Dokumentation – PAN Germany Workshop „Risiken und Nebenwirkungen von Pestiziden – Schutzgebiete besser schützen!“

 

PAN Germany Workshop

Mit dem Ziel Informationen über die Belastung von Natur und Umwelt durch Pestizide auszutauschen, Handlungsoptionen für den Schutz von Schutzgebieten vor Pestiziden zu erörtern und Maßnahmen für einen erfolgreichen Biodiversitätsschutz im aktuellen Kontext des Aktionsprogramms Insektenschutz zu konkretisieren, hat PAN Germany am 4. Juni 2019 zu dem eintägigen Fachworkshop „Risiken und Nebenwirkungen von Pestiziden – Schutzgebiete besser schützen!“ nach Hamburg eingeladen. Zu den Teilnehmenden zählten Vertreter*innen des Natur- und Umweltschutzes aus Länder- und kommunalen Behörden und von Verbänden und Organisationen der Zivilgesellschaft sowie fachkundige Interessierte. Die vorliegende Dokumentation ermöglicht es den Teilnehmenden und all denjenigen, die nicht am Workshop haben teilnehmen können, sich mit dem Thema über die Veranstaltung hinaus auseinanderzusetzen.

 

Hintergrund

Zahlreiche Faktoren haben dazu geführt, dass Ökosysteme und unsere Umwelt in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend unter Druck geraten sind. Das Ergebnis dieser Entwicklung zeigt sich u.a. in den sich füllenden „Roten Listen“ und anhand von Analyseprotokollen zur Gewässerbelastung. Seit gut 70 Jahren trägt der chemische Pflanzenschutz hierzu bei. Doch wie wirken Pestizide in der Umwelt?

Mit der Ausweisung von Schutzgebieten wie Wasserschutz- oder Naturschutzgebiete, wird versucht, dem Verlust bestimmter Biotoptypen, der chemischen Kontamination von Ressourcen und dem Artenverlust entgegen zu wirken. Doch wie kann es sein, dass vier von fünf deutschen Grünlandbiotop-Typen gefährdet sind und selbst in Schutzgebieten die Insektenbiomasse in den vergangenen 30 Jahren um gut 75 % zurückgegangen ist? Das Insektenschutzprogramm des Bundesumweltministeriums fordert nicht nur eine Pestizidreduktion, sondern auch einen besseren Schutz für Schutzgebiete. Beim Schutz solcher sensiblen Gebiete kommt den Bundesländern eine besondere Aufgabe zu: Sie haben die Befugnis, die Anwendung von Pestiziden in Schutzgebieten nach wasserrechtlichen oder naturschutzrechtlichen Bestimmungen zu verbieten oder zu beschränken. Das Bundesumweltministerium spricht sich für einen Stopp des Pestizideinsatzes in Schutzgebieten aus. Das allein reicht aber nicht aus – es braucht konkrete Maßnahmen und zunächst vor allem Akzeptanz in der Bevölkerung und bei den Beteiligten Vorort.

 

Programm

Mit vier Fachvorträgen wurden wichtige Aspekte zum Thema Pestizide und biologische Vielfalt näher beleuchtet. Der Ökotoxikologe Prof. Dr. Liess vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), Leipzig, berichtete in seinem Vortrag über aktuelle Untersuchungsergebnisse eines laufenden Projekts zur Analyse von Pestizidbelastungen in deutschen Kleingewässern und stellte den Bioindikator „SPEAR pesticides“ zur Anzeige von Pestizidbelastung und ökologischen Effekten in Fließgewässern vor. Senior advisor Water and Food Safety Margriet Mantingh von der Frauenorganisation Women Engage for a Common Future (WECF) und Jelmer Buijs, Buijs von Agro-Services, stellten ihre Untersuchung zu Pestizidfunden auf niederländischen Viehbetrieben und deren mögliche Folgen für die Biodiversität vor. Tamara Gripp, Referentin für Landwirtschaft und Umwelt vom Pestizid Aktions-Netzwerk e.V. (PAN Germany), gab in ihrem Vortrag Einblicke zum Sachverhalt des Pestizideinsatzes in Schutzgebieten und erläuterte den naturschutzrechtlichen und pestizidrechtlichen Rahmen. Abschließend präsentierte Corinna Hölzel, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Pestizidfreie Kommunen und Bienen vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), den aktuellen Stand zum Aktionsprogramm Insektenschutz der Bundesregierung und stellte Neues aus der BUND Initiative „Pestizidfreie Kommunen“ vor. Alle Präsentationen stehen nachfolgend zum Download bereit.

 

Diskussion

Im Anschluss an die Vorträge wurden gemeinsam mit den Teilnehmenden des Workshops mögliche Stellschrauben für eine Pestizidreduktion und Entlastung der Umwelt diskutiert. Besonders intensiv wurden die Defizite bei der regulatorischen Risikobewertung von Pestiziden hinsichtlich der Auswirkungen auf die Artenvielfalt besprochen (mit Bezug auf Cocktail-Effekte, sublethale und indirekte Effekte). Außerdem wurde die Wichtigkeit unterschiedlicher Belastungspfade erörtert, wie der Eintrag von Pestiziden und die damit verbundende Schädigung von Nutzinsekten über mit Pestiziden belastetes Tierfutter sowie die Verbreitung von Pestiziden über den Luftweg. Einigkeit bestand darüber, dass mehr Anstrengungen auf allen beteiligten Ebenen unternommen werden müssen, um den Pestizideinsatz insgesamt zu senken und in Schutzgebieten generell zu unterbinden sowie über die Notwendigkeit, in der landwirtschaftlichen Produktion eine Wende hin zu umweltverträglicheren Pflanzenschutzkonzepten einzuläuten.

 

Icon

Dokumentation - PAN Germany Workshop "Risiken und Nebenwirkungen von Pestiziden - Schutzgebiete besser schützen!"

Datum: 18. Juni 2019 35.25 MB

PAN Germany Workshop, 4. Juni 2019 in Hamburg-Wilhelmsburg. "Risiken und Nebenwirkungen von Pestiziden...




Pestizide bergen unterschätzte Risiken für Mensch, Umwelt und Natur

Die weltweite Intensivierung des Agrarsektors hat zu einer Abhängigkeit vom chemischen Pflanzenschutz in der Landwirtschaft geführt. Viele Pestizide sind mobil, verdunsten, versickern oder aber sie binden sich an Bodenteilchen. Die Folgen sind u.a. verun­reinigte Gewässer und Verwehungen (Abdrift) auf angrenzende Flächen und in Wohngebiete. Einmal in die Umwelt gelangt, können Pestizide unbeabsichtigt Wildtieren und Wildpflanzen schädigen. Aber die Ackergifte können auch uns Menschen krankmachen. Wir nehmen Pestizide über die Haut, die Atemluft und die Nahrung auf.

Trotz behördlicher Risikoprüfung gelangen Pestizide auf den Markt, die krankmachen, nützliche Insekten schädigen und insgesamt zum Verlust an biologischer Vielfalt beitragen. Für PAN Germany steht fest: Wir brauchen eine Landwirtschaft, die nicht vom Einsatz chemisch-synthetischer Pestizide abhängig ist.

Was muss sich ändern und was können wir zum Schutz von Gesundheit und Umwelt und für den Erhalt der Natur tun? Informationen dazu gibt das Faltblatt Pestizide – Unterschätzte Risiken für Mensch, Umwelt und Natur.

Icon

Faltblatt: Pestizide - Unterschätzte Risiken für Mensch, Umwelt und Natur

Datum: 7. Juni 2019 851.09 KB

Pestizid oder Pflanzenschutzmittel? Als Pestizide bezeichnet man sowohl chemische Wirkstoffe als auch...




Dokumentation – PAN Germany Workshop „Risiken und Nebenwirkungen von Pestiziden – Schutzgebiete besser schützen!“

PAN Germany Workshop, 4. Juni 2019 in Hamburg-Wilhelmsburg.

„Risiken und Nebenwirkungen von Pestiziden – Schutzgebiete besser schützen!“

Programm und Vorträge im pdf-Format. Die Verantwortung für die Inhalte liegt bei den Autor*innen.




Agroecology – The Solution to Highly Hazardous Pesticides

Agroecology is an economically viable and socially just approach to sustainable agriculture and food systems, grounded in ecological and social principles and the integration of science with local and Indigenous knowledge and practice, emphasising farming in harmony with natural cycles and processes, and the political approach of food sovereignty—including the right to produce and access nutritious and culturally appropriate food.




PAN Positionspapier Agrarökologie

Agrarökologie – Die Lösung für den Ersatz hochgefährlicher Pestizide

Das Positionspapier von PAN International gibt einen komprimierten Überblick über die Grundlagen und Prinzipien der Agrarökologie. Es werden die multifunktionalen Vorteile agrarökologischer Systeme vorgestellt und aufgelistet, wie die Agrarökologie zur Erreichung der Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) beiträgt.

Mit zunehmender Kenntnis über die schädlichen Auswirkungen hochgefährlicher Pestizide (HHPs) ist auch die weltweite Erkenntnis darüber gewachsen, dass es dringend notwendig ist, die chemieintensive Landwirtschaft durch agrarökologische Landwirtschaft zu ersetzen.

Agrarökologie ist eine ökonomisch tragfähige und sozial gerechte Form nachhaltiger Landwirtschaft und Lebensmittelerzeugung, die auf ökologische und soziale Prinzipien und der Integration von Wissenschaft mit lokalen und indigenen Erfahrungen und Praktiken basiert, die im Einklang mit natürlichen Kreisläufen und Prozessen wirtschaftet und das politische Ziel der Ernährungssouveränität beinhaltet, einschließlich des Rechts darauf, nahrhafte und kulturelle angemessene Lebensmittel zu erzeugen und zu erhalten.

Icon

PAN Positionspapier Agrarökologie (DEU)

Datum: 22. Mai 2019 1.42 MB

Agrarökologie - Die Lösung für den Ersatz hochgefährlicher Pestizide Agrarökologie ist eine ökonomisch...

Icon

Agroecology - The Solution to Highly Hazardous Pesticides

Datum: 22. Mai 2019 1.38 MB

Agroecology is an economically viable and socially just approach to sustainable agriculture and food...




PAN Positionspapier Agrarökologie (DEU)

Agrarökologie – Die Lösung für den Ersatz hochgefährlicher Pestizide

Agrarökologie ist eine ökonomisch tragfähige und sozial gerechte Form nachhaltiger Landwirtschaft und Lebensmittelerzeugung, die auf ökologische und soziale Prinzipien und der Integration von Wissenschaft mit lokalen und indigenen Erfahrungen und Praktiken basiert, die im Einklang mit natürlichen Kreisläufen und Prozessen wirtschaftet und das politische Ziel der Ernährungssouveränität beinhaltet, einschließlich des Rechts darauf, nahrhafte und kulturelle angemessene Lebensmittel zu erzeugen und zu erhalten.

Dieses Positionspapier ist auch auf Englisch verfügbar.




Deutscher Naturschutztag fordert umfassenden Schutz mariner Lebensräume – auch vor Pestizid-Belastungen

Um unsere Meere und Küsten ist es schlecht bestellt: Klimawandel, Versauerung, nicht nachhaltige Fischereipraktiken und Aquakulturen, militärischer Nutzung, Verlärmung, Vermüllung, Belastung durch Nähr-und Schadstoffe aus der Landwirtschaft und weitere Faktoren tragen zum schlechten Zustand der Meere bei.

Die 1300 TeilnehmerInnen des 35. Deutsche Naturschutztages befasste sich vom 25.9. bis 29.-09.18 intensiv mit den drängenden Problemen des Meeresschutzes und fassten ihre Forderungen an Politim und Zivilgesellschaft abschließend in der Kieler Erklärung „Klarer Kurs für Meere und Küsten“ zusammen.

Im Fokus der Erklärung steht der nachhaltige Schutz der marinen Lebensräume und Lebensgemeinschaften. Die TeilnehmerInnen fordern in der Kieler Erklärung, u.a. die Einträge von Nähr- und Schadstoffen erheblich zu reduzieren. Dabei wird auch die Belastung mit Pestiziden thematisiert. Hierzu heißt es in der Erklärung: „Vor allem die intensive Landwirtschaft trägt über diffuse Einträge von Nährstoffen und Pestiziden neben Abwässern aus der Schifffahrt, Klärschlämme sowie diffuse Einträge über die Luft (…) maßgeblich zur Belastung bei.“

Daher fordern die TeilnehmerInnen des 34. DNT:
• Die Konsequente Ausrichtung der Agrarpolitik an nachhaltigem Ressourcen- und Gewässerschutz.
• Die Einführung einer Stickstoffüberschuss- und Pestizidabgabe; Aufhebung der Freistellung der Landwirtschaft beim Abwasserabgabengesetz.
• Ein Gesetzliches Verbot bzw. eine drastische Reduktion des Ackerbaus, der Düngung und des Pestizideinsatzes in den Überschwemmungsgebieten an Fließgewässern.

Die Teilnehmer heben hervor: Der umfassende Schutz der Meere betrifft die Weltgemeinschaft ebenso wie jeden Staat und letztlich auch jeden einzelnen Menschen. Alle müssen handeln. Ein Nichthandeln gefährdet unser aller Zukunft und die der Meeresnatur in unverantwortlicher Weise. Daher fordern die Teilnehmenden des 34. Deutschen Naturschutztags die Landesregierungen, die Bundesregierung, die Europäische Union sowie die Staatengemeinschaft auf, umgehend die in der Erklärung genannten Schritte anzugehen und die notwendigen Lösungen umzusetzen. Nichtregierungsorganisationen sind aufgefordert, diesen Prozess aktiv zu begleiten, konsequent zu unterstützen und die notwendige Umsetzung kontinuierlich einzufordern.