Redebeitrag auf der Alzchem-Hauptversammlung am 05.05.2026

Rede zum Thema „Cyanamid“ von Dr. Peter Clausing von PAN Germany und bevollmächtigter Sprecher des Dachverbandes der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre auf der Hauptversammlung der Alzchem AG am 05.05.2026. 

Sehr geehrte Damen und Herren Aktionärinnen und Aktionäre, sehr geehrte Mitglieder des Vorstands und Aufsichtsrats.

Mein Name ist Dr. Peter Clausing vom Pestizid Aktions-Netzwerks und ich spreche als Bevollmächtigter des Dachverbandes der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre. Als Toxikologe bin ich mit den Eigenschaften des AlzChem-Wirkstoffs Cyanamid und mit den einschlägigen gesetzlichen Regelungen und internationalen Empfehlungen vertraut.

Wie Ihnen bekannt ist, verlor Cyanamid in der EU im September 2008 seine Genehmigung, weil -und ich zitiere aus der entsprechenden Entscheidung der EU-Kommission: „eindeutig davon auszugehen ist, dass der Wirkstoff sich schädlich auf die menschliche Gesundheit und insbesondere die der Anwender auswirkt.“

Ich gehe davon aus, dass Sie mir zustimmen, dass die EU-Kommission ihre Entscheidungen nicht leichtfertig trifft. Andererseits vertraten Sie auf der letzten Hauptversammlung, die Ansicht, dass die EU-Behörden von einem viel zu geringen Grenzwert für die maximal zulässige Anwenderexposition ausgehen würde. Ich bitte um Nachsicht für den Vergleich, den ich jetzt anstelle, aber auch die Tabakindustrie hat sich jahrzehntelang dagegen gewehrt, dass Rauchen Lungenkrebs verursacht – das füge ich hier spontan ein, unter dem Eindruck der heute geäußerten Zweifel an der Bewertung von Calcium-Cyanamid durch die Europäische Chemikalienagentur. Die heutige Hauptversammlung ist gewiss nicht der geeignete Ort für ein fachliches Streitgespräch unter Toxikologen. Aus diesem Grund konzentriere ich mich auf Dinge, die weniger strittig sind und die sich aus dem Internationalen Verhaltenskodex zum Pestizidmanagement ergeben, der gemeinsam von der Welternährungsorganisation und der Weltgesundheitsorganisation herausgegeben wurde und von Vereinigungen der Pestizidindustrie unterstützt wird, unter anderem von Croplife International, die 2023 extra einen Wegweiser zur Umsetzung dieses Code of Conduct veröffentlicht haben.

In Artikel 3.6. dieses Verhaltenskodexes steht, übersetzt: „Auf Pestizide, bei deren Handhabung und Anwendung die Benutzung unbequemer, teurer und nicht ohne weiteres erhältlicher individueller Schutzausrüstung erforderlich ist, sollte verzichtet werden, insbesondere im Hinblick auf Kleinverbraucher und Landarbeiter in heißen Klimazonen“. In Südafrika, wohin Alzchem Dormex in relevanten Mengen exportiert, trifft diese Situation verbreitet zu. Deshalb meine 1. Frage: Wie gehen Sie mit der sich daraus ableitenden Forderung um, Dormex dort nicht einzusetzen? Es macht ja keinen Sinn, Produkte dorthin zu exportieren, wo sie nicht eingesetzt werden sollten. Oder sind Sie mit dem von Croplife International mit getragenen Verhaltenskodex ebenfalls nicht einverstanden. Ähnlich wie mit der Entscheidung der EU Kommission?

Im Rahmen der Bewertung von Cyanamid als Biozid hat die Europäischen Chemikalienagentur 2021 verschiedene persönliche Schutzausrüstungen getestet, dabei ermittelt, dass sich einige als nicht wirksam erwiesen und zugleich empfohlen „Pro-Chem Typ3“ Schutzanzüge und „Camatril 732“ Schutzhandschuhe zu verwenden. In Ihren Ausführungen zur vorigen Hauptversammlung bezogen Sie sich auf eine umfangreiche Operation Safety Study, die nicht Teil des öffentlichen Dossiers war, jedoch die Eignung der Schutzausrüstung gezeigt habe. Meine 2. Frage lautet, ob Sie bereit wären, diese Studie zugänglich zu machen?

Im vorigen Jahr erwähnten Sie, dass Safety Kits, die ggf. Einweg-Schutzanzüge enthalten, in andere Länder geliefert würden, aber offenbar nicht nach Südafrika. Welche Schutzausrüstung am Ende genau in welches Land geliefert wird, hänge u.a. von den regulatorischen Umständen ab. Hier habe ich meine 3. Frage: Ist es nicht so, dass gerade in Ländern mit schwacher Regulation die Verantwortung der Unternehmen besonders hoch ist, und warum liefern Sie oder ihr Vertriebspartner keine Schutzanzüge nach Südafrika? Liegt es an den klimatischen Bedingungen und falls ja, wie gewähren Sie dann den Betroffenen den notwendigen Schutz?

Sie verweisen darauf, dass Sie Ihre Vertriebspartner zur Schulung der Anwender verpflichten und dass Sie Nachweise über die Teilnahme an den Schulungen erhalten, die bis zum Endanwender reichen. Meine 4. Frage lautet: Wie definieren Sie „Endanwender“ – sind es die Landwirte, die die Farmen bewirtschaften oder sind es tatsächlich die Landarbeiter, die Dormex ausbringen? Und in welchem Umfang erfolgen die Schulungen? Nur beispielhaft oder flächendeckend und sind es immer die Landarbeiter und Landarbeiterinnen oder nur gelegentlich?

Zu den menschenrechtlichen Risiken, die Bestandteil ihrer Nachhaltigkeitsanalysen sind, müsste auch die Bewertung der Gefahren für Betroffene gehören. Dazu zählt in Südafrika nicht nur die Gefahr der fristlosen Entlassung, sondern auch der Verlust der Wohnung, denn die Landarbeiterinnen jener Unternehmen, die Dormex anwenden, wohnen oftmals auf dem Landeigentum der Farmbesitzer. Uns erreichten zahlreiche Beschwerden aus Südafrika, während laut HV 2025 bei Ihnen nur eine einzige Beschwerde einging, weil ein Hund größere Mengen Dormex getrunken hatte und deshalb zu Schaden kam. Liegt das vielleicht daran, dass man, um eine Beschwerde einzureichen, ein Smartphone besitzen und die englische Sprache beherrschen muss. Bei vielen Betroffenen ist es jedoch so, dass sie kein Smartphone besitzen und/oder nur Afrikaans sprechen. Deshalb habe ich die dringende 5. Frage: Wie stellen Sie sicher, dass die Bewertungen von Ecovadis und das Feedback, das Sie auf den von Ihnen durchgeführten Schulungen erhalten, frei von Furcht vor Repressalien ist? Würden Sie zustimmen, dass die Klärung dieser Diskrepanz und die Findung von Problemlösungen zu diesem Punkt ein Schwerpunkt ihres künftigen Austauschs mit zivilgesellschaftlichen Organisationen sein sollte? Und schließlich: wäre Alzchem bereit, einen leicht zugänglichen Beschwerdemechanismus in der Sprache Afrikaans zu etablieren?

Zur HV 2025 stellten Sie die Frage, ob wir mit Anbietern aus China das Gespräch aufgenommen haben. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir als deutsche Zivilgesellschaft uns zunächst an deutsche Unternehmen wenden. Zugleich glauben wir, dass eine Kommunikation von Unternehmen zu Unternehmen möglich sein sollte. Deshalb habe ich – angesichts der Tatsache, dass AlzChem ein wichtiger, aber nicht der einzige Anbieter von Cyanamid-Produkten ist, und mit dem Anliegen die dramatisch schlechte Situation für die Betroffenen vor Ort möglichst bald, zumindest teilweise, zu verbessern noch folgende Fragen:

  • Ist AlzChem bereit, mit gutem Beispiel voran zu gehen und dabei andere Anbieter mitzunehmen, um auf transparente Weise die Verfügbarkeit geeigneter Schutzausrüstung und das Training der Anwender, schrittweise und flächendeckend zu verbessern?
  • Wäre AlzChem bereit, darauf hin zu arbeiten, zusammen mit anderen Anbietern einen gemeinsamen, öffentlich zugänglichen Plan zu erarbeiten, um dieses Ziel zu erreichen?
  • Wäre AlzChem bereit, in diese gemeinsame Erarbeitung eines Plans zur Verbesserung der realen Situation, Vertreter bzw. Vertreterinnen der engagierten Zivilgesellschaft mit einzubeziehen?

Die Aktionärinnen und Aktionäre fordere ich auf, Vorstand und Aufsichtsrat bis zur Klärung dieser Fragen nicht zu entlasten und für die Gegenanträge des Dachverbands der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre zu stimmen!

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

 

 




Alzchem: Länderübergreifender Protest fordert Exportstopp hochgefährlicher Pestizide

  • Protestaktionen in Südafrika und Deutschland
  • Organisationen werfen Alzchem Versäumnisse bei menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten vor
  • Veröffentlichung einer umfangreichen Abhandlung über den Wirkstoff Cyanamid

5. Mai 2026. Gemeinsame Pressemitteilung. Anlässlich der heutigen Hauptversammlung der Alzchem Group AG erneuern zivilgesellschaftliche Organisationen aus Südafrika und Deutschland ihre scharfe Kritik am fortgesetzten Export und der Vermarktung des Pestizids Dormex mit dem Wirkstoff Cyanamid. Die Organisationen Women on Farms Project, Umweltinstitut München, PAN Germany, INKOTA-Netzwerk und Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre fordern einen sofortigen Stopp des Exports hochgefährlicher Pestizide, die in der EU verboten sind.

Die Organisationen werfen Alzchem vor, bewusst doppelte Standards anzuwenden:  Cyanamid bzw. Dormex, die für die reguläre Verwendung in der EU als zu gefährlich gelten, werden gezielt in Länder mit schwächerem Arbeits- und Umweltschutz exportiert. Zudem kritisieren sie das Fehlen einer klaren Ausstiegsstrategie für hochgefährliche Pestizide sowie mangelnde Transparenz hinsichtlich der menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten des Unternehmens.

Cyanamid verlor seine Genehmigung in der EU im Jahr 2008 nach Vergiftungsfällen und dem Befund europäischer Behörden, dass der Stoff unvertretbare Gesundheitsrisiken mit sich bringt. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass selbst bei Verwendung persönlicher Schutzausrüstung die Expositionsgrenzwerte für Anwender*innen um ein Vielfaches überschritten werden und selbst Unbeteiligte in der Umgebung belastet werden. Die heute veröffentlichte Monographie dokumentiert diese Risiken auf Basis aktueller Forschung systematisch. Dennoch meldete Alzchem Group AG 2024 Exporte von gut 6.700 Tonnen Cyanamid in diverse Länder zur Verwendung als Pestizid.

Die Behauptung des Konzerns, Dormex könne bei „ordnungsgemäßer“ Anwendung sicher eingesetzt werden, weisen die Organisationen entschieden zurück. Berichte aus landwirtschaftlichen Regionen, insbesondere aus Südafrika, schildern unzureichende Schutzausrüstung, fehlende Informationen, mangelnde Schulungen und schwere gesundheitliche Folgen für Landarbeiter*innen.

Lilly*, eine Landarbeiterin aus Südafrika äußert besorgt: Wenn die Zeit des Sprühens näher rückt, bekomme ich ein mulmiges Gefühl. Ich weiß, dass wir bald damit beginnen werden, Dormex zu sprühen, und ich mache mir Sorgen um meine Gesundheit. Ich denke an mein Gesicht! Ich möchte Dormex nicht mehr sprühen und habe das dem Landwirt auch schon gesagt, aber er besteht darauf, dass ich die Arbeit erledigen muss, da ich dafür ausgebildet bin. Ich habe keine andere Wahl, denn wenn ich es nicht tue, wer wird dann für meine Kinder arbeiten? Wer wird Essen auf den Tisch bringen? Wo werden wir leben? Ich verstehe es einfach nicht … Wenn der Wirkstoff in Europa verboten ist, warum müssen wir ihn dann hier verwenden?”

Dr. Peter Clausing von PAN Germany erklärt: Solange Alzchem am Export von Dormex festhält, wird der Konzern seiner Verantwortung nicht gerecht. Die Beschäftigten auf den Farmen in Südafrika bewusst Gesundheitsrisiken auszusetzen, widerspricht dem Internationalen Verhaltenskodex für Pestizidmanagement – den die Industrie selbst unterstützt. Auch AlzChem sollte sich an diesen Kodex halten.”

Dr. Silke Bollmohr vom INKOTA-Netzwerk macht deutlich: Alzchem sind die Folgen vor Ort bekannt: Vergiftungen, unzureichende Schutzausrüstung, schwere gesundheitliche Schäden bei Landarbeiterinnen und Landarbeitern in Südafrika. Dass der Export dennoch fortgesetzt wird, ist eine bewusste wirtschaftliche Entscheidung auf Kosten der Menschen. Die Bundesregierung muss den Export von in der EU verbotenen Pestiziden endlich unterbinden.”

Ludwig Essig vom Umweltinstitut München, der seine Rede direkt von der Zentrale der Alzchem Group AG in die Hauptversammlung streamt, meint: „Was in Europa als zu gefährlich gilt, darf nicht anderswo zum Geschäftsmodell werden. Der Export von Cyanamid ist ethisch und ökonomisch nicht zukunftsfähig. Die Alzchem Group AG muss jetzt den Ausstieg einleiten und konsequent auf sichere, nachhaltige Alternativen setzen.“

Die Organisationen werden diese Kritikpunkte erneut auf der Hauptversammlung von Alzchem Group AG vorbringen und die Aktionär*innen auffordern, das Unternehmen zur Einhaltung internationaler Menschenrechtsstandards zu verpflichten.

* Name zum Schutz der Identität geändert.

Links / Weiterführende Informationen:

Pressekontakte:

Peter Clausing, PAN Germany
peter.clausing@pan-germany.org | +49 176 4379 5932

Silke Bollmohr, INKOTA-Netzwerk, Deutschland
bollmohr@inkota.de | +49 174 5620 107

Tilman Massa, Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre
dachverband@kritischeaktionaere.de | +49 173 713 52 37




Lesetipp: Konzernatlas 2026.

Wenige Konzerne bestimmen den Markt und die Preise – für Saatgut, Düngemittel, Pestizide und Landmaschinen bis zum Lebensmitteleinzelhandel. Sie beeinflussen, was angebaut und im Supermarkt angeboten wird und was letztlich auf unserem Teller landet. Auf 19 Doppelseiten zeigt der neue Konzernatlas 2026, wie sehr unser Ernährungssystem von wenigen Konzernen dominiert wird und welche politischen Weichen gestellt werden können und müssen, um die Konzernmacht im Ernährungssystem zu beschränken und Ernährungsdemokratie aufleben zu lassen.

Herausgegeben wird der Atlas von der Heinrich-Böll-Stiftung, dem BUND und dem Dachverband Kritische Aktionärinnen und Aktionäre.

Sicher ist: Die steigende Marktkonzentration im Agrar- und Ernährungssektor hat negative Folgen für uns als Gesellschaft und unsere Umwelt. Denn je mächtiger die Unternehmen sind, desto effektiver können sie Politik beeinflussen, Regulierung verhindern und Preise setzen.

Ein Kapitel des Atlas widmet sich dem Thema Pestizidhandel und hier speziell der Handelspraxis deutscher Konzerne, die in der EU nicht zugelassene Pestizide exportieren. Für Bayer, BASF, Alzchem & Co ist das ein lukratives Geschäft – für viele Menschen in den Empfängerländer im Globalen Süden hat es schwerwiegende Folgen.

Der Konzernatlas 2026 – Daten und Fakten über die Agrar- und Lebensmittelindustrie steht hier zum Download bereit.

Am Montag, den 12. Januar ab 18 Uhr findet das offizielle Launch Event (onlineund vor Ort) statt. Hier anmelden.




Neues Poster: „Pestizid-Export – Wer profitiert, wer leidet, wer entscheidet?“

Mit dem neuen Poster „Pestizid-Export – Wer profitiert, wer leidet, wer entscheidet?“ veröffentlicht PAN Germany ein leicht zugängliches Bildungsmaterial, das die globalen Handelswege von Pestiziden sichtbar macht – und dabei besonders den Export von in der EU verbotenen Wirkstoffen in Länder des globalen Südens in den Fokus rückt.

Ein komplexes Thema visuell verständlich aufbereitet

Das Poster veranschaulicht die weltweiten Produktions-, Export- und Anwendungsströme von Pestiziden anhand einer übersichtlichen Weltkarte. Ergänzt wird die grafische Darstellung durch prägnante Faktenboxen zu:

  • den Gefahren von Pestiziden für Mensch und Umwelt,
  • dem Engagement gegen Doppelstandards im internationalen Pestizid-Handel,
  • sowie zu Alternativen zum Pestizid-Einsatz, etwa durch agrarökologische Ansätze.

Zitate von betroffenen Landarbeiter*innen geben dem Thema eine persönliche Perspektive und machen deutlich, wer die gesundheitlichen und sozialen Folgen dieser Handelspraktiken trägt. Über QR-Codes auf dem Poster gelangen Interessierte direkt zu weiterführenden Materialien und Hintergrundinformationen.

Für Bildung, Zivilgesellschaft und Politik

Das Poster richtet sich an Bildungseinrichtungen, Bildungsreferent*innen, zivilgesellschaftliche Organisationen sowie an die interessierte Öffentlichkeit. Es eignet sich besonders als niedrigschwelliger Einstieg in die Debatte um globale Verantwortung, Handelsgerechtigkeit und nachhaltige Landwirtschafts- und Ernährungssysteme. Das Material steht in Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch zur Verfügung und ist damit auch international einsetzbar.

Kostenloser Download & Printversion

Das Poster kann auf der Website von PAN Germany kostenfrei heruntergeladen werden. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, eine Printversion zu bestellen – ideal für den Einsatz im Unterricht, in Workshops, bei Veranstaltungen oder in Ausstellungen.

Warum Bildungsmaterialien so wichtig sind

Bildungsmaterialien spielen sowohl im schulischen als auch im außerschulischen Kontext eine zentrale Rolle. Sie helfen dabei, komplexe Themen verständlich zu vermitteln und fördern die kritische Auseinandersetzung mit globalen Herausforderungen wie sozialer Gerechtigkeit, Umwelt- und Gesundheitsschutz. Gut aufbereitete Materialien wecken Neugier, vertiefen Wissen und sensibilisieren für zentrale Fragen unserer Zeit – etwa rund um Landwirtschaft, Ernährung und globale Lieferketten.

Mit dem Poster „Pestizid-Export – Wer profitiert, wer leidet, wer entscheidet?“ leistet PAN Germany einen wichtigen Beitrag, um diese Zusammenhänge sichtbar zu machen und die Diskussion über gerechtere und nachhaltigere Alternativen anzustoßen.




No Pestizide Use Day

Auch an diesem 3. Dezember gedenken wir der Tragödie von Bhopal in Indien vor 41 Jahren, wo in der Nacht auf den 3. Dezember 1984 ein Tank in der Pestizidfabrik von Union Carbide explodierte. Etwa 10.000 Menschen kamen unmittelbar bei der Chemiekatastrophe ums Leben, rund 150.000 starben in den folgenden 20 Jahren. Wasser, Luft und Nahrungsmittel wurden für Jahrzehnte verseucht.[1]

Zur Erinnerung und Mahnung wurde der 3. Dezember im Jahr 1998 von PAN International zum „No Pesticide Use Day“ – dem Internationalen Tag ohne Pestizide – erklärt.

PAN hält nicht nur das Andenken an die Katastrophe aufrecht, sondern schafft Bewusstsein für die bis heute bestehenden Risiken bei der Herstellung, Anwendung und Entsorgung von chemisch-synthetischen Pestiziden weltweit. PAN Organisationen auf der ganzen Welt haben es sich zur Aufgabe gemacht, über die Pestizid-Gefahren und Risiken zu informieren und praxistaugliche, umwelt- und sozialverträgliche Alternativen in den Bereichen Pflanzenschutz und Schädlingsmanagement zu fördern und sich zusammen für eine gesunde Welt für alle einzusetzen.

Dazu zählt auch unser Engagement:

  • für ein Ende hochgefährlicher Pestizide,
  • für nicht-chemischen Pflanzenschutz, ökologische Landwirtshaft und Agrarökologie,
  • für das selbstbestimmte Wirtschaften landwirtschaftlicher Betriebe,
  • für die Wahrung von Arbeitsrechten und dem Schutz von Beschäftigten in der Landwirtschaft,
  • für eine Begrenzung des Einflusses multinationaler Pestizidkonzerne auf Gesetzgebungen und UN-Foren,
  • für ein solidarisches Miteinander von Nord- und Süd und der Abschaffung menschenrechtswidriger Doppelstandards im Pestizidhandel.

Erst gestern haben PAN Germany und PAN Europe mit der „End Toxic Trade Coalition“ ein starkes Zeihen gegen Doppelstandards im Pestizidhandel gesetzt und die EU Kommission an ihr Versprechen erinnert, endlich ein Gesetz zu verabschieden, dass den Export von in der EU verbotenen Pestiziden in die Welt unterbindet.[2]

PAN Germany erklärt sich solidarisch mit den Forderungen unserer Partner von RAP-AL in Lateinamerika, die am heutigen Tag das sofortige Verbot von hochgefährlichen Pestiziden (HHPs) fordern und klarstellen: Der Ersatz von HHPS darf nicht durch neue Chemikalien geschehen, sondern muss durch (agrar)ökologische Strategien und Praktiken erfolgen.[3]

[1] https://www.amnesty.ch/de/laender/asien-pazifik/indien/dok/2024/40-jahre-nach-dem-chemieunglueck-in-bhopal-warten-opfer-immer-noch-auf-gerechtigkeit

[2] https://pan-germany.org/pestizide/zurueck-an-den-absender/

[3] https://rap-al.org/3-de-diciembre-dia-internacional-del-no-uso-de-plaguicidas-5/




Zurück an den Absender

Menschen aus aller Welt schicken verbotene EU-Pestizide zurück nach Brüssel

Brüssel/Hamburg 02.12.2025. Pressemitteilung. Zivilgesellschaftliche Gruppen aus aller Welt haben sich heute zusammengeschlossen, um die schädliche Doppelmoral der Europäischen Union anzuprangern. In einer symbolischen Aktion vor der Europäischen Kommission in Brüssel haben Aktivist*innen 75 Kartons zurückgegeben – einen für jeden in der EU verbotenen Pestizidwirkstoff, der aber weiterhin in großem Umfang ins Ausland exportiert wird.

Die Aktion folgt auf die Analyse der neusten Exportdaten der EU: Die neue Studie von Public Eye belegt, dass die EU allein im Jahr 2024 fast 122.000 Tonnen Pestizide mit insgesamt 75 gefährlichen Substanzen exportiert hat, die aufgrund ihrer schwerwiegenden Gesundheits- und Umweltrisiken für die Verwendung in der EU als zu giftig erachtet wurden und darum in der EU und ihren Mitgliedsstaaten nicht verwendet werden dürfen. [1]

Die Aktion wurde von der „End Toxic Pesticide Trade Coalition“ organisiert, die über 600 Organisationen vertritt, die ein Ende dieses giftigen Handels fordern. [2]

„Wenn diese Pestizide für die europäische Bevölkerung zu gefährlich sind, sind sie für alle zu gefährlich“, sagt Angeliki Lysimachou, Sprecherin der End Toxic Pesticide Trade Coalition. „Die EU kann nicht weiterhin davon profitieren, dass sie Gemeinden und Ökosysteme anderswo vergiftet.“

In den Tagen vor der Aktion filmten sich Organisationen aus 13 Ländern und fünf Kontinenten dabei, wie sie Behälter dieser in der EU verbotenen Pestizide in Kartons verpacken und sie an die Europäische Kommission adressieren – als globaler Akt des Widerstands gegen die schädlichen Exportpraktiken Europas. [3]

Jeder der vor der EU-Kommission aufgebauten 75 Kartons trägt den Namen eines verbotenen, aber immer noch exportierten Pestizids. Alle Kartons sind an Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission, adressiert und mit „Zurück an den Absender“ gekennzeichnet.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen versprach 2020, den Export verbotener Pestizide zu beenden. Noch immer wurde es nicht eingelöst.

Die „End Toxic Pesticide Trade Coalition“ [4] hat bereits mehrere Aktionen durchgeführt, um ein dringendes Ende dieser Exporte zu fordern. Dazu gehört auch die Ende Juni in Brüssel veröffentlichte gemeinsame Erklärung, die von mehr als 600 Organisationen weltweit unterzeichnet wurde und in der ein sofortiges Ende dieser unethischen Doppelmoral gefordert wird.

Hier finden Sie Fotos von der Aktion.

[1] Studie von Public Eye und Unearthed (2025): Massive Zunahme der Exporte aus der EU

[2] Gemeinsame Erklärung und Forderung zur Beendigung der Herstellung, Exports und Imports von verbotenen Pestiziden

[3] Video: Menschen aus aller Welt schicken die verbotenen Substanzen zurück an die EU-Kommission

[4] End Toxic Pesticide Trade Coalition (alphabetisch sortiert): ActionAid France, Broederlijk Delen, Corporate Europe Observatory (CEO), Child Rights International Network (CRIN), Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar (DKA Austria), Ekō, European Environmental Bureau (EEB), Fondation pour la Nature et l’Homme (FNH), Foodwatch, Friends of the Earth Europe, Greenpeace EU, Humundi, Le CCFD-Terre Solidaire, Pesticide Action Network Europe (PAN Europe), Pestizid Aktions-Netzwerk e.V. (PAN Germany), Public Eye, Slow Food, Veblen Institute for Economic Reforms.

Pressekontakte:




Lesetipp: Designed to Kill: Who Profits From Paraquat?

Wer profitiert vom Handel mit Paraquat und wer leidet darunter? Was bedeuten Produktion, Handel und Anwendung von Paraquat für Umwelt, Gesundheit und Klima entlang der gesamten internationalen Wertschöpfungskette? Diese Fragen bilden den roten Faden hinter dem neuen Report Desingned to Kill von PAN Nordamerika, Coming Clean und der Alianza Nacional de Campesinas, der passend zum Klimagipfel COP30 veröffentlicht wurde. Der Report liefert einen spannenden Blick von der anderen Seite des Atlantiks auf die Themen Doppelstandards im Pestizidhandel, Export von national verbotenen Pestiziden und Klimarelevanz von chemisch-synthetischen Pestiziden.

Der Bericht schaut auf die USA und analysiert ein einziges Pestizid – Paraquat – und ein einziges chinesisches Unternehmen – die SinoChem Holdings Ltd – und liefert dabei allgemeine Informationen über Pestizide und die Agrarchemieindustrie insgesamt. Neben der Analyse von Handelsströmen werden Berichte von Beschäftigten dokumentiert, deren Gesundheit durch Paraquat Schaden genommen hat.

Paraquat ist so giftig, dass bereits die Einnahme eines einzigen Teelöffels tödlich sein kann. Ein Gegengift gibt es nicht. Der Wirkstoff hat ätzende Wirkung auf die Haut und schädigt die Lunge beim Einatmen. Langfristige Exposition gegenüber Paraquat wird mit schweren Erkrankungen wie Schilddrüsenerkrankungen, Krebs, Nierenfunktionsstörungen, Leukämie im Kindesalter und Parkinson in Verbindung gebracht.

Paraquat ist aufgrund seiner Toxizität in über 70 Ländern verboten – in der EU seit 2007. Dennoch gehört er zu den am häufigsten verwendeten Pestiziden in den USA. Praktisch alle Paraquat-Importe der USA stammen aus Ländern, die dessen Verwendung innerhalb ihrer eigenen Grenzen verboten haben, darunter auch China und das Vereinigte Königreich.

Neben den toxikologischen Wirkungen fokussiet der Bericht auf die Klima-Relevanz der Produktions- und Handelswege und Praktiken. Es wird deutlich, dass jede Stufe der Paraquat-Lieferkette, die sich über den gesamten Globus erstreckt, Treibhausgase und giftige Luftschadstoffe emittiert.

Den Report lessen: Designed to Kill: Who Profits from Paraquat?




Toxischer Rekord: Deutschland größter EU-Exporteur von verbotenen Pestiziden

Hamburg, 23.09.2025. Pressemitteilung.

Die heute veröffentlichte Auswertung der offiziellen Pestizid-Exportdaten durch Public Eye und Unearthed zeigt: Trotz massiver Kritik von Menschenrechtsexpert*innen, zurückliegenden politischen Versprechen rechtlich dagegen zu handeln und weltweiten Protesten, haben in der EU ansässige Unternehmen ihre Exporte verbotener Pestizide in den vergangenen Jahren weiter gesteigert. Die meisten dieser EU-Exporte kamen aus Deutschland. 

Die ausgewerteten Daten der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) belegen: Im Jahr 2024 wurden fast 122.000 Tonnen in der EU verbotener Pestizide für den Export in Drittstaaten notifiziert – mehr als das doppelte verglichen mit 2018. In Deutschland ansässige Pestizidkonzerne, darunter Bayer, BASF und Alzchem exportierten zusammen mehr als 50.000 Tonnen verbotener Mittel. Dreiviertel der Zielländer der EU Exporte sind Länder mit mittlerem oder niedrigem Einkommen, darunter Brasilien, Mexiko, Chile und Südafrika.

„Wir kritisieren vehement dieses doppelmoralische Handeln auf Kosten der Gesundheit Millionen von Menschen in den Empfängerländern. Die Zeit vorgeschobener Argumente muss endlich vorbei sein. Wir erwarten, dass Deutschland diese Ausfuhren endlich rechtlich unterbindet und stattdessen in umweltgerechte, menschenfreundliche und zukunftsfähige Lösungen in den Bereichen Pflanzenschutz und Schädlingsmanagement investiert.“ sagt Susan Haffmans, zuständig für die internationale Zusammenarbeit bei PAN Germany.

„Wann hören deutsche Unternehmen endlich auf, mit krebserregenden, fruchtbarkeitsschädigenden oder Entwicklungsschäden verursachenden Pestiziden Geschäfte zu machen?“ fragt Dr. Peter Clausing, Toxikologe bei PAN Germany und fügt hinzu: „Unter den fünf am meisten exportierten Pestiziden ist das reproduktionstoxische Fungizid Epoxiconazol. Für den seit 2020 nicht mehr genehmigten BASF-Wirkstoff brachte das Unternehmen ein angeblich „nachhaltigeres“ Nachfolgeprodukt auf den Markt – Mefentrifluconazol. Der Wirkstoff ist zwar im Gegensatz zu seinem Vorgänger nicht als reproduktionstoxisch eingestuft, doch ist es ein PFAS-Pestizid, dessen Abbauprodukt TFA zunehmend Gewässer und Trinkwasser belastet und für das in der EU die Prüfung auf Einstufung als ebenfalls reproduktionstoxisch läuft. Das Beispiel zeigt: die Unternehmen exportieren ungeachtet der gesundheitlich bekannten Folgen für die Menschen vor Ort und die vermeintlich besseren Nachfolgeprodukte können sich als „regrettable Substitutions“ herausstellen.“

PAN Germany engagiert sich seit Jahren für ein Ende der Doppelstandards im Pestizidhandel. So sprach PAN Germany zusammen mit Betroffenen von Women on Farms Project aus Südafrika und weiteren Partnerorganisationen auf der Hauptversammlung der Alzchem AG. Der Konzern aus Bayern exportiert in großen Mengen das verbotene Cyanamid-haltige Pestizid Dormex.

(1) Public Eye und Unearthed: Report: Verbotene Pestizide. Massive Zunahme der Exporte aus der EU.

Kontakt:

Hintergründe:




Veranstaltungstipp: Peru: Das Gift liegt mit auf dem Teller | Pestizidexporte aus der EU

Datum/Zeit:
18. September 2025
19:00-21:00 Uhr

Veranstaltungsort:
online

Veranstalter: Informationsstelle Peru e.V., Pestizid Aktions-Netzwerk e.V.

Anmeldung: Hier

Deutschland und Europa exportieren riesige Mengen von Pestiziden in die Länder des Globalen Südens, auch nach Peru. Dort landen sie zunächst auf den Felder, vor allem in den großen Monokulturen, und dann in den Lebensmitteln der Supermärkte und schließlich auf dem Teller der Menschen.

Darunter sind auch tausende Tonnen Pestizide, die wegen ihrer besonderen Gefährlichkeit in der EU verboten sind.

Dagegen regt sich in Peru Widerstand: Zivilgesellschaftliche Initiativen organisieren Aktionen zur Lebensmittelüberwachung und fordern strengere Kontrollen durch den Staat.

Luis Gomero Osorio, Agraringenieur und Präsident des peruanischen Netzwerks für Agroökologie CAP und Geschäftsführer des peruanischen Aktionsnetzwerks Alternative Landwirtschaft (RAAA), referiert über das Problem mit den Pestiziden in Peru und die Aktionen der Zivilgesellschaft.




Vortrag und Diskussion: Pestizide im Wasser

Datum / Zeit:
27. August 2025 / 17:00-18:30 Uhr

Veranstaltungsort:
im Übersee-Museum, Bahnhofsplatz 13, 28195 Bremen

Täglich gelangen hochgefährliche Pestizide in unsere Umwelt: Sie vergiften Menschen, zerstören Ökosysteme und verletzten grundlegende Menschenrechte. Obwohl viele dieser Chemikalien in der EU verboten sind, werden sie weiterhin in Länder des Globalen Südens exportiert – mit gravierenden Folgen für Mensch und Natur. Die EU hatte verspochen, diesen toxischen Handel zu stoppen – doch passiert ist bislang wenig.

Wie hängen diese Entwicklungen zusammen? Welche Auswirkungen haben Pestizide global – und welche Spuren hinterlassen sie bei uns vor Ort?

Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der Veranstaltung vom Bremer Informationszentrum für Menschenrechte und Entwicklung (biz) und Ingenieure ohne Grenzen – Regionalgruppe Bremen im Rahmen der Wasserwochen Bremen 2025.

Den globalen Blick eröffnet PAN Germany mit einem Input zu den internationalen Zusammenhängen des Pestizideinsatzes und den Folgen für Mensch und Umwelt. Einen lokalen Fokus richtet HanseWasser auf Messergebnisse und stellt zukünftige Maßnahmen im Abwasserbereich vor.

Im Anschluss an die Inputs diskutieren die Referent:innen im moderierten Podium mit dem Publikum, wie sich globale und lokale Perspektiven verbinden lassen – und welche Handlungsmöglichkeiten es gibt.