Die EU muss endlich umweltverschmutzende Pharmazeutika-Hersteller in die Pflicht nehmen

Anlässlich der Verabschiedung einer Resolution über Arzneimittel in der Umwelt am Donnerstag, den 17. September 2020 im Europäischen Parlaments, fordern zahlreiche europäische Organisationen, darunter Health Care Without Harm (HCWH) Europe , European Environment Bureau (EEB) und PAN Germany in einer gemeinsamen Presseerklärung ein entschiedenes Handeln der EU gegen Umweltverschmutzungen durch Arzneimittel und machen insbesondere auf die Verbreitung von Antibiotika-Resistenzen über die Umwelt aufmerksam.

Insbesondere in der Nähe von Arzneimittelherstellungsanlagen ist die Belastung von Oberflächen- und Grundwassersystemen mit Arzneimittelrückständen groß. Dies kann schwerwiegende Auswirkungen auf die Gesundheit und die Lebensgrundlagen der Menschen haben, darunter Hautkrankheiten, Fischsterben und vergiftetes Vieh.

Trotz der alarmierenden und bekannten Risiken macht die EU bislang keine Umweltauflagen für die Herstellung von Medikamenten, die auf dem europäischen Markt verkauft werden. Dies muss sich aus Sicht der NGOs ändern.

Hier geht es zur gemeinsamen englischsprachigen Presseerklärung.




Ihre Meinung ist gefragt: Was ist wichtig für den Gewässerschutz?

Weitgehend unbemerkt fand in den Bundesländern die öffentliche Anhörung zur Frage statt, welche zentralen Handlungsfelder – die sogenannten Wasserbewirtschaftungsfragen – ab 2021 angepackt werden müssen, damit unsere Gewässer von der Quelle bis zum Meer wieder sauber werden und einen naturnahen Zustand aufweisen.

Die EU-weit geltende Wasserrahmenrichtlinie setzt für dieses Ziel eine letzte Frist bis zum Jahr 2027. Bereits seit 2009 wurden in allen deutschen Flussgebieten wie Elbe, Rhein oder Weser Gewässerschutzplanungen festgelegt, die alle 6 Jahre zu aktualisieren sind. Weil die Planungen bisher nicht konsequent genug waren und die Umsetzung der geplanten Maßnahmen zu zögerlich erfolgte, verfehlen weiterhin mehr als 90 Prozent der in Deutschland untersuchten Wasserläufe, Seen, Küstengewässer und Grundwasser die Umweltziele. Unklar bleibt die Situation vieler Auen und weiterer wasserabhängiger Schutzgebiete.

PAN Germany hat zwischenzeitlich ausgewertet, welche wichtigen Themen die Bundesländer zur Besserung der Elbe und seiner Nebengewässerangehen sollten, und hat hierzu eine Stellungnahme verfasst. PAN Germany beanstandet zum Beispiel, dass für interessierte Bürger*innen zurzeit keine echten Mitwirkungsmöglichkeiten eingeplant sind, wenn es um die Gewässer vor ihrer Haustür geht und generell zu wenig für eine breite Beteiligung getan wird.

Zudem fordert PAN Germany konsequente Maßnahmen gegen den Eintrag von Bioziden, Pestiziden und (Tier-)Arzneimittel in Gewässer. Noch fehlen für die meisten dieser wirksamen und oft giftigen Stoffe die nötigen Vorkehrungen, um Gewässerverunreinigungen aufzuspüren. Außerdem sollten die Verursacher für die Kosten des Monitorings und der Reinigung der Gewässer mit aufkommen, aber auch darin unterstütz werden, auf gewässerverträgliche Verfahren umzustellen.

Eine dritte Anhörung erfolgt spätestens am 22.12.2020. Dann können Interessensgruppen und Interessierte zu der Gesamtplanung ihre Meinung abgeben, zum Beispiel zu den vorgeschlagenen Maßnahmen für einzelne berücksichtigte Gewässer.

Wenn Sie Interesse haben, diese Konsultation mit zu begleiten, können Sie sich gerne an die AG Wasser von PAN Germany wenden:  E-Mail wasser@pan-germany.org.

Stellungnahme: zur Anhörung der Wasserbewirtschaftungsfragen für die Aufstellung des Bewirtschaftungsplans WRRL für den dritten Bewirtschaftungszeitraum in der FGG Elbe

Stellungnahme: zur Anhörung der Wasserbewirtschaftungsfragen für die Aufstellung des Bewirtschaftungsplans WRRL für den dritten Bewirtschaftungszeitraum in der FGG Elbe

Datum: 23. Juni 2020 267.26 KB

Diese PAN Germany Stellungnahme wird im Rahmen der 2. Anhörungsphase der aktuellen Bewirtschaftungsplanungen...




Stellungnahme: zur Anhörung der Wasserbewirtschaftungsfragen für die Aufstellung des Bewirtschaftungsplans WRRL für den dritten Bewirtschaftungszeitraum in der FGG Elbe

Diese PAN Germany Stellungnahme wird im Rahmen der 2. Anhörungsphase der aktuellen Bewirtschaftungsplanungen der Flussgebietsgemeinschaft Elbe vorgelegt. Für die Auswertung des Anhörungsdokuments Anhörungsdokuments der Flussgebietsgemeinschaft Elbe wurden die für uns relevanten stoffbezogenen Empfehlungen aus dem 5. Implementierungsbericht der EU
Kommission (hier: Länderbericht Deutschland) berücksichtigt sowie die aktuellen Anregungen zur WRRL Umsetzung, die im Rahmen der ersten Anhörungsphase, zum Zeitplan und Arbeitsprogramm, von unserer Seite vorgelegt wurden.




Gewässerschutz aktuell: Wie steht es um die Rechte des Wassers?

Der internationale Weltwassertag, am 22. März 2020, widmet sich in diesem Jahr dem Thema „Wasser und Klimwandel“. Um die für Mensch und Natur wichtigen Gewässerfunktionen in Zeiten zunehmender Wetterextremen zu erhalten, braucht es ein starkes Wasserrecht. Die EG-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) erfüllt aus Sicht von PAN Germany genau dieses Anliegen. Sie wird aber zu wenig ambitioniert umgesetzt!

Derzeit beraten die EU-Mitgliedstaaten auf Grundlage einer Bewertung der EU-Kommission über die Frage, ob die WRRL „fit“ genug ist oder abgeändert werden sollte. PAN Germany hat dies zum Anlass genommen, den aktuellen Stand der Beratungen auszuwerten, und stellt fest, dass es bisher kein eindeutiges Signal zugunsten der WRRL und für verstärkte Anstrengungen gegen Biozid-, Pestizid- und (Tier-)Arzneimittel-Einträge gibt.

Die PAN-Analyse finden Sie hier:

Handlungsempfehlungen von PAN Germany zum EU-Kommissionbericht zum Fitness-Check des EU-Wasserrechts

Handlungsempfehlungen von PAN Germany zum EU-Kommissionbericht zum Fitness-Check des EU-Wasserrechts

Datum: 20. März 2020 259.17 KB

Gemäß Artikel 19 der EG Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) sollte die EU Kommission bis zum Jahr 2019 die...

 

 




Handlungsempfehlungen von PAN Germany zum EU-Kommissionbericht zum Fitness-Check des EU-Wasserrechts

Gemäß Artikel 19 der EG Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) sollte die EU Kommission bis zum Jahr 2019 die WRRL überprüfen und dem Europäischen Parlament und dem Europäischen Rat gegebenenfalls erforderliche Änderungen vorschlagen. Die Evaluation (Fitness Check) zur Umsetzung und Wirksamkeit dieser Richtlinie bezog auch die WRRL Tochterrichtlinien zum Schutz des Grundwassers und zu den Umweltqualitätsnormen für die Oberflächengewässer ein sowie die EU Hochwasserrisikomanagementrichtlinie. Für die Öffentlichkeit gab es die Möglichkeit, sich im Rahmen einer Konsultation einzubringen. Seit dem 11. Dezember 2019 liegt das Resultat dieser Überprüfung vor, bestehend aus einer Zusammenfassung (Executive Summary), einem detaillierten Arbeitsdokument (Commission Staff Working Document) und einer unterstützenden Studie (Support Study).




Gewässerschutz aktuell: Wie steht es um die Rechte des Wassers?

Der internationale Weltwassertag, am 22. März 2020, widmet sich in diesem Jahr dem Thema „Wasser und Klimwandel“. Um die für Mensch und Natur wichtigen Gewässerfunktionen in Zeiten zunehmender Wetterextremen zu erhalten, braucht es ein starkes Wasserrecht. Die EG-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) erfüllt aus Sicht von PAN Germany genau dieses Anliegen. Sie wird aber zu wenig ambitioniert umgesetzt!

Derzeit beraten die EU-Mitgliedstaaten auf Grundlage einer Bewertung der EU-Kommission über die Frage, ob die WRRL „fit“ genug ist oder abgeändert werden sollte. PAN Germany hat dies zum Anlass genommen, den aktuellen Stand der Beratungen auszuwerten, und stellt fest, dass es bisher kein eindeutiges Signal zugunsten der WRRL und für verstärkte Anstrengungen gegen Biozid-, Pestizid- und (Tier-)Arzneimittel-Einträge gibt.

Die PAN-Analyse finden Sie hier:

Handlungsempfehlungen von PAN Germany zum EU-Kommissionbericht zum Fitness-Check des EU-Wasserrechts

Handlungsempfehlungen von PAN Germany zum EU-Kommissionbericht zum Fitness-Check des EU-Wasserrechts

Datum: 20. März 2020 259.17 KB

Gemäß Artikel 19 der EG Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) sollte die EU Kommission bis zum Jahr 2019 die...

 

 




Tier- und Umweltschutzverbände appellieren an Agrarausschuss: „Setzen Sie sich gegen rechtswidrigen Verordnungsentwurf ein!“

Rechtliche Vorgaben zur Haltung von Muttersauen seit 28 Jahren ignoriert

Agrarausschuss des Bundesrates berät über die Fortsetzung der rechtswidrigen Haltungsform des Kastenstandes in der Schweinehaltung

Hamburg, 23.01.2019. Gemeinsame Pressemitteilung. Ein breites Bündnis aus über 20 Tier- und Umweltschutzverbänden fordert die Mitglieder des Agrarausschusses des Bundesrates auf, die Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (TierSchNutztV) zurückzuweisen und sich nicht an der Legalisierung tierquälerischer Haltungsbedingungen zu beteiligen und damit eine Verletzung des Staatsziels Tierschutz in Kauf zu nehmen, um rein ökonomische Interessen über den Schutz und das Wohlbefinden der Tiere zu stellen. Die Empfehlung des Ausschusses wird Grundlage für die finale Entscheidung der Bundesländer zum Verordnungsentwurf am 14. Februar im Bundesrat sein.

Nutztiere werden auf engstem Raum gehalten, weil in der Lebensmittelproduktion allein die Kostenminimierung zählt. Die konventionellen Haltungspraktiken werden den natürlichen Ansprüchen der Tiere nur unzureichend gerecht. Vielfach müssen Medikamente wie Antibiotika eingesetzt werden, um Defizite in der Haltung und im Management auszugleichen. „Der unkritische Einsatz von Tierarzneimittel birgt außerdem die Gefahr, Böden und Gewässer zu belasten und andere Lebewesen und Ökosysteme zu schädigen. Eine vorsorgliche Erhaltung der Tiergesundheit durch tiergerechte Haltungsbedingungen kommt also nicht nur der Verpflichtung des Tierwohls zu Gute, sondern führt außerdem zu einer Entlastung der Umwelt durch eine verantwortungsvolle Reduktion des Bedarfs an Tierarzneimitteln“, sagt Tamara Gripp, Referentin für Landwirtschaft und Umwelt von PAN Germany.

Bereits zum 30.05.1988 wurden rechtliche Anforderungen seitens des Gesetzgebers zur Haltung von Sauen geschaffen, die auch nach einer eingeräumten Übergangsfrist bis zum 31.12.1991 nicht durch die Sauenhalter eingehalten und durch die Kontrollbehörden flächendeckend ignoriert wurden. Durch das sogenannte „Kastenstandurteil“ des Bundesverwaltungsgerichtes (BVerwG) vom 08.11.2016 – 3 B 11/16 – wurde diese Rechtsverletzung höchstrichterlich bemängelt.

Kastenstände müssen derzeit so ausgestaltet sein, dass jedes Schwein – wie in der TierSchNutztV vorgeschrieben – ungehindert in Seitenlage die Gliedmaßen ausstrecken kann. Das Ausstrecken der Gliedmaßen in Seitenlage ist eine wesentliche Haltungsvoraussetzung, da Schweine nur in dieser Position in die Tiefschlafphase gelangen. Dies kann, so die Richter am BVerwG, nur sichergestellt werden, wenn die Breite des Kastenstandes der Widerristhöhe des Schweines entspricht oder es seine Gliedmaßen ohne Behinderung in die benachbarten leeren Kastenstände ausstrecken kann.

Statt nun eine tragbare Tierhaltung ohne Kastenstand umzusetzen, missachtet der Bundesgesetzgeber ein höchstrichterliches Urteil und beabsichtigt nun mit der anstehenden Änderung der TierSchNutztV, die Anforderung des „Ausstreckens der Gliedmaßen in Seitenlage“ zu streichen und den seit 01.01.1992 widerrechtlich bestehenden Kastenständen Übergangsfristen von weiteren 15 und mehr Jahren einzuräumen.

Diese beabsichtigte Änderung hat einen rein monetären Ansatz, ohne sich mit den tatsächlichen Bedürfnissen eines Schweines zu befassen, und stellt eine erhebliche Verschlechterung der Haltungssituation für die Sauen dar. Die wirtschaftlichen Interessen des Tierhalters finden nach der aktuellen Rechtsprechung des BVerwG ggf. dort ihre Grenzen, wo Belange des Tierschutzes betroffen sind (vgl. BVerwG, Urt. v. 13.06.2019 – 3 C 28/16 – Rn. 18).

Durch diese Änderung sollen die widerrechtlich genehmigten Kastenstände legalisiert werden. Dies verstößt jedoch eklatant gegen das Staatsziel Tierschutz aus Art. 20a GG und das damit verbundene Verschlechterungsverbot sowie gegen die verhaltensgerechte Unterbringung von Tieren gemäß § 2 Nr. 1 TierSchG.

Wie bereits in mehreren Stellungnahmen ausgeführt, ist nicht nur die vorgesehene Änderung der TierSchNutztV zum Kastenstand aus Tierschutzsicht völlig unzureichend. Vielmehr entspricht die Haltung von Sauen in Kastenständen grundsätzlich nicht den wissenschaftlichen Erkenntnissen der Verhaltensbiologie und ist somit als Ganzes als verfassungs- und tierschutzrechtswidrig einzustufen.

 

Zusammenschluss Tier- und Umweltschutzverbände

Kontakte:




Dokumentation – PAN Germany Workshop „Bittere Pillen – Mehr Schutz für Tier, Umwelt und Gesundheit“

 

PAN Germany Workshop

Um den gemeinsamen Diskurs für eine Verbesserung von Tier-, Umwelt- und Gesundheitsschutz anzuregen, lud PAN Germany am 21. November 2019 zu dem eintägigen Fachworkshop „Bittere Pillen – mehr Schutz für Tiere, Umwelt und Gesundheit“ nach Hamburg-Altona in die historische Vierländer-Kate im Altonaer Museum ein. Ziele der Veranstaltung waren, Informationen über den Einsatz von Tierarzneimitteln (insbesondere Antibiotika) in der Tierproduktion, Umweltbelastungen und Gesundheitsgefahren durch Tierarzneimittel und antimikrobielle Resistenzen sowie alternative Methoden auszutauschen, Handlungsoptionen für einen besseren Schutz der Umwelt (und Gesundheit) vor Arzneimittel-Belastungen zu erörtern und Maßnahmen für eine verantwortungsvolle Arzneimittelreduktion in der Tierhaltung im Sinne des Tierwohls zu konkretisieren. Zu den Teilnehmenden zählten Vertreter*innen des Natur- und Umweltschutzes von Bundes- und kommunalen Behörden sowie von Verbänden und Organisationen der Zivilgesellschaft im Bereich Tier-, Natur- und Umweltschutz, Tierhalter*innen, Tierärzt*innen und Journalist*innen. Die vorliegende Dokumentation soll den Teilnehmenden und all denjenigen, die nicht am Workshop haben teilnehmen können, ermöglichen, sich mit dem Thema über die Veranstaltung hinaus auseinanderzusetzen.

 

Hintergrund

Weltweit wurde die Tierproduktion erheblich intensiviert. Tierhalter*innen sehen sich zunehmend unter Druck, immer günstiger produzieren zu müssen. Nutztiere werden den Haltungsbedingungen angepasst und nicht umgekehrt. Der Einsatz von hochwirksamen Medikamenten ist längst zur Regel geworden. Wirtschaftliche Gewinne werden nicht nur auf Kosten des Tierwohls, sondern auch auf Kosten der Umwelt und der menschlichen Gesundheit generiert. Dass der unkritische Antibiotikaeinsatz in der Tierproduktion maßgeblich zur Verschärfung des Antibiotikaresistenzproblems beiträgt, ist mittlerweile wissenschaftlich anerkannt. Zwar ist die kritische Aufmerksamkeit gegenüber dem Einsatz von Antibiotika gestiegen, es ist allerdings noch Arbeit zu leisten, damit die Erkenntnisse über bestehende Zusammenhänge zwischen der eigenen Gesundheit, dem Verzehr tierischer Produkte, der Art der Tierhaltung, aus der diese Produkte stammen, und dem Vorkommen von Antibiotika in der Umwelt dazu führen, dass Alternativen in der Tierhaltung entsprechend gefordert und gefördert werden. Längst ist bewiesen, dass eine artgerechte Tierhaltung positiv auf das Wohlergehen von Tieren wirkt und somit auch auf deren Gesundheit. Eine vorsorgliche Erhaltung der Tiergesundheit durch ein Mehr an Tierwohl und die Reduktion des Bedarfs an Tierarzneimitteln gehen somit Hand in Hand. Daher sollten Maßnahmen zur Reduktion von Tierarzneimittel-Belastungen der Umwelt stets an der Ursache des Problems ansetzen und dazu beitragen, ein gesundes Aufwachsen der Tiere zu ermöglichen.

 

Programm

Nach der Begrüßung und einer allgemeinen Einführung zum Thema Tierarzneimittel von Tamara Gripp, Referentin für Landwirtschaft und Umwelt bei PAN Germany, und einer kurzen Vorstellungsrunde der Teilnehmenden, wurden in vier Fachvorträgen die Themenbereiche Tiermedizin, Tierhaltung sowie Umweltgefahren und Gesundheitsgefahren durch Tierarzneimittel und antimikrobielle Resistenzen intensiv betrachtet. Der Tierarzt und Homöopath Dr. Andreas Becker berichtete von seinen Erfahrungen als praktizierender Großtierarzt mit einem kritischen Blick auf den Einsatz von Tierarzneimitteln als chemische Werkzeuge in der Massentierhaltung. Herr Dr. Gunther Speichert aus
dem Fachgebiet für Arzneimittel, Wasch- und Reinigungsmittel vom Umweltbundesamt gab einen Einblick in die Vorkommen von Tierarzneimitteln in der Umwelt und erläuterte die Umweltverträglichkeitsprüfung und Schutzmaßnahmen, die sich aus dem gesetzlichen Rahmen der neuen europäischen Tierarzneimittelverordnung ableiten. Reinhild Benning, Agrarexpertin von Germanwatch e.V. und gelernte Landwirtin, thematisierte in ihrem Vortrag den Zusammenhang des Antibiotikaeinsatzes in der Tierhaltung und des Auftretens von antimikrobiellen Resistenzen sowie Möglichkeiten für eine umfassende Resistenz-Bekämpfung. Abschließend stellte PD. Dr. Julia Steinhoff-Wagner vom Institut für Tierwissenschaften an der Universität Bonn ihre Arbeit und eindrückliche Ergebnisse zu präventiven Maßnahmen in der Tierhaltung für eine Reduzierung von Tierarzneimitteln vor.

 

Diskussion

Im Anschluss an die Vorträge wurden offene Fragen geklärt und gemeinsam mögliche Maßnahmen für eine Tierarzneimittelreduktion im Sinne einer Verbesserung der Tiergesundheit und Entlastung der Umwelt diskutiert. Gefragt wurde unter anderem, ob die zukünftigen Ausschlusskriterien der Zulassung durch die neue Tierarzneimittelverordnung neben pbt-Eigenschaften (persistent – bioakkumulativ – toxisch) und vpvb-Eigenschaften (sehr persistent – sehr bioakkumulativ) auch edc-Eigenschaften (hormonschädlich) berücksichtigen würden. Die neue Verordnung sieht lediglich vor, endokrine Wirkungen beim Zielorganismus zu berücksichtigen. Wenn beobachtete Wirkungen Veränderungen umfassen, die auf endokrine Dysfunktion hindeuten, sind demnach weitere Prüfungen im Sinne einer sicheren Wirkung erforderlich. Hinsichtlich der neuen europäischen Gesetzgebung zu Tierarzneimitteln wurde angemerkt, dass bis zum Inkrafttreten im Jahr 2022 ein langer Umsetzungsprozess bevorstehe. Dieser Prozess beinhaltet die Erarbeitung von mehreren Rechtsakten. So ist beispielsweise noch offen nach welchen Kriterien in Zukunft Reserveantibiotika, die dann für den Einsatz in der Humanmedizin vorbehalten sind, definiert werden. PAN Germany und andere Organisationen hatten in der Vergangenheit gefordert, sich dafür an den einheitlichen Kriterien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu orientieren. Besonders intensiv wurden Defizite bezüglich der Preisgestaltung und Wertschätzung diskutiert. Es ist bekannt, dass in der Tierproduktion nur geringe Gewinnspannen erzielt werden. Dazu kommt, dass Präparate wie Trockensteller, die Antibiotika enthalten, günstiger sind als die Präparate ohne chemisch-synthetische antibiotische Wirkstoffe. Solche falschen Anreize führen dazu, dass allein aus ökonomischen Gründen Antibiotika zum Einsatz kommen und Alternativen unwirtschaftlich erscheinen. In diesem Zusammenhang wurden auch die Vor- und Nachteile einer staatlichen Lenkung durch eine Steuer oder Abgabe auf Antibiotika in der Tierhaltung erörtert. Insgesamt wurde die Notwendigkeit einer artgerechten Haltung und Fütterung hervorgehoben. Einigkeit bestand darüber, dass Konzepte nach einem präventiven Gesundheitsmanagement großes Potenzial bieten, aber mehr Anstrengungen auf allen beteiligten Ebenen notwendig sind, um den Einsatz von Arzneimitteln in der Tierproduktion verantwortungsbewusst zu reduzieren. Ein interessanter Ansatz in diesem Zusammenhang könnte sein „Gesundheit statt Medikamente“ zu verkaufen.

Dokumentation – PAN Germany Workshop "Bittere Pillen - Mehr Schutz für Tier, Umwelt und Gesundheit"

Dokumentation – PAN Germany Workshop "Bittere Pillen - Mehr Schutz für Tier, Umwelt und Gesundheit"

Datum: 16. Dezember 2019 8.51 MB

PAN Germany Workshop, 21. November 2019 in Hamburg-Altona. "Bittere Pillen - Mehr Schutz für Tier,...




Dokumentation – PAN Germany Workshop „Bittere Pillen – Mehr Schutz für Tier, Umwelt und Gesundheit“

PAN Germany Workshop, 21. November 2019 in Hamburg-Altona.

„Bittere Pillen – Mehr Schutz für Tier, Umwelt und Gesundheit“

Programm und Vorträge im pdf-Format. Die Verantwortung für die Inhalte liegt bei den Autor*innen.




Einladung zum Workshop „Bittere Pillen – mehr Schutz für Tiere, Umwelt und Gesundheit“

Donnerstag, 21. November 2019 in Hamburg

Weltweit wurde die Tierproduktion erheblich intensiviert. Tierhalter*innen sehen sich unter Druck, immer günstiger produzieren zu müssen. Nutztiere werden den Haltungsbedingungen angepasst und nicht umgekehrt. Der Einsatz von hochwirksamen Medikamenten ist längst zur Regel geworden. Wirtschaftliche Gewinne werden nicht nur auf Kosten des Tierwohls, sondern auch auf Kosten der Umwelt und der menschlichen Gesundheit generiert. Dass der unkritische Antibiotikaeinsatz in der Tierproduktion maßgeblich zur Verschärfung des Antibiotikaresistenzproblems beiträgt, ist mittlerweile wissenschaftlich anerkannt. Es ist allerdings noch Arbeit zu leisten, damit die Erkenntnisse über bestehende Zusammenhänge zwischen der eigenen Gesundheit, dem Verzehr tierischer Produkte, der Tierhaltung, aus der diese Produkte stammen, und dem Vorkommen von Antibiotika in der Umwelt dazu führen, dass Alternativen in der Tierhaltung entsprechend gefordert und gefördert werden. Längst ist bewiesen, dass eine artgerechte Tierhaltung positiv auf das Wohlergehen von Tieren wirkt und somit auch auf deren Gesundheit. Eine vorsorgliche Erhaltung der Tiergesundheit durch ein Mehr an Tierwohl und die Reduktion des Bedarfs an Tierarzneimitteln gehen somit Hand in Hand. Daher sollten Maßnahmen zur Reduktion von Tierarzneimittel-Belastungen der Umwelt stets an der Ursache des Problems ansetzen und dazu beitragen, ein gesundes Aufwachsen der Tiere zu ermöglichen.

Um Raum für einen gemeinsamen Diskurs für eine Verbesserung von Tier-, Umwelt- und Gesundheitsschutz zu schaffen, lädt PAN Germany am 21. November 2019 Interessenvertreter*innen aus den Bereichen Tier-, Natur- und Umweltschutz, Tierhalter*innen, Tierärzt*innen, Journalist*innen, politische Entscheidungsträger*innen und Interessierte zum Workshop „Bittere Pillen – mehr Schutz für Tiere, Umwelt und Gesundheit“ mit Fachvorträgen und Diskussion nach Hamburg ein.

Ziele des Workshops sind:

  • Informationen über Tierarzneimittel (insbesondere Antibiotika) in der Tierproduktion, Umweltbelastungen, Gesundheitsgefahren und alternative Methoden austauschen
  • Handlungsoptionen für mehr Schutz von Umwelt und Gesundheit vor Arzneimitteln erörtern
  • Maßnahmen für eine verantwortungsvolle Arzneimittelreduktion in der Tierhaltung
    konkretisieren

 

Anmeldung per E-Mail mit Betreff „WS Bittere Pillen“ an workshop@pan-germany.org

 

PAN Germany Workshop_Programm_Bittere Pillen – mehr Schutz für Tiere, Umwelt und Gesundheit

PAN Germany Workshop_Programm_Bittere Pillen – mehr Schutz für Tiere, Umwelt und Gesundheit

Datum: 22. Oktober 2019 327.94 KB

Um Raum für einen gemeinsamen Diskurs für eine Verbesserung von Tier-, Umwelt- und Gesundheits-schutz...