Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit erklärt Chlorpyrifos für gesundheitsschädlich

Letzte Woche hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) in einer öffentlichen Erklärung anerkannt, dass das Insektizid Chlorpyrifos für die menschliche Gesundheit schädlich ist und nicht die Kriterien für eine Wiedergenehmigung in der EU erfüllt [1]. Eine Koalition von Nichtregierungsorganisationen bestehend aus HEAL, SumOfUs, PAN Europe, PAN Germany und Générations Futures begrüßte diese Erklärung als ersten Schritt, um Chlorpyrifos endlich EU-weit zu verbieten. Zwar sind in Deutschland Chlorpyrifos-Präparate schon seit längerem nicht mehr zugelassen, aber durch Lebensmittelimporte aus anderen EU-Staaten kommen bislang noch immer Chlorpyrifos-belastete Lebensmittel auf unsere Teller.

Die Aussage, dass Chlorpyrifos nicht die geforderten Kriterien erfüllt, gilt sowohl für Chlorpyrifos-ethyl, das landläufig als „Chlorpyrifos“ bezeichnet wird als auch für den Wirkstoff Chlorpyrifos-methyl. Seitens der Behörde wurden „Bedenken hinsichtlich möglicher erbgutschädigender Wirkungen und neurologischer Effekte während der Entwicklung“ identifiziert. Unterstützt wird diese Einschätzung „durch epidemiologische Daten, die Auswirkungen auf Kinder zeigen“.

Während die Bewertung der für die beiden Wirkstoffe eingereichten Dossiers noch nicht abgeschlossen ist, gab die EFSA diese Erklärung auf Bitten der Europäischen Kommission ab. Die Frist für eine Entscheidung über die Erneuerung beider Wirkstoffe ist der 31. Januar 2020. Dem Vernehmen nach wird ein Verbot von Chlorpyrifos auch durch die Europäische Kommission unterstützt [2]. Bereits im Januar wurden europäischen Behörden und Regierungen von einem zivilgesellschaftlichen Bündnis zu einem Verbot von Chlorpyrifos aufgefordert [3].  Die jüngste Mitteilung der EFSA bestätigt die Bedenken, die zuvor bereits in einer ganzen Reihe von wissenschaftlichen Veröffentlichungen geäußert wurden.

Über 212.000 Menschen hatten eine Petition unterzeichnet [4], in der die europäischen Entscheidungsträger*innen aufgefordert wurden, einer erneuten Genehmigung von Chlorpyrifos nicht zuzustimmen, insbesondere wegen seiner schädlichen Auswirkungen auf die kindliche Entwicklung des Gehirns.

Das Bündnis von Organisationen, dem PAN Germany angehört, fordert nun die Europäische Kommission und die nationalen Regierungen auf, der Einschätzung der EFSA zu folgen und ein vollständiges Verbot von Chlorpyrifos zu unterstützen, das so bald wie möglich erfolgen sollte. In Anbetracht der zahlreichen wissenschaftlichen Erkenntnisse wären die europäischen Bürger*innen schockiert und enttäuscht, wenn die Genehmigung von Chlorpyrifos um ein weiteres Jahr verlängert werden würde, nachdem diese im Prinzip schon am 31. Januar 2018 ausgelaufen war und unter Bezugnahme auf Artikel 17 der Pestizidverordnung (EC 1107/2009) verlängert wurde.

An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass es eine ganze Reihe von „kritischen“ Wirkstoffen gibt, deren Wiederbewertung durch die Behörden aus Kapazitätsgründen um ein oder sogar mehrere Jahre hinaus geschoben wurde. Dazu zählen unter anderem die krebserregenden Wirkstoffe Captan, Chlorotalonil, Chlorotoluron, Folpet und Popyzamid und die reproduktionstoxischen Wirkstoffe Flumioxazin und Thiacloprid. Bei Kapazitätsengpässen sollte gerade solchen kritischen Wirkstoffen Priorität eingeräumt werden.

[1] EFSA statement, 2nd August 2019, https://www.efsa.europa.eu/en/press/news/chlorpyrifos-assessment-identifies-human-health-effects

[2] Le Monde, 17th June 2019, https://www.lemonde.fr/planete/article/2019/06/17/chlorpyrifos-les-dangers-ignores-d-un-pesticide-toxique_5477084_3244.html

[3] Joint civil society letter to EU ministers, 23rd July 2019, https://www.env-health.org/wp-content/uploads/2019/07/Letter-to-EU-ministers-Your-support-to-the-ban-of-neurotoxic-pesticides-chlorpyrifos-ethyl-and-methyl.pdf

[4] https://actions.sumofus.org/a/chlorpyrifos




Ein europaweites Chlorpyrifos-Verbot ist überfällig

In Deutschland sind Chlorpyrifos-haltige Produkte schon seit mehreren Jahren nicht mehr zugelassen. Aber durch importierte Lebensmittel landet das hochgefährliche Pestizid nach wie vor auf unseren Tellern.

So zeigt eine kürzlich veröffentlichte Analyse, dass 39% der in der EU untersuchten Pampelmusen, 29% der Orangen und 25% der Mandarinen Chlorpyrifos-Rückstände aufweisen. Eine EU-Genehmigung für den Wirkstoff läuft noch bis zum 31.01.2020. Chlorpyrifos befindet sich zurzeit in der behördlichen Begutachtung.

Anfang der Woche wurde europaweit eine Serie von investigativen Beiträgen veröffentlicht, die belegen, dass die Behörden in der Vergangenheit hunderte von publizierten Studien zur Neurotoxizität vernachlässigt hatten.

Selbst in geringen Dosen kann Chlorpyrifos die frühkindliche Entwicklung von Gehirn und Hormonsystem schädigen. Wissenschaftler*innen haben Zusammenhänge zwischen Chlorpyrifos und einem geringeren Intelligenzquotienten bei Kindern sowie Autismus und späterer Parkinson’scher Krankheit festgestellt.

Ein Zusammenschluss von sechs Nichtregierungsorganisationen aus vier europäischen Ländern, einschließlich PAN Germany, fordert in einer heute veröffentlichten Presseerklärung die Behörden auf, Chlorpyrifos für immer zu verbieten.

Gemeinsame Presseerklärung (19.06.2019) „New overview of data on chlorpyrifos residues in fruits strengthens health-case for EU-wide ban“

Jetzt Petition unterzeichnen „Schluss mit Pestiziden in unserem Essen“




New overview of data on chlorpyrifos residues in fruits strengthens health-case for EU-wide ban

Brussels, 19.06.2019, Common press release.

Chlorpyrifos, a pesticide known for its damaging effects on children’s brain development, is among the top 15 active substances most frequently found in European unprocessed food and prominently present in fruit. This is the conclusion of a new briefing published today, bringing together all official EU data on the analysis of 791 different pesticide residues [1].

Chlorpyrifos is most often detected in citrus fruits: more than 1 out of 3 sampled grapefruits (39%) and lemons (36%), and 1 out of 4 sampled oranges (29%) and mandarins (25%) contained chlorpyrifos residues.

The current authorisation of chlorpyrifos in the European Union is set to expire on 31 January 2020. Member States in charge of the safety assessment of this pesticide are among those countries where residues of the pesticide were most frequently detected in fruits. Spain, where roughly 1 in 5 sampled fruit, including 40% of oranges and 35% of mandarins, are contaminated with chlorpyrifos, is the rapporteur Member State assigned to oversee the re-authorisation dossier. Poland, acting as co-rapporteur, tops the charts as the country with the highest contamination of chlorpyrifos in apples.

Earlier this week, a series of investigative articles published by media outlets across Europe highlighted that the previous European market approval process of chlorpyrifos ignored hundreds of independent studies showing evidence of brain-harming effects [2]. The investigation also found that the EU approval was based on just one single study, that was commissioned by industry [3].

Exposure to chlorpyrifos, even in small doses, can harm children’s brain development and hormonal systems. Scientists have linked it to decreases of IQ in children, working memory loss, endocrine disruption, autism and Parkinson’s Disease [4].

Close to 200,000 have already raised their voices to demand a toxic-free future for farming and food [5]. This #BanChlorpyrifos petition – launched by international consumer watchdog SumOfUs, the Health and Environment Alliance (HEAL), Générations Futures, Ecologistas en Acción, and the European and German branches of the Pesticide Action Network – is pressuring European governments and the Commission to ban chlorpyrifos for good.

QUOTES:

Génon K. Jensen, Executive Director at the Health and Environment Alliance (HEAL) says: “Parents should not have to worry about harming their children’s health when feeding them fruits like oranges or mandarins, which show the highest levels of chlorpyrifos residues. The body of evidence on neurotoxicity of chlorpyrifos and chlorpyrifos-methyl is compelling. Chronic exposure to low doses such as residues in fruit is linked to a decrease in IQ and working memory loss in children, there should be zero tolerance. We call on national governments and the EU institutions to make the withdrawal of both substances a public health priority.”

Angeliki Lyssimachou, Science Policy Officer at Pesticide Action Network Europe says: “It’s outrageous that our regulatory system allows for neurotoxic chlorpyrifos, known to harm children’s brains, to be used on open fields and its residues to be present in our food. We call upon Regulators to ban chlorpyrifos at once and improve our pesticide authorisation system, which currently promotes dependency on toxic pesticides in agriculture threatening -rather than protecting- human health and the environment.”

Nabil Berbour, Campaign Manager at SumOfUs says: “This toxic pesticide is harmful to children’s brain development and should have been banned a long time ago in Europe as revealed by a series of investigative pieces in the European press this week. It’s time for EU governments to put people’s health before the pesticide industry’s profits. In a petition launched by the #StopChlorpyrifos group, more than 191,000 EU citizens urge them to do so.”

Peter Clausing, Board member of Pesticide Action Network Germany says: “Chlorpyrifos represents a bold example that the EU’s risk assessment for neurotoxic effects is outdated and insufficient.”

 

Contact:

Yannick Vicaire, Chemicals and Health Policy Campaigner at the Health and Environment Alliance (HEAL), yannick@env-health.org, tel.: 0033 (0) 608 755 015

Angeliki Lyssimachou, Science Policy Officer at Pesticide Action Network Europe, angeliki@pan-europe.org, tel.: +32 496 39 29 30

Nabil Berbour, Campaign Manager at SumOfUs, nabil@sumofus.org, tel.: +33 7 56 82 06 55

 

Notes:

[1] “Chlorpyrifos residues in fruits, the case for a EU-wide ban to protect consumers”, published June 2019 by the Health and Environment Alliance (HEAL) and Pesticide Action Network Europe. https://www.env-health.org/wp-content/uploads/2019/06/June-2019-PAN-HEAL-Briefing-chlorpyrifos_web.pdf

[2] This series of articles includes:

–      Main portal (English): Investigative Reporting Denmark (https://www.ir-d.dk/chlorpyrifos/)

–      In English: the EU Observer (https://euobserver.com/health/145146)

–      In French:  Le Monde (https://www.lemonde.fr/planete/article/2019/06/17/chlorpyrifos-les-dangers-ignores-d-un-pesticide-toxique_5477084_3244.html)

–      In Dutch: Knack (https://www.knack.be/nieuws/belgie/europa-onderzoekt-verbod-op-insectenvergif-dat-in-onze-voeding-opduikt/article-longread-1477255.html)

–       In Spanish: El Confidencial (https://www.elconfidencial.com/tecnologia/ciencia/2019-06-17/pesticia-agricultura-espana-peligro-ue-prohibicion_2073403/)

[3] Safety of Safety Evaluation of Pesticides: developmental neurotoxicity of chlorpyrifos and chlorpyrifos-methyl. Mie, Rudén, Grandjean. Environ Health. 2018 Nov 16;17(1):77. doi: 10.1186/s12940-018-0421-y https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30442131

[4] Factsheet ‘EU should ban brain-harming chlorpyrifos to protect health’ (published August 2018 by the HEAL, PAN Europe, Générations Futures and PAN Germany).

[5] SumOfUs petition: No more toxic chlorpyrifos in our food: https://actions.sumofus.org/a/chlorpyrifos (also available in German, Spanish and French). Campaign video: https://twitter.com/SumOfUs/status/1140606268157157376

Infographic ‘Ban the toxic pesticide chlorpyrifos from our plates’ (published June 2019 by HEAL) https://www.env-health.org/wp-content/uploads/2019/06/Ban-Chlorpyrifos-Infographic-v2.png

 




PAN Positionspapier Agrarökologie

Agrarökologie – Die Lösung für den Ersatz hochgefährlicher Pestizide

Das Positionspapier von PAN International gibt einen komprimierten Überblick über die Grundlagen und Prinzipien der Agrarökologie. Es werden die multifunktionalen Vorteile agrarökologischer Systeme vorgestellt und aufgelistet, wie die Agrarökologie zur Erreichung der Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) beiträgt.

Mit zunehmender Kenntnis über die schädlichen Auswirkungen hochgefährlicher Pestizide (HHPs) ist auch die weltweite Erkenntnis darüber gewachsen, dass es dringend notwendig ist, die chemieintensive Landwirtschaft durch agrarökologische Landwirtschaft zu ersetzen.

Agrarökologie ist eine ökonomisch tragfähige und sozial gerechte Form nachhaltiger Landwirtschaft und Lebensmittelerzeugung, die auf ökologische und soziale Prinzipien und der Integration von Wissenschaft mit lokalen und indigenen Erfahrungen und Praktiken basiert, die im Einklang mit natürlichen Kreisläufen und Prozessen wirtschaftet und das politische Ziel der Ernährungssouveränität beinhaltet, einschließlich des Rechts darauf, nahrhafte und kulturelle angemessene Lebensmittel zu erzeugen und zu erhalten.

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PAN Positionspapier Agrarökologie (DEU)

Datum: 22. Mai 2019 1.42 MB

Agrarökologie - Die Lösung für den Ersatz hochgefährlicher Pestizide Agrarökologie ist eine ökonomisch...

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Agroecology - The Solution to Highly Hazardous Pesticides

Datum: 22. Mai 2019 1.38 MB

Agroecology is an economically viable and socially just approach to sustainable agriculture and food...




Die Aufnahme von HHPs in das Rotterdamer Übereinkommen wurde erneut von einzelnen Ländern blockiert

PAN Asia Pacific (PANAP) äußert sich zutiefst enttäuscht darüber, dass einzelne wenige Staaten in Genf verhindert haben, vier der fünf für das Rotterdamer Übereinkommen vorgeschlagenen hochgefährlichen Pestizide (HHPs) – nämlich Paraquat, Fenthion, Acetochlor und Carbosulfan – aufzunehmen.

Nur eine kleine Handvoll Länder blockierten die Aufnahme von Paraquat (Guatemala, Indonesien, Chile), Fenthion (Sudan, Kenia, Äthiopien, Uganda), Acetochlor (Argentinien, Chile) und Carbosulfan (Kenia, Indien, Brasilien) bei den gerade in Genf, Schweiz, abgeschlossenen Verhandlungen der Rotterdam Konvention, obwohl darüber, dass diese Pestizide die Kriterien der Konvention erfüllen, Einigkeit bei den Vertragsstaaten besteht.

Die Länder, die sich der Listung widersetzten behaupteten, dass diese Pestizide benötigt würden, dass es keine geeigneten Alternativen gäbe oder dass ihre Verwendung die Umwelt und die menschliche Gesundheit nicht erheblich schädige.

Die Argumentation der Länder zeigt aus Sicht von PAN zweierlei: Zum einen, dass sie das Übereinkommen falsch auslegen, denn eine Aufnahme in den Anhang der Rotterdam Konvention bedeutet kein Verbot der Stoffe, sondern lediglich eine Verpflichtung (und das Recht) Informationen über die hochgefährlichen Wirkstoffe vor deren Ex- bzw. Import bereitzustellen. Zum anderen ignorieren die Länder die Beweise für die schweren Schäden, die diese Pestizide für die menschliche Gesundheit und die Umwelt verursachen.

PAN kritisiert sowohl die Blockadehaltung einzelner Länder als auch das insgesamt unglaublich langsame Tempo, mit dem Pestizide in die Rotterdamer Konvention aufgenommen werden.

PANAP wies auch auf einige positive Ergebnisse der BRS COPs hin, wie die Aufnahme von Dicofol in die Stockholmer Konvention, die Aufnahme von Phorat in die Rotterdamer Konvention und die Vereinbarung über die Einrichtung eines Konformitätsmechanismus für die Rotterdamer Konvention. Doch diese Erfolge werden durch die Nicht-Aufnahme der genannten hochgefährlichen Pestizide in die Rotterdam Konvention erheblich getrübt.

Die schwierigen Verhandlungen in Genf haben erneut gezeigt, dass ein rechtsverbindlicher globaler Mechanismus oder Vertrag für das Lebenszyklusmanagement von Pestiziden dringend benötigt wird.

Die Vertragsstaatenkonferenz des Übereinkommens von Basel, Rotterdam und Stockholm (BRS COP) fand vom 29. April  bis 10. Mai 2019 in Genf statt.

Mehr Informationen in der PAN Asien & Pazifik Presseinformation vom 13.5.19




YES! Kalifornien verbietet Chlorpyrifos

In der EU ist das hochgefährliche Organophosphat noch immer zugelassen

Die gute Nachricht von unserer Partnerorganisation PAN Nordamerika erreichte uns gestern: Der Gouverneur von Kalifornien hat das Ende für Chlorpyrifos in Kalifornien erklärt sowie extra Gelder bereitgestellt, um die Farmer bei der Umstellung auf Alterntiven zu unterstützen. .

Und in der EU? Hier ist die Anwendung des Nervengifts, das insbesondere die neurologische Entwicklung unserer Kinder schädigt, nach wie vor erlaubt, u.a. für die Anwendung in Weizen, Äpfeln, Möhren und Erdbeeren. Zulassungen chlopyrifoshaltiger Mittel gibt es in AT, BE, BG, CY, CZ, EE, EL, ES, FR, HR, HU, IT, LU, MT, NL, PL, PT, RO, SK und UK. Obwohl mittlerweile in Deutschland nicht mehr erlaubt, gelangen Rückstände über importierte Nahrungsmittel auf unsere Teller. Nach einer Analyse von PAN Europe ist Chlorpyrifos das am häufigsten nachgewiesene hormonell schädliche Pestizid in Früchten und Gemüse in Europa. PAN Deutschland, PAN Europa und andere NGOs fordern seit langem ein Verbot dieses hochgefährlichen Wirkstoffs, wie jetzt in Kalifornien geschehen, auch in Europa.

Derzeit läuft das Wiedergenehmigungsverfahren für Chlorpyrifos in der EU mit einem Ergebnis vor Anfang 2020 wird nicht gerechnet…

Der Wirkstoff Chlorpyrifos gilt als hochtoxisch für die Gehirnentwicklung und als endokriner Disruptor (hormonschädlich). Bereits 2014 hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) anerkannt, dass Chlorpyrifos viel toxischer für die menschliche Gesundheit ist, als bislang angenommen. Insbesondere Kinder sind in ihrer Entwicklung durch das Pestizid gefährdet .Eine Wiedergenehmigung des hochgefährlichen Pestizids wäre ein Skandal.

Forderung nach einem EU-Verbot von Chlorpyrifos von PAN Germany, PAN Europe und HEAL

PANNA Presseinformation vom 8. Mai 2019 zum Verbot von Chlorpyrifos in Kalifornien

PAN Europe (2017): ENDOCRINE DISRUPTING PESTICIDES IN EUROPEAN‘s FOOD




Public Eye Report deckt Syngentas Milliardengeschäft mit hochgefährlichen Pestiziden auf

In einem aktuell veröffentlichten Bericht „Highly hazardous profits“  zeigt Public Eye detailliert auf, welch zentrale Rolle der Basler Konzern Syngenta beim Handel von hochgefährlichen Pestiziden insbesondere in Entwicklungs- und Schwellenländern spielt. Die Schweizer NGO, die seit 50 Jahren von Schweizer Unternehmen im Ausland verursachte Menschenrechtsverletzungen aufdeckt, hat Pestizid-Verkaufszahlen mit der PAN International Liste der hochgefährlichen Pestizide (HHPs)  abgeglichen: 15 der 32 Pestizide, die Syngenta als ihre Bestseller präsentiert, stehen auf der HHP-Liste von PAN. 2017 hat der Konzern gemäß Schätzungen der Schweizer NGO einen Umsatz von ca. 3,9 Milliarden US-Dollar mit dem Verkauf von HHPs erzielt.

Public Eye verdeutlicht, wie Syngenta von schwachen Regulierungen in Entwicklungs- und Schwellenländern profitiert, um dort ihre giftigen Bestseller zu verkaufen, von denen viele in der Schweiz oder in der Europäischen Union aufgrund ihrer Gefährdung von Mensch und Natur nicht mehr zugelassen sind. Um die Konsequenzen des massiven Einsatzes dieser hochgiftigen Pestizide besser zu verstehen, hat Public Eye einen besonderen Fokus auf Brasilien gelegt – den größten Markt Syngentas. Hier hat Public Eye mit Eltern erkrankter Kinder im Bundesstaat Mato Grosso gesprochen und in Kooperation mit dem Fernsehjournal Repórter Brasil die Daten des brasilianischen Programms zur Kontrolle der Trinkwasserqualität analysiert. Die Resultate zeigen, dass Millionen Brasilianer*innen einem Cocktail an Pestiziden ausgesetzt sind, dessen langfristige Effekte nicht absehbar sind. Eine der am häufigsten nachgewiesenen Substanzen ist Atrazin, ein als hormonverändernd und fortpflanzungsgefährdend eingestuftes Herbizid, das in der Schweiz und der EU nach massiver Kontamination von Trinkwasserquellen vor Jahren verboten wurde. In Brasilien wurde die Substanz in 85 Prozent aller getesteten Wasserproben nachgewiesen. Syngenta ist globale Marktführerin beim Verkauf dieses hochumstrittenen Pestizids.

Um künftige Generationen zu schützen, sieht Public Eye es als unabdingbar an, dass die giftigsten Pestizide vom Markt genommen und durch sicherere Alternativen ersetzt werden. In einer Petition fordert Public Eye Syngenta dazu auf, sich zu verpflichten, die Produktion und den Verkauf hochgefährlicher Pestizide einzustellen. Zudem sieht Public Eye den Staat in der Pflicht und fordert von der Schweiz, Verantwortung zu übernehmen und den Export von Pestiziden zu verbieten, die im eigenen Land wegen ihrer Gefahr für Gesundheit oder Umwelt verboten sind und sich für ein verbindliches internationales Abkommen zu hochgefährlichen Pestiziden einzusetzen. Damit unterstütz Public Eye die Forderungen von PAN International nach der Abschaffung von Doppelstandards im Pestizidhandel und für einen verbindlichen internationalen Pestizid-Vertrag.

Public Eye ist eine der mehr als 560 Organisationen weltweit, die bislang den Aufruf gegen hochgefährliche Pestizide von PAN International unterzeichnet haben. Wer als Organisation den Aufruf unterstützen möchte, wendet sich bitte an susan.haffmans[at]pan-germany.

Public Eye (2019): Highly hazardous profits. How Syngenta makes billions by selling toxic pesticides. (4 MB)
https://www.publiceye.ch/fileadmin/doc/Pestizide/2019_PublicEye_Highly-hazardous-profits_Report.pdf

Public Eye Magazin «Syngentas Giftgeschäfte in Brasilien» (7 MB)  https://www.publiceye.ch/fileadmin/doc/Pestizide/2019_PublicEye_Magazin17_Pestizid.pdf

 




Pesticide Action Network Calls for Legally Binding Treaty for Highly Hazardous Pesticides

Montevideo, 26.03.2019. Press release.

On the eve of the upcoming 3rd Open Ended Working Group  of the Strategic Approach to International Chemicals Management (SAICM), PAN redoubles its call for a global legally binding mechanism for the lifecycle management of pesticides, either as a new standalone treaty or as a legally binding protocol within a new overarching chemicals framework to phase out Highly Hazardous Pesticides (HHPs).

PAN expresses its deep concern that SAICM has failed to achieve sound management of pesticides and that pesticide poisoning continues in countries all around the world. PAN is releasing updated versions of two documents underlining the strong need for a legally binding treaty to ban HHPs. These are a PAN International List of Highly Hazardous Pesticides (1) and a PAN International Consolidated List of Banned Pesticides. These two documents together show the large numbers of hazardous pesticides used around the world and the very uneven nature of regulation of hazardous pesticides around the globe.

An example illustrating such uneven regulation of pesticides is the highly toxic pesticide monocrotophos. Of the 154 countries for which information was available for the Consolidated List of Banned Pesticides, at least 112 have banned the insecticide monocrotophos, but its use in other countries continues to harm many people. It was responsible for killing 23 school children in India in 2013, implicated in the deaths of cotton growers in India in 2018, and in numerous other poisonings – despite the WHO calling on India to ban it 10 years ago. This is just one example of a HHP that should have been banned long ago, but remains in use and continues to poison people in countries where it is still used. PAN asks that companies still manufacturing monocrotophos should stop its manufacture and all remaining countries should ban it.

This situation occurs in many countries around the world, and Ms. Maimouna Diene, Director of PAN Africa says, “In many African countries we see high rates of poisonings of farmers and communities by HHPs. It is not possible to adequately protect communities, as well as their air, soil and water unless a legally binding mechanism for regulating HHPs is developed.”

Ms. Sarojeni Rengam, Executive Director of PAN Asia Pacific (PANAP) echoes this frustration and says  “The continued use of HHPs in Asian countries causes widespread poisonings of children, farmers, women and agricultural workers.  Recently PANAP and partners interviewed 2025 respondents in 7 countries, and found that 7 out of 10 people interviewed were poisoned by pesticides (3).  Rural people are poisoned by pesticides such as paraquat, lambda-cyhalothrin, chlorpyrifos and glyphosate.” She expressed dismay at the lack of action to prevent occupational poisonings and said “Continuing the sad saga of occupational pesticide poisonings of agricultural workers, a record number of such cases were reported last year in the Yavatmal district in Maharashtra state of India.”

Mr. Javier Souza, Regional Coordinator of PAN Latin America says „The use of HHPs in agriculture has led to frequent exposure and accidental poisoning of children throughout Latin America, for example when pesticide applications are made near schools or homes. Empty pesticide containers are discarded in the fields and rivers, contaminating the drinking water and increasing the plastic pollution of the sea because the users do not return them to their manufacturers, often violating current regulations.”

The lack of accountability of transnational pesticide corporations for the HHPs they produce and sell, especially in the Global South, led Ms. Susan Haffmans of PAN Germany to say “It is absolutely unethical that European countries like Germany, Switzerland, France and U.K. continue to export pesticides banned for use in these countries due to their toxicity. The exports to countries in the Global South continue to put communities there in danger from the hazards of exposure to HHPs.”

Ms. Kristin Schafer, Executive Director of PAN North America added “The consolidation of the pesticide industry has created giant corporations that have no interest in voluntary control measures, and put profits above all else. Years of evidence show us that these corporate actors aggressively undermine policies that protect public health and the environment. It’s time for the global community to act.”

PAN International calls on the global community to step up to the challenge and protect people across the world from HHPs by putting in place a legally binding treaty against HHPs.

Available for interview:

Dr. Meriel Watts, PAN Asia Pacific +64-21-1807830; meriel@merielwatts.net

Ms. Susan Haffmans, PAN Germany susan.haffmans@pan-germany.org, +49(0)40-3991910-25

Ms. Sarojeni Rengam, PAN Asia Pacific, sarojeni.rengam@panap.net
Javier Souza Casadinho, PAN Latin America, javierrapal@yahoo.com.ar ,+11 15 3617 1782

Ms. Kristin Schafer, PAN North America kristins@panna.org

Ms. Maimouna Diene, PAN Africa maimounadiene@pan-afrique.org

 

(1) The PAN International List of Highly Hazardous Pesticides is available at: http://pan-international.org/wp-content/uploads/PAN_HHP_List.pdf

(2) The PAN International Consolidated List of Banned Pesticide is available at: http://pan-international.org/pan-international-consolidated-list-of-banned-pesticides/

(3) Rights and Poisons is available at: https://panap.net/2018/10/of-rights-and-poisons-accountability-of-the-agrochemical-industry/




PAN International fordert rechtsverbindliche Regelungen für hochgefährliche Pestizide

Kurz vor Beginn des großen internationalen vierten Arbeitsgruppen Treffen (OEGW) der internationalen Rahmenvereinbarung für ein internationales Chemikalienmanagement SAICM (Strategic Approach to International Chemicals Management) bekräftigt das Internationale PAN seine Forderung nach einem weltweit rechtsverbindlichen Mechanismus für das Lebenszyklusmanagement von Pestiziden. Ein solches Regelwerk könne laut PAN entweder als neuer, eigenständiger Vertrag oder als rechtsverbindliches Protokoll innerhalb eines neuen übergreifenden Chemikalienrahmens den schrittweisen Ersatz hochgefährlicher Pestizide (HHPs) befördern und dazu beitragen, dass zukünftig Menschen und ihre Umwelt weniger durch Pestizide geschädigt werden.

PAN äußert seine tiefe Besorgnis darüber, dass SAICM es bislang versäumt hat, ein solides Management von Pestiziden zu erreichen und dass die Pestizidvergiftung in Ländern auf der ganzen Welt andauert, obgleich hochgefährliche Pestizide (HHPs) unter SAICM als „Issue of Concern“ anerkannt sind und seit Jahren zum Handeln gegen HHPs aufgerufen wurde.

Mit der aktualisierten PAN International Liste der hochgefährlichen Pestizide (PAN HHP-Liste) und der Liste der verbotenen Pestizide (Consolidated List of Banned Pesticides) veröffentlicht PAN zwei Dokumenten, die die dringende Notwendigkeit eines rechtsverbindlichen Vertrags zum Verbot von HHPs unterstreichen und die den schrittweisen Ersatz hochgefährlicher Pestizide unterstützen. Die beiden Listen zusammen zeigen die große Zahl der weltweit eingesetzten hochgefährlichen Pestizide und die sehr ungleiche Regulierung gefährlicher Pestizide weltweit.

Ein Beispiel für eine solche ungleiche Regulierung von Pestiziden ist das hochtoxische Pestizid Monocrotophos. Von den 154 Ländern, für die Informationen über Pestizide verfügbar waren, haben 112 das Insektizid Monocrotophos verboten, in anderen Ländern schadet das hochgefährliche Pestizid weiterhin den Menschen und der ihrer Umwelt. Das Pestizid war unter anderem verantwortlich für den Tod von 23 Schulkindern in Indien im Jahr 2013, für den Tod von Baumwollbauern in Indien im Jahr 2018 und für zahlreiche weitere Vergiftungen – trotz der Forderung der Weltgesundheitsorganisation WHO an Indien, es vor zehn Jahren zu verbieten. Dies ist nur ein Beispiel für ein HHP, das schon vor langer Zeit hätte verboten werden sollen, aber weiterhin in Gebrauch ist und Menschen in Ländern vergiftet, in denen es noch verwendet wird. PAN fordert, dass Unternehmen, die noch Monocrotophos herstellen, ihre Produktion einstellen, und dass alle Länder, die den Wirkstoff noch nicht verboten haben, dies unverzüglich tun.

Diese Situation tritt in vielen Ländern der Welt auf. Maimouna Diene, Direktorin von PAN Afrika, sagt hierzu: „In vielen afrikanischen Ländern sehen wir hohe Vergiftungsraten von Bauern und ländlichen Gemeinschaften durch HHPs. Es ist nicht möglich, die Bevölkerung, ihren Boden, ihr Wasser und die Luft angemessen zu schützen, wenn kein rechtsverbindlicher Mechanismus zur Regulierung von HHPs eingerichtet wird.“

 

Weiter lesen in der PAN International Presseinformation vom 26.3.2019




Internationaler Aufruf gegen hochgefährliche Pestizide

Der „Internationale Aufruf für ein Verbot hochgefährlicher Pestizide“ ist ein Aufruf von PAN International, den Organisationen aus sehr vielen Ländern aller Kontinente unterzeichnet haben. Der Aufruf bringt zum Ausdruck, dass hochgefährliche Pestizide endlich durch agrar-ökologische Ansätze der landwirtschaftlichen Produktion ersetzt werden müssen, um die vielen Gesundheits- und Umweltschäden durch Pestizide zu stoppen.

Dieser Aufruf ist nicht vergleichbar mit den vielen anderen Aufrufen, die sich zeitlich begrenzt zu einem konkreten Datum mit einem spezifischen Anliegen z.B. an eine Regierungsstelle wenden, um sich etwa zu einem konkreten Gesetzesvorhaben zu äußern.

Im Gegensatz dazu geht es bei diesem Aufruf darum, sichtbar zu machen, dass weltweit sehr viele Organisationen ein Verbot hochgefährlicher Pestizide als dringende Lösung schwerwiegender Pestizid-Probleme erachten. Es ist eine globale zivilgesellschaftliche Willensbekundung, die von mehr als 564 Organisationen aus 111 Ländern (Stand 07.01.2019) unterzeichnet wurde und die Programme zur Ökologisierung der Pflanzenproduktion einfordert. All die vielen Organisationen, die diesen Aufruf unterzeichnet haben, machen mit ihrer Unterzeichnung deutlich, dass sie entweder aktiv auf das gemeinsame Ziel hinarbeiten oder das Ziel ideell oder finanziell unterstützen. Wie sie dies tun, ist erfreulich unterschiedlich, weil jede Organisation mit ihrer Arbeit unterschiedlich ansetzt, um einen Beitrag zu leisten. Während z.B. einige dafür arbeiten, dass ein bestimmtes hochgefährliches Pestizid in ihrem Land, ihrer Region oder global nicht weiter zugelassen wird, kümmern sich andere darum, gemeinsam mit Bäuerinnen und Bauern ökologische Pflanzenschutzmethoden zu entwickeln, die lokal in einer konkreten Anbaukultur praxistauglich und wirksam sind. Weitere arbeiten in der Bildungs- oder Öffentlichkeitsarbeit oder sie koordinieren Projekte, die Frauen als wichtiges Rückgrat der nachhaltigen Ernährungssicherung stärken. Die hier nur angedeutete Diversität der Initiativen begründet die berechtigte Hoffnung, dass es machbar ist, zukünftig ohne die Kollateralschäden der Pestizidwirtschaft Landwirtschaft zu betreiben. Gleichzeitig hat dieser Aufruf auch die Funktion, das globale Netzwerk zivilgesellschaftlicher Organisationen rund um das Thema „hochgefährliche Pestizide“ sichtbar zu machen und damit allen Unterzeichnern die Möglichkeit zu geben, miteinander in Kontakt zu treten, wenn eine Kooperation oder ein Informationsaustausch gewünscht ist.

Eine nicht zu unterschätzende Funktion dieses Aufrufes ist, einzelnen Organisationen bei Ihrer Arbeit den Rücken zu stärken, denn mit diesem Aufruf können alle Unterzeichner darauf verweisen, dass sie keine Einzelmeinung vertreten.

Deshalb ist es wichtig, dass noch mehr Organisationen unterzeichnen, indem sie folgende Informationen an susan.haffmans@pan-germany.org senden:

1) Name der Organisation,
2) Land,
3) Name der Kontaktperson,
4) E-Mail der Kontaktperson.

 

Der Aufruf mit der Liste der Unterzeichner ist in fünf Sprachen verfügbar:

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Aufruf "Für ein Verbot hochgefährlicher Pestizide"

Datum: 11. März 2019 357.67 KB

Jahrzehnte an Erfahrungen haben gezeigt, dass eine sichere Anwendung hochgefährlicher Pestizide trotz...

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Appeal for a ban of highly hazardous pesticides

Datum: 11. März 2019 344.67 KB

Decades of experience has shown that, despite numerous ‘safe use’ programs, the ’safe use’ of...

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Appel pour l’interdiction des Pesticides Extrêmement Dangereux

Datum: 11. März 2019 417.64 KB

Des décennies d'expériences ont montré qu’en dépit des nombreux programmes d’ «utilisation sécuritaire»,...

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Convocatoria por la prohibición de los plaguicidas altamente peligrosos

Datum: 11. März 2019 301.88 KB

Décadas de experiencia han mostrado que un uso seguro de los plaguicidas altamente peli-grosos no es...

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Appello per la messa al bando dei pesticidi ad alto rischio (PAR)

Datum: 11. März 2019 350.90 KB

L’esperienza accumulata nei decenni ha dimostrato che nonostante numerosi programmi di “uso sicuro”,...