Große Umfrage: Menschen in Europa lehnen EU-Pestizid-Omnibus ab

Hamburg/Brüssel 05. November 2026. Pressemitteilung. Eine neue YouGov-Umfrage in sieben EU-Ländern zeigt: EU-Bürger*innen lehnen zentrale Vorschläge der EU-Kommission zur Änderung des Pestizidrechts ab. Konkret geht es um den Vorschlag im sogenannten Food and Feed Safety Simplification Omnibus (kurz Omnibus X), Pestizide künftig unbefristet zu genehmigen und die bestehenden regelmäßigen Sicherheitsüberprüfungen abzuschaffen. Eine Lockerung der Vorschriften für Pestizide oder eine weitere Ausweitung ihres Einsatzes wird über alle politischen Lager hinweg mit überwältigender Mehrheit abgelehnt.

Die Zustimmung, zu der von der EU vorangetriebenen unbegrenzten Pestizidgenehmigung, liegt in keiner Wählergruppe der Europäischen Parlamentsfraktionen über 10 %: Bei Wähler*innen der EVP (Europäische Volkspartei), zu der die CDU, CSU und ÖDP gehören, sind es nur 5 %, bei denen der EKR (Europäische Konservative und Reformer) 7 %. Nur 1 bis 3 % der Befragten befürworten eine Ausweitung des Pestizideinsatzes. Zudem sprechen sich die Befragten mehrheitlich dafür aus, dass Pestizidhersteller für pestizidbedingte Schäden aufkommen sollen.

Die Umfrage wurde in Deutschland, Frankreich, Irland, Italien, Polen, Rumänien und Spanien durchgeführt. Die Befragten in diesen sieben Ländern sprechen sich für einen schrittweisen Ausstieg aus dem Einsatz von Pestiziden und strengere Zulassungsvorschriften aus: 50-72 % der Befragten fordern häufigere Risikoüberprüfungen von Pestizidgenehmigungen als bisher, während 68-80 % sich für einen vollständigen Ausstieg aus der Verwendung von Pestiziden aussprechen. Die menschliche Gesundheit wird von 68-76 % der Befragten – über alle Länder und politischen Fraktionen hinweg – als oberste Priorität bei Entscheidungen über die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln angesehen, gefolgt von Gewässerschutz und biologischer Vielfalt.

Befragte in Deutschland sprachen sich zu 71 % dafür aus, dass Pestizide vollständig abgeschafft werden sollten. 72 % der Befragten in Deutschland wollen die jetzige Befristung der Genehmigung von Pestizidwirkstoffen auf 15 Jahre beibehalten oder sogar verkürzen. Auch bei den Prioritäten für die Genehmigung sind sich die Deutschen einig: Gesundheits-, Wasser- und Biodiversitätsschutz stehen ganz vorne

„Die Mehrheit der Befragten in Deutschland wollen keine unbegrenzten Pestizidgenehmigungen wie sie die EU mit Ihrem Omnibus X durchsetzen will. Sie wollen mehr Sicherheit, nicht weniger und fordern mehrheitlich, die Frequenz der regelmäßige Risikoüberprüfung zu erhöhen. Wir appellieren an alle politischen Kräfte, auf die Menschen zu hören, und den Omnibus X zu stoppen“ sagt Susan Haffmans, Referentin bei PAN Germany.

„Die Bürger*innen wollen einen vollständigen Pestizidausstieg. Sie fordern, dass öffentliche und ökologische Gesundheit Vorrang haben – und die Industrie für die von Pestiziden verursachten Schäden aufkommt. Wir appellieren an alle Abgeordneten, sich auf die Seite ihrer Wählerschaft zu stellen und den Omnibus-Entwurf abzulehnen“ folgert Dr. Angeliki Lysimachou, Head of Science and Policy bei PAN Europe.

Hintergrund Pestizid-Omnibus

Der im Dezember 2025 vorgelegte Omnibus-Entwurf der Kommission würde unbegrenzte Genehmigungen zum Standard für Pestizid-Wirkstoffe machen und die regelmäßigen Risikoüberprüfungen abschaffen, die seit dem Inkrafttreten der EU-Pestizid-Regelungen 2011 erfolgreich 54 als schädlich identifizierten Wirkstoffen die Genehmigung verwehren konnte. Durch die Omnibus X-Pläne der EU würde es wesentlich einfacher, dass hormonschädliche Wirkstoffe (endokrine Disruptoren) und Grundwasserschadstoffe im Rahmen von „Ausnahmeregelungen“ weiterhin zugelassen blieben, und verbotene Pestizide – darunter einige krebserregende Stoffe – könnten bis zu drei weitere Jahre auf dem Markt verbleiben. Die Vorschläge haben massive Bedenken hinsichtlich gesundheitlicher und ökologischer Risiken ausgelöst, darunter von Wissenschaftler*innen verschiedener Disziplinen und UN-Menschenrechtsexpert*innen.[1]

Eine Recherche konnte zudem den erheblichen Einfluss der Pestizid-Lobby auf den Omnibus aufdecken. Der Omnibus-Entwurf spiegelt nicht die Meinung der europäischen Wähler*innen wider, sondern orientiert sich an der Pestizidindustrie und stellt private Profite über die Gesundheit und den Willen der Bürger*innen. [2]

Bereits im Januar kritisierte ein Rechtsgutachten den EU-Gesetzentwurf als in Teilen rechtswidrig [3]

Hintergrund – Umfrage

Die Umfrage wurde von YouGov in sieben europäischen Ländern online unter Anwendung einer bewährten Erhebungsmethodik durchgeführt. In jedem Land richtete sich die Umfrage an 1.000 Befragte ab 18 Jahren, wobei die Stichproben so zusammengestellt wurden, dass sie landesweit repräsentativ für die erwachsene Bevölkerung sind. Die politische Zugehörigkeit der Befragten wurde anhand ihres angegebenen Wahlverhaltens bei den letzten nationalen Parlamentswahlen ermittelt. Die Ergebnisse wurden von den beteiligten Organisationen nach Zugehörigkeit der gewählten Parteien zu den Fraktionen des Europäischen Parlaments gruppiert und analysiert. Die im Text genannten Zahlen basieren auf dieser Auswertung.

Die Befragung wurde im Auftrag von PAN Europe durchgeführt in Kooperation mit seinen Mitgliedern und Partnerorganisationen der beteiligten Länder: Ecologistas en Acción (Spanien), Eco Ruralis (Rumänien), Générations Futures (Frankreich), Greenpeace Poland (Polen), the Irish Environmental Network (Irland), PAN Germany and Umweltinstitut München (Deutschland), WWF Italy and Greenpeace Italy (Italien).

Umfrage-Report: „ONE ISSUE NO DIVIDE – EU citizens across the political spectrum want stricter pesticide regulation“

 

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Weitere Hintergründe:

[1] Stopp den „Omnibus X“ – Gefahr für Gesundheit, Umwelt und Bauern!

[2] Food & Feed Omnibus, written by the pesticide lobby?

[3] Rechtsgutachten kritisiert EU-Gesetzentwurf: Abschaffung von Pestizid-Schutzstandards ist rechtswidrig