Tierwohl im Fokus – für die Tiere, unsere Gesundheit und die Umwelt

Um die Umwelt vor gefährlichen Chemiekalien wie Arzneimitteln und Antibiotikaresistenzen aus der Massentierhaltung zu schützen, muss der Arzneimitteleinsatz erheblich reduziert werden. Deshalb dürfen mangelhafte Haltungsbedingungen, Folgen extremer Hochleistungen und unzureichende Hygienestandards, die durch den Einsatz von Medikamenten kompensiert werden, nicht weiter toleriert werden. Aufzucht und Haltung der Tiere müssen an die Bedürfnisse und das Verhalten der Tiere angepasst werden und nicht umgekert.

Ausreichend Platz und Beschäftigung, Frischluft und Sonnenlicht verringern Stress, Frustration und gestörtes Verhalten wie Schwanzbeißen und Picken. Wenn die Bedürfnisse der Tiere befriedigt sind, wird auch das Wohlbefinden gesteigert. Es trägt auf natürliche Weise dazu bei, dass das Immunsystem gestärkt wird. So sind die Tiere widerstandsfähiger gegen Krankheiten und Arzneimittel werden deutlich weniger gebraucht. Das ist gut für die Tiere, die Umwelt und unsere Gesundheit.

Mehr zum Thema in der PAN Stellungnahme:

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PAN Stellungnahme: Aufruf für mehr Tierwohl in der Nutztierhaltung

Datum: 4. Oktober 2018 244.04 KB

Im erbitterten Kampf um immer niedrigere Preise hat sich die Tierproduktion in Deutschland und weltweit...




Wenn Antibiotika ihre Wirkung verlieren

Wenn Krankheitserreger resistent werden, führt das dazu, dass Antibiotika ihre Wirksamkeit verlieren. Harmlose Infektionen können so lebensgefährlich werden. Bei jeder Behandlung mit Antibiotika überleben einige unempfindliche Erreger – so steigt mit jeder Antibiotikatherapie das Resistenz-Risiko. Das gilt für die Behandlung von Mensch und Tier gleichermaßen. Der regelmäßige Antibiotikaeinsatz in der Massentierhaltung kann auch für uns Menschen zur Gefahr werden, weil resistente Keime aus der Tierhaltung über belastete Nahrungsmittel wie Milch, Fleisch und Eier oder über die Umwelt auf den Menschen übertragen werden können.

Um die Entwicklung von Antibiotikaresistenzen zu stoppen, muss auch der Einsatz von Antibiotika in der Tierproduktion konsequent reduziert werden. Im Sinne des Tierschutzes müssen kranke Tiere behandelt werden. Dass aber Medikamente eingesetzt werden, um mangelhafte Haltungsbedingungen, Folgen extremer Leistungsansprüche und unzureichende Hygienestandards zu kompensiert, ist aus unserer Sicht untragbar. Für Antibiotika gilt: Sie dürfen grundsätzlich nur im Einzelfall und nach einer eindeutigen Diagnose verordnet werden, wenn keine Alternativen zur Verfügung stehen.

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Bittere Pillen für die Umwelt

Arzneimittel werden in der Massentierhaltung regelmäßig eingesetzt, um Krankheitserreger und Parasiten zubekämpfen oder um in den Hormonhaushalt der Tiere einzugreifen. In der Umwelt werden die Wirkstoffe zu einem Problem, weil sie nicht zwischen den Krankheitserregern, die die Nutztiere befallen, und anderen Organismen unterscheiden. Einige Antibiotika verlangsamen das Wachstum von Pflanzen, Algen und Cyanobakterien. Antiparasitika töten nicht nur Parasiten, die den Magen-Darm-Trakt von Kühen und Schweinen befallen, sondern auch andere wirbellose Tiere wie Insekten, Würmer und Krebstiere im Boden. Manche Arzneimittel können hormonelle Störungen auslösen und schon in geringen Konzentrationen die Fortpflanzungsfähigkeit von Fischen und Amphibien hemmen.

Vor allem Antibiotika werden in der Tierproduktion nach wie vor regelmäßig eingesetzt. Damit diese gar nicht erst in die Umwelt gelangen, muss zukünftig auf vorsorgende Maßnahmen in der Tierhaltung gesetzt werden. Wohlbefinden und artgerechtes Verhalten wirken sich positiv auf die Gesundheit der Tiere aus und gesunde Tiere brauchen keine Antibiotika.

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Tierarzneimittel in Böden und Gewässern

Obwohl Nutztiere für die Erzeugung von Lebensmitteln überwiegend in abgeschotteten Ställen gehalten werden, sind die dort eingesetzten Arzneimittel eine Gefahr für die Umwelt. Ein Großteil der Wirkstoffe wird von den Tieren gar nicht erst aufgenommen oder nicht abgebaut wieder ausgeschieden. Über Gülle und Mist, aber auch über Abluft und Abwässer gelangen die Arzneimittel vom Stall nach draußen. In Böden und Gewässern wirken sie weiter und gefährden andere Lebewesen wie Insekten, Fische, Amphibien und Pflanzen. Medikamente, ob für Tiere oder Menschen, sind hochwirksame chemischen Substanzen. Viele der Wirkstoffe sind sehr stabil, langlebig, lagern sich an und sind wasserlöslich. Arzneimittel und ihre Rückstände sind mittlerweile nahezu flächendeckend in Fließgewässern nachweißbar.

Eine Entlastung der Umwelt muss an der Ursache des Problems ansetzen – der Tierhaltung. Dort, wo Tiere artgerecht aufwachsen, gibt es weniger ansteckende Krankheiten, die mit Medikamenten wie Antibiotika behandelt werden müssen. Maßnahmen für mehr Tierwohl kommen also auch der Umwelt zu Gute.

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PAN Stellungnahme: Aufruf für mehr Tierwohl in der Nutztierhaltung

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Enge, Stress & Antibiotika

Von unserer romantischen Vorstellung einer Bauernhof-Ideylle ist die Realität weit entfernt. Denn um unseren enormen Fleischkonsum zu decken, wird Tag für Tag auf Masse produziert. Im Kampf um niedrige Preise steht das Wohlergehen und die Würde der Tiere hinten an. In der Massentierhaltung sind die Nutztiere vielen Stressfaktoren ausgestetzt – der hohe Leistungsanspruch, Platz- und Bewegungsmangel, Beschäftigungsmangel und Licht-und Frischluftmangel. Dieser permanente Stress schwächt das Immunsystem der Tiere und fördert die Verbreitung von Krankheiten. Arzneimittel wie Antibiotika ist notwendig, um Nutztiere bis zur Schlachtreife aufziehen zu können. Doch Rückstände dieser Arzneimittel gelangen in die Umwelt, wo sie zur Verschmutzung von Ökosystemen und zur Entwicklung von Antibiotikaresistenzen beitragen.

Vielfach werden Medikamente eingesetzt, um Infektionskrankheiten zu bekämpfen, die unter artgerechteren Haltungsbedingungen erst gar nicht auftreten. Bei ganzjähriger Stallhaltung steigt beispielsweise das Risiko für Klauenkrankheiten und die mit Keimen und schädlichen Gasen belastete Luft erhöht das Risiko für Atemwegserkrankungen. Schon eine niedrigere Anzahl von Tieren im Stall und regelmäßiger Freigang erhöhen das Wohlbefinden und die Gesundheit der Tiere, so dass weniger Antibiotika eingesetzt werden müssen.

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PAN Stellungnahme: Aufruf für mehr Tierwohl in der Nutztierhaltung

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Ein anregender Ausflug in die Agrarlandschaft

Hamburg, 31.07.2019, Pressemitteilung. Raus aus der Stadt und ab ins Grüne. Doch echte Natur ist kaum noch vorhanden in Deutschland. Landwirtschaft, Forst und Siedlungen nehmen den weitaus größten Teil des Landes ein. Die Landwirtschaft spielt für Klima-, Umwelt- und Naturschutz eine zentrale Rolle – durch die zunehmende Intensivierung und den dramatischen Artenverlust in der Agrarlandschaft allerdings keine positive, kritisiert die Umweltschutzorganisation PAN Germany.

„Genau das ist aber möglich“, so PAN Germany Vorstandsmitglied Gesine Schütte. Positive Wirkungen auf Klima, Artenvielfalt und auch stabilere betriebliche Einnahmen können in einer Landwirtschaft nach den Prinzipien der Agrarökologie erzielt werden. „Dazu braucht es eine Landwirtschaft, die mit Artenvielfalt auf den Produktionsflächen den Boden und Luftraum besser nutzt und schützt und davon profitiert, dass unterschiedliche Arten positiv zusammenwirken“, bekräftigt Schütte.

Mit dem gerade erschienenen Buch der Umweltschutzorganisation Pestizid Aktions-Netzwerk e.V. (PAN Germany) „Ausflug in die Agrarlandschaft“ kann das Wandern, Radeln, Zug- oder Autofahren durch eben diese Landschaft zu einer Beobachtungstour mit geschärftem Blick für sichtbare und unsichtbare Trends in der industriellen Landwirtschaft werden. Den Verlust an nützlichen Blattlausfeinden oder der Bodenqualität kann man ja eben nicht im Vorbeifahren sehen. Leser*innen können mit dieser kleinen Lektüre mit ihren vielen Fotos und erläuternden Illustrationen und Quellenhinweisen in aktuelle und kommende Debatten über die Zukunft der Landwirtschaft „einsteigen“.

Die Autorinnen möchten Menschen mit dieser Lektüre inspirieren, noch nachdrücklicher von der Politik, den Agrarministerien der Bundesländer und von der Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner diese notwendigen Maßnahmen einzufordern, und Landwirt*innen, die neue Wege gehen, zu unterstützen.

 

Bibliografische Angaben:
PAN Germany (2019): Ausflug in die Agrarlandschaft. Hamburg. DIN A5, 60 Seiten.

Bezug:
PAN Germany, Nernstweg 32, 22765 Hamburg
E-Mail: info@pan-germany.org, Tel.: 040-3991910-0
5,00 € plus Versandkosten

Für Journalist*innen sind Rezensionsexemplare kostenfrei

Kontakt:
Dr. Gesine Schütte
E-Mail: gesine.schuette@uni-hamburg.de




Save bees and farmers – Bündnis startet EU-Bürgerinitiative für eine bessere Landwirtschaft

In Europa formiert sich ein breites, zivilgesellschaftliches Bündnis zur Rettung der Artenvielfalt und der bäuerlichen Landwirtschaft. Am 31. Juli 2019 reichten Organisationen aus ganz Europa gemeinsam in Brüssel die Europäische Bürgerinitiative (EBI) „Save bees and farmers – Bienen und Bauern retten!“ ein. Sie will den Einsatz gefährlicher Pestizide beenden und Bäuer*innen bei der Umstellung zu einer gesünderen und umweltfreundlicheren Produktion unterstützen. Die EU-Kommission hat nun zwei Monate Zeit, die Bürgerinitiative zu prüfen. Sobald sie die Registrierung bestätigt, will das Bündnis innerhalb eines Jahres eine Million Unterschriften in Europa sammeln.

Die Wissenschaft ist sich einig: Ohne tiefgreifende Veränderungen unserer landwirtschaftlichen Produktion wird der Kollaps unserer Ökosysteme nicht aufzuhalten sein. Ein Viertel der Wildtiere Europas ist vom Aussterben bedroht, der Bestand der Feldvögel hat sich in den vergangenen Jahrzehnten halbiert. Viele Bienenarten und andere bestäubende Insekten drohen auszusterben. Zudem mussten zwischen 2005 und 2016 rund vier Millionen kleinbäuerliche Betriebe schließen und werden durch wenige immer größere Betriebe ersetzt.

Überall in Europa entstehen derzeit Bürgerbewegungen, die eine andere Form der Landwirtschaft zum Ziel haben: Von der Mohnblumen-Bewegung in Frankreich über die Pestizidrebellen im Südtiroler Ort Mals bis zum erfolgreichen Volksbegehren “Rettet die Bienen”, das in Bayern über 1,8 Millionen Menschen unterzeichnet haben. Die Europäische Bürgerinitiative “Save bees and farmers” setzt nun dort an, wo Europas Landwirtschaftspolitik maßgeblich gestaltet wird und fordert die EU-Kommission auf, per Gesetz

  1. für einen Ausstieg aus dem Einsatz chemisch-synthetischer Pestizide bis 2035 zu sorgen. Dazu soll der Einsatz solcher Mittel bis 2030 um 80 Prozent reduziert werden, beginnend mit den gefährlichsten Wirkstoffen.
  1. natürliche Ökosysteme in landwirtschaftlich genutzten Gebieten wiederherzustellen, so dass die Landwirtschaft eine Triebkraft zur Erholung der Biodiversität werden kann.
  1. Bäuer*innen mit einer reformierten Landwirtschaftspolitik bei der Umstellung zu unterstützen, bei der einer kleinteiligen, vielfältigen und nachhaltigen Landwirtschaft Priorität eingeräumt wird. Außerdem soll ein schneller Ausbau von agrarökologischer Praxis und ökologischem Landbau, eine unabhängige Weiterbildung von und durch Landwirt*innen sowie Forschung zu pestizid- und gentechnikfreiem Anbau gefördert werden.

Die Europäische Bürgerinitiative ist ein Projekt von zivilgesellschaftlichen Akteuren aus ganz Europa, darunter Umweltschutzorganisationen, Imkerverbände, Verbraucherschutzorganisationen und weitere Bürgerinitiativen. Zu den Trägern der Initiative gehören unter anderem die europäischen Netzwerke PAN Europe und Friends of the Earth Europe, das Umweltinstitut München, die Aurelia Stiftung (Deutschland), Générations Futures (Frankreich), GLOBAL2000 (Österreich) und PAN Germany.

Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite zur EBI Save bees and farmers

 




Neu: Ausflug in die Agrarlandschaft – Was wir sehen – und was wir sehen könnten

Cover Ausflug in die AgrarlandschaftRund die Hälfte der Fläche Deutschlands wird als Agrarland genutzt. Mit etwas Hintergrundwissen, wie es in diesem Büchlein kurz und knapp präsentiert wird, kann das Wandern, Radeln, Zug- oder Autofahren durch die Agrarlandschaft zu einer spannenden Beobachtungstour hinter den Kulissen der industriellen Landwirtschaft und zu einer lebhaften Vorstellung von einer nachhaltigen Landwirtschaft werden.
Dieses Büchlein beschreibt nicht nur, was wir in der Agrarlandschaft „sehen“, sondern auch, was wir „nicht sehen“ sowie, was wir „sehen könnten“, wenn die Landwirtschaft klimaneutral, ökologisch verträglich sowie auch für die Landwirt*innen ökonomisch einträglich wäre.
Begeben Sie sich mit dieser kleinen Lektüre mit ihren vielen Fotos und erläuternden Abbildungen auf einen Ausflug in die Agrarlandschaft. Ganz nebenbei schärfen Sie dabei Ihren Blick für aktuelle und kommende Debatten über die Zukunft der Landwirtschaft in Zeiten des Klimawandels und des  dramatischen Artenverlusts.

PAN Germany, 2019, DIN A5, 60 Seiten

Inhaltsverzeichnis (pdf-Datei)

Bezug:
PAN Germany, Nernstweg 32, 22765 Hamburg, E-Mail: info@pan-germany.org,
Tel.: 040-3991910-0.
5,00 € zzgl. anteilige Versandkosten (min. 2,50 €).

Vorbereitetes Bestell-Formular (pdf-Datei)




Dokumentation – PAN Germany Workshop „Risiken und Nebenwirkungen von Pestiziden – Schutzgebiete besser schützen!“

 

PAN Germany Workshop

Mit dem Ziel Informationen über die Belastung von Natur und Umwelt durch Pestizide auszutauschen, Handlungsoptionen für den Schutz von Schutzgebieten vor Pestiziden zu erörtern und Maßnahmen für einen erfolgreichen Biodiversitätsschutz im aktuellen Kontext des Aktionsprogramms Insektenschutz zu konkretisieren, hat PAN Germany am 4. Juni 2019 zu dem eintägigen Fachworkshop „Risiken und Nebenwirkungen von Pestiziden – Schutzgebiete besser schützen!“ nach Hamburg eingeladen. Zu den Teilnehmenden zählten Vertreter*innen des Natur- und Umweltschutzes aus Länder- und kommunalen Behörden und von Verbänden und Organisationen der Zivilgesellschaft sowie fachkundige Interessierte. Die vorliegende Dokumentation ermöglicht es den Teilnehmenden und all denjenigen, die nicht am Workshop haben teilnehmen können, sich mit dem Thema über die Veranstaltung hinaus auseinanderzusetzen.

 

Hintergrund

Zahlreiche Faktoren haben dazu geführt, dass Ökosysteme und unsere Umwelt in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend unter Druck geraten sind. Das Ergebnis dieser Entwicklung zeigt sich u.a. in den sich füllenden „Roten Listen“ und anhand von Analyseprotokollen zur Gewässerbelastung. Seit gut 70 Jahren trägt der chemische Pflanzenschutz hierzu bei. Doch wie wirken Pestizide in der Umwelt?

Mit der Ausweisung von Schutzgebieten wie Wasserschutz- oder Naturschutzgebiete, wird versucht, dem Verlust bestimmter Biotoptypen, der chemischen Kontamination von Ressourcen und dem Artenverlust entgegen zu wirken. Doch wie kann es sein, dass vier von fünf deutschen Grünlandbiotop-Typen gefährdet sind und selbst in Schutzgebieten die Insektenbiomasse in den vergangenen 30 Jahren um gut 75 % zurückgegangen ist? Das Insektenschutzprogramm des Bundesumweltministeriums fordert nicht nur eine Pestizidreduktion, sondern auch einen besseren Schutz für Schutzgebiete. Beim Schutz solcher sensiblen Gebiete kommt den Bundesländern eine besondere Aufgabe zu: Sie haben die Befugnis, die Anwendung von Pestiziden in Schutzgebieten nach wasserrechtlichen oder naturschutzrechtlichen Bestimmungen zu verbieten oder zu beschränken. Das Bundesumweltministerium spricht sich für einen Stopp des Pestizideinsatzes in Schutzgebieten aus. Das allein reicht aber nicht aus – es braucht konkrete Maßnahmen und zunächst vor allem Akzeptanz in der Bevölkerung und bei den Beteiligten Vorort.

 

Programm

Mit vier Fachvorträgen wurden wichtige Aspekte zum Thema Pestizide und biologische Vielfalt näher beleuchtet. Der Ökotoxikologe Prof. Dr. Liess vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), Leipzig, berichtete in seinem Vortrag über aktuelle Untersuchungsergebnisse eines laufenden Projekts zur Analyse von Pestizidbelastungen in deutschen Kleingewässern und stellte den Bioindikator „SPEAR pesticides“ zur Anzeige von Pestizidbelastung und ökologischen Effekten in Fließgewässern vor. Senior advisor Water and Food Safety Margriet Mantingh von der Frauenorganisation Women Engage for a Common Future (WECF) und Jelmer Buijs, Buijs von Agro-Services, stellten ihre Untersuchung zu Pestizidfunden auf niederländischen Viehbetrieben und deren mögliche Folgen für die Biodiversität vor. Tamara Gripp, Referentin für Landwirtschaft und Umwelt vom Pestizid Aktions-Netzwerk e.V. (PAN Germany), gab in ihrem Vortrag Einblicke zum Sachverhalt des Pestizideinsatzes in Schutzgebieten und erläuterte den naturschutzrechtlichen und pestizidrechtlichen Rahmen. Abschließend präsentierte Corinna Hölzel, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Pestizidfreie Kommunen und Bienen vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), den aktuellen Stand zum Aktionsprogramm Insektenschutz der Bundesregierung und stellte Neues aus der BUND Initiative „Pestizidfreie Kommunen“ vor. Alle Präsentationen stehen nachfolgend zum Download bereit.

 

Diskussion

Im Anschluss an die Vorträge wurden gemeinsam mit den Teilnehmenden des Workshops mögliche Stellschrauben für eine Pestizidreduktion und Entlastung der Umwelt diskutiert. Besonders intensiv wurden die Defizite bei der regulatorischen Risikobewertung von Pestiziden hinsichtlich der Auswirkungen auf die Artenvielfalt besprochen (mit Bezug auf Cocktail-Effekte, sublethale und indirekte Effekte). Außerdem wurde die Wichtigkeit unterschiedlicher Belastungspfade erörtert, wie der Eintrag von Pestiziden und die damit verbundende Schädigung von Nutzinsekten über mit Pestiziden belastetes Tierfutter sowie die Verbreitung von Pestiziden über den Luftweg. Einigkeit bestand darüber, dass mehr Anstrengungen auf allen beteiligten Ebenen unternommen werden müssen, um den Pestizideinsatz insgesamt zu senken und in Schutzgebieten generell zu unterbinden sowie über die Notwendigkeit, in der landwirtschaftlichen Produktion eine Wende hin zu umweltverträglicheren Pflanzenschutzkonzepten einzuläuten.

 

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Dokumentation - PAN Germany Workshop "Risiken und Nebenwirkungen von Pestiziden - Schutzgebiete besser schützen!"

Datum: 18. Juni 2019 35.25 MB

PAN Germany Workshop, 4. Juni 2019 in Hamburg-Wilhelmsburg. "Risiken und Nebenwirkungen von Pestiziden...




Pestizide bergen unterschätzte Risiken für Mensch, Umwelt und Natur

Die weltweite Intensivierung des Agrarsektors hat zu einer Abhängigkeit vom chemischen Pflanzenschutz in der Landwirtschaft geführt. Viele Pestizide sind mobil, verdunsten, versickern oder aber sie binden sich an Bodenteilchen. Die Folgen sind u.a. verun­reinigte Gewässer und Verwehungen (Abdrift) auf angrenzende Flächen und in Wohngebiete. Einmal in die Umwelt gelangt, können Pestizide unbeabsichtigt Wildtieren und Wildpflanzen schädigen. Aber die Ackergifte können auch uns Menschen krankmachen. Wir nehmen Pestizide über die Haut, die Atemluft und die Nahrung auf.

Trotz behördlicher Risikoprüfung gelangen Pestizide auf den Markt, die krankmachen, nützliche Insekten schädigen und insgesamt zum Verlust an biologischer Vielfalt beitragen. Für PAN Germany steht fest: Wir brauchen eine Landwirtschaft, die nicht vom Einsatz chemisch-synthetischer Pestizide abhängig ist.

Was muss sich ändern und was können wir zum Schutz von Gesundheit und Umwelt und für den Erhalt der Natur tun? Informationen dazu gibt das Faltblatt Pestizide – Unterschätzte Risiken für Mensch, Umwelt und Natur.

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Faltblatt: Pestizide - Unterschätzte Risiken für Mensch, Umwelt und Natur

Datum: 7. Juni 2019 851.09 KB

Pestizid oder Pflanzenschutzmittel? Als Pestizide bezeichnet man sowohl chemische Wirkstoffe als auch...