirtschaft und für den Erhalt der Artenvielfalt festlegen würden. Die Veröffentlichungen wurden jedoch bereits zum zweiten Mal mit einer neuen möglichen Frist für den 20. Mai verschoben. In der Zwischenzeit zeigen durchgesickerte Dokumente, dass das ursprüngliche ehrgeizige Ziel, die Verringerung des Pestizideinsatzes in den Mitgliedstaaten verbindlich vorzuschreiben, augenscheinlich merkbar verwässert werden soll.

Die Entwicklung beider Strategien wurde im Rahmen des neuen Europäischen Grünen Deals von der neu gewählten Präsidentin Ursula von der Leyen im Dezember 2019 vorgestellt. Ein solch ehrgeiziger Plan zum Schutz des Klimas, der Umwelt und zukünftiger Generationen ist ein beispielloser Schritt der EU Kommission und wurde von vielen Organisationen der Zivilgesellschaft begrüßt. Der Europäische Grüne Deal ist die notwendige Reaktion auf die zahlreichen alarmierenden Aufrufe von Seiten der Wissenschaft zum Biodiversitätsverlust und dem fortschreitenden Klimawandel. Die europäischen Wähler*innen hatten zuvor in der Europawahl im Frühjahr 2019 ein deutliches Votum abgegeben und für mehr Sitze im EU Parlament für grüne Parteien gestimmt.

Der Gegenwind gegen einen nachhaltigeren Kurs der europäischen Politik von Seiten der Agrarindustrie und industriefreundlichen Akteur*innen ist beträchtlich und die Covid-19 Krise wird dafür genutzt, um die ambitionierten Strategien gezielt zu verzögern und ungeachtet zu verwässern. Tamara Gripp, Referentin für Landwirtschaft und Umwelt bei PAN Germany ist besorgt: Die Gefahr, mit schwachen Strategie zu enden, ist groß. Die deutsche Bundesregierung sollte ihre anstehende Ratspräsidentschaft dafür nutzen, um ihren Forderungen nach einer „grünen Erholung“ nach Covid-19 Nachdruck zu verleihen und für eine ambitionierte Umsetzung des European Green Deals und der zugehörigen Strategien einzutreten.“

Gemeinsam mit allen Unterstützer*innen der Europäischen Bürgerinitiative „Bienen und Bauern retten“ fordern wir, dass die EU Kommission an den ambitionierten Zielen in der Landwirtschafts- und Biodiversitätspolitik festhält. Bereits jetzt sind über 300.000 Unterschriften in der gesamten EU zusammengekommen und wir werden weiter für mehr Unterstützung werben, um unsere Forderungen Gehör zu verschaffen. Unsere Ziele sind konkret und umsetzbar: Den Einsatz chemisch-synthetischer Pestizide in der EU schrittweise auslaufen lassen, die biologische Vielfalt in landwirtschaftlichen Gebieten wiederherstellen und Subventionen der Gemeinsamen Agrarpolitik nutzen, um die EU-Landwirtschaft auf den Weg zur Agrarökologie zu bringen. Die Covid-19-Pandemie hat einmal mehr gezeigt, wie verwundbar die globalisierten Landwirtschafts- und Lebensmittelsysteme sind, und das Agrarökologie der einzige Weg ist, um unsere Lebensmittelproduktion unter Berücksichtigung der Gesundheit von Menschen und Umwelt langfristig zu gewährleisten.

Kontakt:
Tamara Gripp, E-Mail tamara.gripp@pan-germany.org, Tel. +49 40 399 19 10-23, Mobil +49 157 30 34 92 58

Weitere Informationen:

Pressemitteilung der Allianz „Save Bees and Farmers“ vom 29.04.2020: „Amid the Covid-19 crisis, European civil society rises to protect public health and the environment from pesticides“ (EN)

 




Achieving a High Level of Protection from Pesticides in Europe: Problems with the Current Risk Assessment Procedure and Solutions

Die wissenschaftliche Publikation, die von einer Gruppe von Experten aus den Bereichen Recht, Politik und Toxikologie veröffentlicht wurde, zeigt Mängel auf, die dem europäischen Prozess der Risikobewertung von Pestiziden innewohnen.

Die Experten unterbreiten in ihrer Veröffentlichung umfassende Vorschläge für eine Reform der Risikobewertung , um zu vermeiden, dass die identifizierten Mängel zu einer ernsthaften Untergrabung der Bestrebungen für eine nachhaltige Landwirtschaft und eine „grüne Erholung“ von der COVID-19-Pandemie führen.




Neue wissenschaftliche Publikation kritisiert bestimmte Praktiken der Pestizid-Risikobewertung angesichts der „Farm to Fork“-Strategie und REFIT

„Grüner Aufschwung“ nach COVID-19-Krise erfordert gesundes und nachhaltiges Ernährungssystem

Pressemitteilung des Pestizid Aktions-Netzwerks (PAN Germany), Hamburg.

Kontakt: Dr. Peter Clausing, PAN Germany +49 176 4379 5932; peter.clausing@pan-germany.org

(Hamburg, 21.4.2020 ) Eine neue wissenschaftliche Publikation, die von einer Gruppe von Experten aus den Bereichen Recht, Politik und Toxikologie veröffentlicht wurde, hat Mängel aufgezeigt, die dem europäischen Prozess der Risikobewertung von Pestiziden innewohnen.

Die Experten haben in ihrer Veröffentlichung umfassende Vorschläge für eine Reform der Risikobewertung unterbreitet, um zu vermeiden, dass die identifizierten Mängel zu einer ernsthaften Untergrabung der Bestrebungen für eine nachhaltige Landwirtschaft und eine „grüne Erholung“ von der COVID-19-Pandemie führen.

Forderungen nach einer solchen „grünen Erholung“ wurden kürzlich von 13 europäischen Umweltminister*innen, sowie 180 politischen Entscheidungsträger*innen, Wirtschaftsführer*innen, Forscher*innen und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) erhoben. Man war sich einig, dass „business as usual“ – die Rückkehr zum alten umweltbelastenden Modell wirtschaftlichen Fortschritts – keine Option ist.

Regulatorisches Versagen

Dem neuen Papier zufolge, das im European Journal of Risk Regulation erschien, vernachlässigen die EU-Behörden regelmäßig die Umsetzung bzw. Einhaltung ihrer eigenen Pestizid-Vorschriften. Während die EU-Pestizid-Verordnung 1107/2009 theoretisch eine der strengsten der Welt ist, hat sie ihr Ziel „einer unabhängigen, objektiven und transparenten Bewertung“ mit dem Ziel „ein hohes Schutzniveau für die Gesundheit von Mensch und Tier sowie für die Umwelt sicherzustellen“ noch nicht erreicht. Die vorgelegte Publikation enthält weitreichende Empfehlungen zur Lösung dieser Probleme. Dabei dient Glyphosat als Fallstudie wissenschaftlicher und regulatorischer Kontroversen. Das betrifft

  • den weit verbreiteten Missbrauch und die Fehlinterpretation wissenschaftlicher Ergebnisse, verbunden mit einer selektiven Bevorzugung von „günstigen“ Studien, Plagiaten sowie die unkritische Präsentation von Ergebnissen, die als unabhängig dargestellt werden, und ferner den Missbrauch statistischer und analytischer Verfahren;
  • das kontinuierliche Versagen, Effekte von Pestizidgemischen, inklusive Zusatzstoffen, angemessen zu berücksichtigen, obwohl diese das Toxizitätsprofil eines Wirkstoffs verändern können. Eine Berücksichtigung dieser Effekte bei der Genehmigung von Wirkstoffen ist überfällig;
  • die ungenügende Behandlung von Interessenkonflikte innerhalb der Aufsichtsbehörden, wodurch die Unabhängigkeit und Objektivität der Pestizidbewertungen untergraben wird.

Als Folge dieser Versäumnisse durchliefen etliche Pestizidwirkstoffe erfolgreich den Genehmigungsprozess, trotz ihres Potenzials, Mensch, Tier und Umwelt zu schädigen.

Vorgeschlagene Lösungen

Den Autoren zufolge ist das Gesetz selbst kaum der Grund für diese Mängel. Vielmehr liegt das Problem in der fehlenden Umsetzung bzw. konsequenten Anwendung  der geltenden Regeln und Richtlinien durch die Regulierungsbehörden.

Die Autoren schlagen Verbesserungen zur Durchführung der Risikobewertung seitens der Regulierungsbehörden vor.  Dazu zählt die Art und Weise, wie aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse in die Risikobewertung einfließen und wie geltende Regeln einer wissenschaftlich fundierten Bewertung angewandt werden sollten.

Dazu gehören:

  • eine breitere Anwendung so genannter Systematic Reviews (ein etabliertes Verfahren zur Erstellung von wissenschaftlichen Literaturübersichten), um Objektivität und Transparenz bei der Bewertung wissenschaftlicher Forschungsergebnisse zu sichern;
  • die ordnungsgemäße Anwendung des „weight-of-evidence“, um unterschiedliche wissenschaftliche Belege integriert zu betrachten, statt sie getrennt zu bewerten und anschließend zu verwerfen, wie es zum Beispiel im Fall der Krebsbewertung von Pestiziden immer wieder geschehen ist;
  • eine bessere Bewertung der Toxizität von Pestizidformulierungen, so, wie sie vermarktet werden, anstatt sich nur auf die Pestizidwirkstoffe zu konzentrieren, da die Formulierungen ggf. weitaus toxischer sein können;
  • die Abschaffung der gängigen Praxis seitens der Aufsichtsbehörden, in den Industriedossiers vorgenommene Sicherheitsbewertungen zu plagiieren. Die Aufsichtsbehörden müssen eigene, unabhängige Bewertungen der Daten durchführen.

Details zu Publikation

Achieving a High Level of Protection from Pesticides in Europe: Problems with the Current Risk Assessment Procedure and Solutions.

Claire ROBINSON, Christopher J. PORTIER, Aleksandra ČAVOŠKI, Robin MESNAGE, Apolline ROGER, Peter CLAUSING, Paul WHALEY, Hans MUILERMAN und Angeliki LYSSIMACHOU

DOI: 10.1017/err.2020.18

European Journal of Risk Regulation, 31 Seiten, online erschienen am 16. April 2020.


Hintergrund

Die neue Publikation baut auf der Arbeit einer interdisziplinären Gruppe von Wissenschaftlern, Juristen und politischen Akteuren auf, zu denen die Autoren dieses Papiers gehören, und die im Jahr 2018 die Koalition Citizens for Science in Pesticide Regulation gründeten. Mehr als 140 NGOs unterzeichneten das Manifest der Koalition und forderten eine Reform der Risikobewertung, um sicherzustellen, dass der Einsatz von Pestiziden keine Schäden für Mensch, Tier und Umwelt verursacht.

Das neue Papier wurde zu einer Zeit veröffentlicht, in der die EU-Kommission ihre „Farm to Fork“-Strategie (F2F) als Teil des Europäischen „Grünen Deals“ vorbereitet. F2F zielt darauf ab, „ein faires, gesundes und umweltfreundliches Lebensmittelsystem zu sichern“ und soll „Maßnahmen zur deutlichen Verringerung des Einsatzes und der Risiken chemischer Pestizide“ beinhalten.

Dr. Angeliki Lyssimachou, eine der Autorinnen des neuen Publikation und wissenschaftspolitische Referentin beim Pestizid-Aktionsnetzwerk Europa, sagte: „Eine Risikoreduzierung kann nicht stattfinden, wenn die Risikobewertung nicht ordnungsgemäß durchgeführt wird. Einige Pestizide, die das Genehmigungsverfahren durchliefen, sollten überhaupt nicht auf dem Markt sein, da sie giftig sind. Die Regulierungsbehörden müssen sicherstellen, dass während des gesamten Bewertungsverfahrens die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse und objektive Bewertungsmethoden angewandt werden“.

Neben dem F2F wird die EU-Kommission auch ihre längst überfällige REFIT-Bewertung der EU-Pestizidgesetzgebung veröffentlichen, in der beurteilt wird, „ob die Vorschriften den Bedürfnissen der Bürger, Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen auf effiziente Weise gerecht werden“, und in der Empfehlungen für künftige Maßnahmen ausgesprochen werden. Es wurden Bedenken geäußert, dass sich REFIT darauf zu konzentrieren scheint, die EU-Vorschriften für die Industrie „besser“ zu machen, und dass die Pestizidvorschriften dadurch absichtlich geschwächt werden.

Die Veröffentlichung  sowohl von F2F als auch des REFIT der Pestizid-Verordnung verzögern sich aufgrund der COVID-19-Krise, wobei der Bauernverband COPA-COGECA Lobbyarbeit dafür geleistet hat, dass die Veröffentlichung bis zum Herbst verschoben oder sogar zunächst nur eine Folgenabschätzung durchgeführt werden soll.

Doch Claire Robinson, Redakteurin bei GMWatch und Erstautorin der neuen Publikation, entgegnet: „COVID-19 hat uns gezeigt, dass die menschliche Gesundheit im Vordergrund stehen muss und dass eine nachhaltige Nahrungsmittelproduktion von entscheidender Bedeutung ist. Wir können uns keine weiteren Verzögerungen bei der Umsetzung eines gesunden, nachhaltigen und widerstandsfähigen Ernährungssystems leisten“.

Zitate der Ko-Autoren

Dr. Peter Clausing, Toxikologe beim Pestizid-Aktions-Netzwerk Deutschland: „Der ‚weight-of-evidence‘-Ansatz ist ein wichtiges Konzept, um wissenschaftliche Daten zu konsolidieren. Unsere Veröffentlichung zeigt, dass es erheblichen Spielraum für Verbesserungen in der Art und Weise gibt, wie die europäischen Behörden dieses Konzept bei der Risikobewertung von Pestiziden anwenden“.

Dr. Apolline Roger, Rechtsexpertin bei ClientEarth, Brüssel: „Die Pestizid-Verordnung hat großartige Elemente. In den meisten Fällen ist es nicht das Gesetz, das reformiert werden muss, sondern die Art und Weise, wie es umgesetzt wird. Wir gehen mit unseren Empfehlungen detailliert auf die notwendigen Reformen ein“.

Prof. Christopher Portier, Wissenschaftler beim Environmental Defense Fund, U.S.A. und ehemaliger Direktor des U.S. National Center for Environmental Health: „Wissenschaftliche Strenge und vollständige Transparenz sind entscheidend, sowohl für die Bewertung der Daten, die bei der Entscheidungsfindung im Regulierungsbereich verwendet werden, als auch für das Vertrauen, das die Öffentlichkeit diesen Bewertungen entgegenbringt. Diese Publikation empfiehlt Verbesserungen, die beides stärken werden“.

Paul Whaley, Dozent an der Universität Lancaster in Großbritannien, der sich auf neuartige Methoden zur Bewertung von Gesundheitsrisiken durch chemische Exposition spezialisiert hat: „Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit ist eine weltweit führende Agentur, wenn es darum geht, Reformen vorzuschlagen, wie wissenschaftliche Forschung bei der Risikobewertung von Pestiziden eingesetzt wird, insbesondere bei der Anwendung von Methoden des Systematic Review, um Belege für potenzielle Gesundheitsrisiken zu analysieren. Das Problem ist, dass diese Reformen zu langsam und zu ungleichmäßig umgesetzt werden, so dass zu viele Chemikalien mit Methoden bewertet werden, die veraltet und undurchsichtig sind und dadurch zu unzuverlässigen Ergebnissen führen.

Professor Aleksandra Čavoški, Universität Birmingham: „Die EFSA hat erhebliche Fortschritte bei der Verbesserung ihrer Unabhängigkeit gemacht, mit dem Ziel einen „Drehtüreffekt“ zu verhindern. Doch die Politik der EFSA genügt nicht, um Interessenskonflikte zu verhindern, die sich aus der Bereitstellung von Forschungsgeldern ergeben können“.




Jahresbilanz: Zu wenig Engagement der GroKo bei der Umsetzung einer kohärenten Agrar- und Handelspolitik

Die ökologische Krise zeigt, wie dringend ein grundlegender Wandel der Agrar- und Ernährungssysteme durch holistische Ansätze wie Agrarökologie notwendig ist. Eine weltweit zukunftsfähige Landwirtschaft zu schaffen, ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Doch bislang mangelt es an einer kohärenten Agrar- und Handelspolitik, sind sich die Organisationen und Verbände aus Umwelt, Entwicklung, bäuerliche Landwirtschaft, Ökolandbau und Lebensmittelhandwerk in ihrer heute veröffentlichten gemeinsamen Stellungnahme „Jahresbilanz Agrarökologie“ einig. Vor rund einem Jahr hatten die sie ihren Forderungskatalog „Agrarökologie stärken“ veröffentlicht und u.a. gefordert, dass die Bundesregierung sich national und international für Agrarökologie als zentrales Förderkonzept sowohl in der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit als auch beim Klimaschutz im Agrar- und Ernährungsbereich einsetzt und im Rahmen der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU die ökologischen und sozialverträglichen Ansätze der Agrarökologie aufgreift und ein entsprechendes Fördersystem vorantreibt. Die aktuelle Stellungnahme ist eine Analyse der jüngsten Entwicklungen und des bisherigen politischen Bestrebens, den gestellten Forderungen gerecht zu werden.

 

 

 




Gemeinsame Stellungnahme: JAHRESBILANZ AGRARÖKOLOGIE – Analyse ein Jahr nach Veröffentlichung des Positionspapiers „Agrarökologie stärken“ 2019

Im Januar 2019 – vor einem Jahr – haben 59 Organisationen und Verbände aus Umwelt, Entwicklung, bäuerliche Landwirtschaft,
Ökolandbau und Lebensmittelhandwerk ihren Forderungskatalog an die Bundesregierung veröffentlicht.2 Die dramatischen
Entwicklungen zeigen: Eine grundlegende Transformation der Agrar- und Ernährungssysteme durch holistische Ansätze wie
Agrarökologie ist weltweit dringend erforderlich. Im Folgenden sollen nun – ein Jahr später – Licht und Schatten der Regierungspolitik
des Jahres 2019 aufgezeigt werden. Damit ist kein Anspruch auf eine umfassende Bewertung des Regierungshandelns verbunden. Auch wenn vereinzelt positive Entwicklungen sichtbar sind, kann noch nicht von einer Trendumkehr in der Regierungspolitik gesprochen werden. Ein kohärenteres Regierungshandeln zur Stärkung holistischer Ansätze, wie der Agrarökologie, ist bisher nicht erkennbar.




Europäischer Green Deal: Umweltverbände fordern Pestizidreduktion und Förderung für Agrarökologie

Seit Jahrzehnten stützt die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU die industrielle Landwirtschaft und die damit verbundenen negativen Folgen für Umwelt und Gesundheit. In einem offenen Brief an den Vizepräsidenten der EU Kommission Frans Timmermans, sowie an die verantwortlichen EU Kommissare Kyriakides, Wojciechowski und Sinkevičius untermauern die Unterstützer*innen der europäischen Bürgerinitiative „Bienen und Bauern retten“, darunter auch PAN Germany, ihre Forderungen nach einem Europäischen Green Deal, der den Pestizideinsatz in der europäischen Landwirtschaft deutlich reduziert und Anbaumethoden nach agrarökologischen Prinzipien fördert.

Es ist mittlerweile wissenschaftlich und gesellschaftlich anerkannt, dass das industrielle Modell der Nahrungsmittelproduktion eine bedeutende Triebkraft für den Rückgang der Artenvielfalt ist. Diese Form der Landwirtwirtschaft ist vom regelmäßigen Einsatz chemisch-synthetischer Pestizide abhängig. Der Einsatz solcher Chemikalien kann außerdem erhebliche negative Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit bewirken. Hierzu zählen die Häufungen von Krankheiten in ländlichen Gemeinden, die Pestiziden in ihrer Umgebung direkt ausgesetzt sind, Krankheiten ausgelöst durch Pestizidrückstände in Lebensmitteln, und die Belastung durch Pestiziddrift in der Luft und dem Abfluss in Böden und Grundwasser. Eine weitere Folge der industriellen Nahrungsmittelproduktion ist der Rückgang der sozialen und wirtschaftlichen Vielfalt in der Landwirtschaft, was wiederum in einem Verlust an Widerstandsfähigkeit, wertvollem regionalem Wissen und Traditionen resultiert.

Wissenschaftliche Untersuchungen widerlegen die Argumente der Chemie- und Lebensmittellobby und zeigen, dass die Ernährung der Welt auf der Grundlage einer pestizidfreien Landwirtschaft möglich ist. Es ist in erster Linie eine politische Entscheidung. Nicht-chemische Alternativen zum Pestizideinsatz existieren. Das stellen ökologisch wirtschaftende Betriebe und die Bewirtschaftung nach agroökologischen Prinzipien täglich unter Beweis. Ob politische Instrumente der EU wie die kurz vor der Veröffentlichung stehende „Farm to Fork“ Strategie und die Biodiversitätsstrategie nach 2020 zweckdienlich sind und zu einem Wandel hin zu einer Pestizidreduktion und Umstellung auf Agrarökologie beitragen können, hängt von einer ambitionierten Zielsetzung und der Formulierung konkreter Maßnahmen ab. Deshalb fordern die insgesamt 87 unterzeichnenden europäischen NGOs die EU Kommission auf, die Forderungen der Europäischen Bürgerinitiative „Bienen und Bauern retten“, die bereits von mehr als einer Viertelmillion EU-Bürger*innen unterstützt wird, in diese Strategien einzubetten. Insbesondere die drei Kernziele sollen kompromisslos anerkannt und umgesetzt werden:

  1. den Ausstieg aus der Verwendung chemisch-synthetischer Pestizide in der EU Landwirtschaft einleiten, indem sie sich das Ziel setzen, den Einsatz bis 2030 um 80 % zu reduzieren und bis 2035 auslaufen zu lassen.
  2. ehrgeizige Ziele zur Wiederherstellung der biologischen Vielfalt, insbesondere in landwirtschaftlichen Gebieten, festlegen. Landwirtschaft und biologische Vielfalt schließen sich nicht gegenseitig aus, sondern müssen sich gegenseitig befruchten.
  3. die Landwirt*innen beim Übergang zu einer naturverträglichen Landwirtschaft unterstützen. Die Reformvorschläge der GAP müssen stark aufgewertet werden, um die Landwirt*innen finanziell und technisch zu unterstützen, indem der kleinräumigen, vielfältigen und nachhaltigen Landwirtschaft auf der Grundlage der Agrarökologie Vorrang eingeräumt wird.

 

 

Unterstützen auch Sie mit Ihrer Unterschrift die europäische Bürgerinitiative „Bienen und Bauern retten“ – Jede Stimme zählt!




Open NGO letter: European Green Deal needs to cut pesticides and switch to agroecology (EN)

We are writing to you as supporters of the European Citizens Initiative Save Bees and Farmers1 which has been already supported by over a quarter of a million EU citizens.

The significant decline of bees and pollinators in Europe and worldwide, together with the wider collapse of biodiversity we are currently witnessing has rightly raised alarm in the scientific community and general public. Experts have declared that “business as usual” cannot remain an option2,3. It is now finally widely accepted that our food production model is a major driver of this ecology collapse, largely because of the massive use of synthetic pesticides it relies upon.




Pestizid-Abdrift – Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Der Frühling ist da, die Sonne scheint, die Natur erwacht zum Leben und wer auf dem Land wohnt oder Ausflüge ins Blaue unternimmt, kann beobachten, dass Cover FAQs Pestizid-Abdriftauch die Landwirtschaft tüchtig am Werk ist. Auf den Feldern fahren die Traktoren auf und ab. Besonders in dieser Zeit erhalten wir viele Anfragen von besorgten Spaziergänger*innen, Radfahrer*innen und Anwohner*innen zum Thema Pestizid-Abdrift.

An welche Behörde wende ich mich im Falle erlittener oder beobachteter Abdrift? Welche Abstände sind bei der Pestizidausbringung zum Schutz von Anwohner*innen und angrenzenden Flächen einzuhalten? Wo erhalte ich Informationen zu ausgebrachten Spitzmitteln? Gibt es einzuhaltende Bestimmungen für die Pestizidanwendungen? Was ist zu tun bei gesundheitlichen Beschwerden, die durch eine Pestizid-Abdrift verursacht wurden? Welche Regeln gelten beim Pestizideinsatz in Parks, privaten Gärten, Sport- und Freizeitanlagen, oder auf Schul- und Spielplätzen? Antworten auf diese Fragen und weitere hilfreiche Informationen hat PAN Germany in Pestizid-Abdrift – Häufig gestellte Fragen (FAQs) zusammengetragen.

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