Gemeinsam für einen besseren Schutz vor Pestiziden in Europa

Heute erfolgt in Brüssel der offizielle Start der europaweiten Initiative „Citizens for Science in Pesticide Regulation“ (Bürger für Wissenschaftlichkeit bei der Pestizidregulierung), die von über 100 Organisationen und 25 Wissenschaftlern unterstützt wird. Der Start der Initiative erfolgt zu einem kritischen Zeitpunkt, denn im Rahmen des sogenannten REFIT-Programms überprüft die Europäische Kommission derzeit die geltende Pestizidgesetzgebung (Verordnung 1107/2009).

Dies nahm das „Citizens for Science“-Bündnis zum Anlass, in einem Manifest die Schwächen der derzeitigen Gesetzgebung zu analysieren und Vorschläge zu seiner Verbesserung zu präsentieren. In dem Manifest werden neben der Berücksichtigung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse  in der Pestizidgesetzgebung vor allem volle Transparenz und die strikte Vermeidung von Interessenkonflikten bei deren Anwendung gefordert.

Es ist höchste Zeit, die Geheimniskrämerei bei der Pestizidgenehmigung zu beenden und die Schlupflöcher zu schließen, durch deren Existenz nach wie vor hochgefährlicher Pestizide in der EU vermarktet werden. Der Einsatz von Pestiziden darf nur das allerletzte Mittel sein, wenn alle nichtchemischen Alternativen erprobt wurden und versagt haben.

Mehr Informationen dazu auf der Citizens for Science in Pesticide Regulation Website

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Manifest der CITIZENS FOR SCIENCE IN PESTICIDE REGULATION

Datum: 31. Oktober 2018 1.46 MB

Die Europäische Union hat eine der besten Pestizidverordnungen der Welt – auf dem Papier. Aber in...

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Manifesto of the CITIZENS FOR SCIENCE IN PESTICIDE REGULATION

Datum: 31. Oktober 2018 1.50 MB

The European Union has one of the best regulations for pesticides in the world – in theory. But it...

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Europeans join forces calling for a higher level of protection from pesticides

Datum: 31. Oktober 2018 977.80 KB

Coalition CITIZENS FOR SCIENCE IN PESTICIDE REGULATION, press release. 31.10.2018. European regulators...




Deutscher Naturschutztag fordert umfassenden Schutz mariner Lebensräume – auch vor Pestizid-Belastungen

Um unsere Meere und Küsten ist es schlecht bestellt: Klimawandel, Versauerung, nicht nachhaltige Fischereipraktiken und Aquakulturen, militärischer Nutzung, Verlärmung, Vermüllung, Belastung durch Nähr-und Schadstoffe aus der Landwirtschaft und weitere Faktoren tragen zum schlechten Zustand der Meere bei.

Die 1300 TeilnehmerInnen des 35. Deutsche Naturschutztages befasste sich vom 25.9. bis 29.-09.18 intensiv mit den drängenden Problemen des Meeresschutzes und fassten ihre Forderungen an Politim und Zivilgesellschaft abschließend in der Kieler Erklärung „Klarer Kurs für Meere und Küsten“ zusammen.

Im Fokus der Erklärung steht der nachhaltige Schutz der marinen Lebensräume und Lebensgemeinschaften. Die TeilnehmerInnen fordern in der Kieler Erklärung, u.a. die Einträge von Nähr- und Schadstoffen erheblich zu reduzieren. Dabei wird auch die Belastung mit Pestiziden thematisiert. Hierzu heißt es in der Erklärung: „Vor allem die intensive Landwirtschaft trägt über diffuse Einträge von Nährstoffen und Pestiziden neben Abwässern aus der Schifffahrt, Klärschlämme sowie diffuse Einträge über die Luft (…) maßgeblich zur Belastung bei.“

Daher fordern die TeilnehmerInnen des 34. DNT:
• Die Konsequente Ausrichtung der Agrarpolitik an nachhaltigem Ressourcen- und Gewässerschutz.
• Die Einführung einer Stickstoffüberschuss- und Pestizidabgabe; Aufhebung der Freistellung der Landwirtschaft beim Abwasserabgabengesetz.
• Ein Gesetzliches Verbot bzw. eine drastische Reduktion des Ackerbaus, der Düngung und des Pestizideinsatzes in den Überschwemmungsgebieten an Fließgewässern.

Die Teilnehmer heben hervor: Der umfassende Schutz der Meere betrifft die Weltgemeinschaft ebenso wie jeden Staat und letztlich auch jeden einzelnen Menschen. Alle müssen handeln. Ein Nichthandeln gefährdet unser aller Zukunft und die der Meeresnatur in unverantwortlicher Weise. Daher fordern die Teilnehmenden des 34. Deutschen Naturschutztags die Landesregierungen, die Bundesregierung, die Europäische Union sowie die Staatengemeinschaft auf, umgehend die in der Erklärung genannten Schritte anzugehen und die notwendigen Lösungen umzusetzen. Nichtregierungsorganisationen sind aufgefordert, diesen Prozess aktiv zu begleiten, konsequent zu unterstützen und die notwendige Umsetzung kontinuierlich einzufordern.




Krank durch Pestizide – was tun?

PAN Germany Informationsblatt zum Thema Pestizide & Berufskrankheiten.

Was können Landwirte und andere Beschäftigte in Deutschland tun, wenn sie durch das Arbeiten mit Pestiziden erkrankt sind, um die Anerkennung einer Berufskrankheit zu erhalten? Wo erhalten sie Informationen? An welchen Fällen können sie sich orientieren?

Hierzu hat PAN Germany ein Informations-Blatt zusammengestellt, das Betroffenen, Ärzt*innen und Familienangehörigen  einen Überblick gibt und auf weiterführende Informationenverweist.

 

 

 

 

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PAN-Infoblatt Pestizide & Berufskrankheiten

Datum: 23. August 2018 310.08 KB

Krank durch Pestizide – was tun?   PAN Germany Informationsblatt zum Thema Pestizide & Berufskrankheiten. Das...

 

 




Giftige Mischung – Pestizid-Rückstände in knapp 50 Prozent der Lebensmittel nachgewiesen

Die zuständige Lebensmittelbehörde der EU (EFSA) hat in ihrem jüngsten Rückstands-Monitoring-Bericht die Ergebnisse der Lebensmitteluntersuchungen auf Pestizid-Rückstände aus dem Jahr 2016 veröffentlicht. Auf den ersten Blick sieht es gut aus: 96,2 Prozent der untersuchten Proben pflanzlicher und tierischer Produkte halten die zulässigen Rückstandshöchstgehalte für Pestizide ein. Basierend auf den Ergebnissen schätzt die Lebensmittelbehörde die Wahrscheinlichkeit negativer gesundheitlicher Folgen durch Pestizidrückstände in Lebensmitteln als gering ein.
Aber kann wirklich Entwarnung gegeben werden? Immerhin zeigen die Ergebnisse auch, dass in knapp der Hälfte der untersuchten Lebensmittel Pestizid-Rückstände nachgewiesen wurden. Zudem stieg der Anteil von Ost und Gemüse mit Mehrfachbelastungen auf einen neuen Rekordwert von 30,1 Prozent. Das bedeutet: Rund eins von 3 Obst- oder Gemüseprodukten, das in Europa verkauft wird, ist durch mehr als ein Pestizid verunreinigt. Die kombinierten toxischen Wirkungen dieser Pestizide werden von den europäischen Behörden bisher nicht bewertet. Immer mehr wissenschaftliche Studien zeigen, dass Pestizide synergistische oder additive Effekte haben können, wenn sie kombiniert werden, wodurch die Toxizität jedes einzelnen Pestizids allein erhöht wird. Eine neue wissenschaftliche Studie zu diesem Thema wurde gerade veröffentlicht. Sie konnte aufzeigen, dass trächtige Ratten, die eine Mischung von Pestiziden in Dosierungen erhalten, die einzeln nicht schädlich sind, riskieren, Nachkommen mit geringerem Geburtsgewicht zur Welt zu bringen, wenn die Pestizide in Kombination vorkommen (DTU Food, 2018. Mixture of pesticides causes lower birth weight in rats). Dies verdeutlicht: Alleine der Blick auf die Einhaltung einzelner Rückstandshöchstgehalte wird der tatsächlichen Belastungssituation und den Risiken, die von Mehrfachrückständen ausgehen, nicht gerecht.

Die höchste Anhäufung von Mehrfachrückständen wurden dem EFSA-Bericht zufolge in Stachelbeeren (85.7% der gesamten analysierten Proben), Hopfen (81.8%), Grapefruits (73.1%), Johannisbeeren (72%), Brombeeren (68.4%), Wein(Tafel)Trauben (68.1%), Himbeeren (66.9%) und Erdbeeren (65.4%) nachgewiesen. 2,8% aller untersuchten 85.000 Ost- und Gemüse-Proben enthielten mehr als 5 verschiedene Pestizide.

Die TOP 10 der Wirkstoffe, die am häufigsten die gesetzlich erlaubten Rückstandshöchstgehalte überschreiten, sind: (in absteigender Reihenfolge): Fosetyl-Al, Dithiocarbamate, Chlorpyrifos Anthraquinone, BAC, Dimethoate, Glyphosat, Carbendazim und Acetamiprid.

PAN Europe Pressmitteilung vom 1.8.2018 zum EFSA Report
EFSA (2018): The 2016 European Union report on pesticide residues in food




Gefahr von Hirnschäden – NGOs fordern Verbot von Chlorpyrifos

Chlorpyrifos ist hochgefährlich und dennoch eins der derzeit am häufigsten verwendeten Insektizide in Europa, auch wenn in Deutschland keine Präparate mehr zugelassen sind, die diesen Wirkstoff enthalten. Chlorpyrifos wirkt neurotoxisch, stört das Hormonsystems und hat Auswirkungen auf die Gehirnentwicklung von Kindern. Rückstände von Chlorpyrifos belasten Lebensmittel und lassen sich im Trinkwasser nachweisen. Die derzeitige EU-Genehmigung für den Wirkstoff läuft am 31. Januar 2019 aus. Statt das hochgefährliche Pestizid erneut zu genehmigen, bietet das Genehmigungsverfahren der Europäischen Kommission und den Mitgliedstaaten die Möglichkeit, diese schädliche Chemikalie ein für alle Mal aus dem Verkehr zu ziehen. So ließen sich Landwirte und ihre Familien, Menschen in ländlichen Gebieten und VerbraucherInnen vor der Chemikalie effektiv schützen. Besonders wichtig wäre dies im Hinblick auf den Schutz der besonders gefährdeten Kinder, Kleinkinder, Säuglinge und Kinder im Mutterleib, deren Gehirn sich noch in der Entwicklung befindet und die besonders anfällig sind für die Toxizität von Chlorpyrifos.

Das gemeinsame Faktenblatt von HEAL, Génération Futures, PAN Europe und PAN Germany (in Englischer Sprache) liefert Hintergrundwissen über das Insektizid, erläutert die gesundheitlichen Auswirkungen und fordert, basierend auf den Fakten, ein EU-Verbot von Chlorpyrifos.




Anstieg der Bio-Anbaufläche ist ein Plus für Mensch & Natur

Laut Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) stellten 2017 mehr als 2.200 Betriebe in Deutschland auf Ökolandbau um. Die ökologisch bewirtschaftete Fläche wuchs um mehr als 120.000 Hektar. Das sind 120.000 Hektar auf denen keine chemisch-synthetischen Pestizide ausgebracht werden. Das bedeutet: Weniger Pestizide, die sich in Böden anreichern und Gewässer belasten, weniger Pestizid-Rückstände in den angebauten Lebensmitteln, weniger Belastung von Anwohnern durch Pestizid-Abdrift und mehr Vielfalt auf den Äckern.

Weitere Informationen: BÖLW Pressemitteilung vom 03. Juli 2018. Bauern bauen Landwirtschaft auf Bio um: Chance für die Politik wichtige Nachhaltigkeitsziele zu erreichen

Informationen zum Ökolandbau und politische Forderungen des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW)

Informationen zum ökologischen Landbau des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL)




EU-Agrarminister beraten über Bestäuber-Schutz

Auf Initiative Sloweniens soll es auf dem heutigen Treffen der EU-Agrarminister u.a. um einen besseren EU-weiten Schutz von Bestäubern gehen. Slowenien, unterstützt von Polen und Luxemburg, hat den Punkt „Verstärkte Anstrengungen der EU zur Verringerung der Bedrohung für Honigbienen und andere Bestäuber“ auf die Tagesordnung gesetzt und eine Reihe konkreter Vorschläge zur Umsetzung unterbreitet. PAN begrüßt die Intention: Die unterbreiteten Vorschläge gehen in die richtige Richtung, allerdings gehen sie nicht weit genug. Daher fordern VertreterInnen von PAN Konkretisierungen.

Martin Dermine, PAN-Europe Sprecher für Gesundheits- und Umweltpolitik, bekräftigte in diesem Zusammenhang, dass der geeignetste Weg zum Schutz der Bienen vor Pestiziden darin bestehe, dass die Mitgliedstaaten endlich das bereits 2013 (!) erstellte Leitliniendokument zur Bewertung der Bienen-Toxizität im Rahmen der Risikobewertung von Pestiziden annehmen sollten. Solange dies nicht passiere, würden bienentoxische Pestizide weiter Zugang zum Markt erhalten.

Henriette Christensen, Senior Policy Officer von PAN-Europe, verweist in diesem Zusammenhang erneut auf die Bedeutung der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP). PAN kritisiert u.a., dass in den GAP-Reformvorschlägen die Verringerung des Pestizideinsatzes fehle und fordert die Aufnahme eines spezifischen Indikators für Bestäuber (beginnend mit der Messung von Bienen und Schmetterlingen).

Mehr hierzu: PAN Europe Presse Mitteilung vom 18.06.2018




Pestizide sind eine Gefahr für Insekten und die biologische Vielfalt

Spätestens seit Veröffentlichung der Krefeld-Studie im letzten Jahr, ist der dramatische Rückgang der Insekten ins Bewusstsein der Öffentlichkeit und Politik gerückt. Die Besorgnis ist groß, denn besonders Bestäuber-Insekten wie Bienen, Schmetterlinge und Falter haben eine Schlüsselfunktion für den Erhalt der biologischen Vielfalt und sind unverzichtbar. Eine der zentralen Ursachen für das Insektensterben ist der übermäßige Pestizideinsatz, wie auch im Eckpunkte-Papier zum geplanten „Aktionsprogramm Insektenschutz“ vom Bundesministerium für Umwelt genannt. Umso deutlicher wird, dass wir eine Landwirtschaft brauchen, die nicht vom Einsatz chemisch-synthetischer Pestizide abhängig ist.

Biologische Vielfalt bedeutet Lebensraumvielfalt, Artenvielfalt und genetische Vielfalt. Nimmt der Bestand an Insekten, insbesondere an Bestäuber-Insekten ab, führt dies auch zu einem Rückgang anderer Arten wie Wildkräutern, Vögeln und Kleinsäugern. Die intensive Landwirtschaft ist gleichermaßen Verursacherin und Geschädigte: Fehlen die Insekten, kommt es zu reduzierter Bestäubungsleistung für Kulturpflanzen und Nützlinge für eine natürliche Schädlingskontrolle fehlen.

Was muss sich ändern und was können wir zum Schutz von Bestäuber-Insekten beitragen? Informationen dazu gibt unser Faltblatt Pestizide – Eine Gefahr für Insekten und die biologische Vielfalt.

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Faltblatt: Pestizide - Eine Gefahr für Insekten und die biologische Vielfalt

Datum: 25. Mai 2018 902.92 KB

Biologische Vielfalt bedeutet Lebensraumvielfalt, Artenvielfalt und genetische Vielfalt. Bestäuber-Insekten...




Pestizide und Menschenrechte – ein Podcast vom NDR

„Moment mal“ ist der Podcast der NDR Radiokirche. In der Folge vom 27.05. war Toxikologe und PAN Germany Vorstand Dr. Peter Clausing im Interview zum Thema Pestizide und Menschenrechte. Der Podcast kann auf der Webseite des NDR unter folgendem Link angehört werden und steht zum Download zur Verfügung.

https://www.ndr.de/ndr2/Moment-mal,audio409634.html

 

Fotorechte: Pestizid-Anwendung: Carina Weber

 

 

 




¡Maíz! – oder wer regiert die Welt?

Mit einem vielfältigen Angebot aus Workshops und der Performance des kollektiv tonalli zu den Themen Mais, Mexiko und globale Märkte fand am 27.04.2018 der Thementag ¡Maíz! – oder wer ernährt die Welt? in Hamburg statt. Zum Abschluss des Thementages wurde die Frage in einer Podiumsdiskussion mit Referenten aus den Fachbereichen Ernährungssouveränität, Menschenrechtsverletzungen, politischer Intervention, Nachhaltigkeitsbildung und Umweltforschung erörtert.

Der TV-Sender TIDE war vor Ort und macht es für alle, die nicht an dieser Veranstaltung teilnehmen konnten, möglich, sowohl die Performance als auch die Podiumsdiskussion digital zuerleben. Die Sendung wird am Sonntag, 03.06.2018, um 21:00 Uhr (Programm TIDE) zum zweiten Mal ausgestrahlt und ist jeder Zeit auf Youtube unter https://www.youtube.com/user/TIDETVhamburg/videos verfügbar.

Diese Veranstaltung wurde in Kooperation der W3 – Werkstatt für internationale Kultur und Politik / Projekt Generation Global, Romerotage, Pestizid Aktions-Netzwerk e.V. (PAN Germany), Agrar Koordination, Amnesty International (CASA), Zentrum für Mission und Ökumene – Nordkirche weltweit und treemedia e.V. realisiert.