Neues Tierarzneimittelrecht – EU verschärft Regelungen zum Antibiotika-Einsatz in der Tierhaltung

Mit einer eindeutigen Mehrheit haben die Abgeordneten des Europäischen Parlaments heute für den Entwurf einer neuen Verordnung zu Tierarzneimitteln abgestimmt. Ein wesentlicher Teil dieses neuen Tierarzneimittelrechts regelt den Umgang mit Antibiotika. Den langwierigen Verhandlungsprozess hatte PAN Germany kritisch begleitet und wiederholt Verbesserungen im Sinne des Umwelt- und Tierschutzes eingefordert.

Arzneimittel gehören zu den wichtigsten Errungenschaften unserer Zeit. Doch neben ihrem eigentlichen Zweck schädigen sie andere Organismen und tragen zur Entwicklung von Resistenzen bei, wenn sie in die Umwelt gelangen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben allein in der Europäischen Union jährlich 25.000 Menschen, weil Antibiotika auf Grund von resistenten Keimen ihre Wirkung verlieren. Neben der Humanmedizin trägt die Tiermedizin und hier vor allem die unkritische Anwendung von Arzneimitteln in der intensiven Tierhaltung zur Entwicklung und Ausbreitung von antimikrobiellen Resistenzen (AMR) bei. Daher begrüßt PAN Germany, dass der zur Abstimmung vorgelegte Beschluss unter anderem vorsieht, dass Antibiotika, die bei Menschen als letztes verbleibendes Mittel zur Bekämpfung lebensbedrohlicher Infektionen zum Einsatz kommen (Reserveantibiotika), in der Tiermedizin nicht mehr oder nur unter besonders strengen Bedingungen verschrieben werden dürfen.

Vertreter des Europäischen Parlaments, der Europäischen Kommission und der Mitgliedstaaten hatten sich vor der Parlamentsabstimmung im sogenannten Trilog auf den vorliegenden Beschluss geeinigt. Von der noch ausstehenden Zustimmung des Rats ist daher auszugehen. Ob „was lange braucht auch wirklich gut wird“, hängt nun vor allem von der Umsetzung der neuen Vorschriften ab. In diesem Zusammenhang macht sich PAN Germany dafür stark, dass Tierarzneimittel grundsätzlich und ohne Ausnahmen nicht dafür eingesetzt werden dürfen, schlechte Haltungsbedingungen von Nutztieren zu kompensieren und die eigentlichen Ursachen für Tierleid und Krankheiten zu ignorieren. Darüber hinaus plädiert PAN Germany dafür, die Definition der „Reserveantibiotika“ zu konkretisieren und sich dafür an den Kriterien der WHO (WHO CIA list) zu orientiert.

Mehr dazu:

Martin Häusling, MdEP: Pressemitteilung, 25.10.2018

WHO: List of Critically Important Antimicrobials for Human Medicine

 

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PAN Stellungnahme: Aufruf für mehr Tierwohl in der Nutztierhaltung

Datum: 4. Oktober 2018 244.04 KB

Im erbitterten Kampf um immer niedrigere Preise hat sich die Tierproduktion in Deutschland und weltweit...

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Forderungen für einen besseren Schutz der Umwelt vor Tierarzneimittel-Belastungen

Datum: 12. September 2013 409.18 KB

Dass in der Landwirtschaft eingesetzte Düngemittel und Pestizide zu Umweltproblemen führen können,...




Strategischer Ansatz zu Arzneimitteln in der Umwelt

Human- und Tierarzneimittel gelangen auf vielfältige Weise in unsere Umwelt und sind nicht nur ein Risiko für Ökosysteme, sondern auch für die Gesundheit von Menschen und Tieren. Deshalb ist es unhaltbar, dass aktive pharmazeutische Wirkstoffe (APIs) derzeit von der EU-Umweltregulierung ausgenommen sind. Angesichts der Befürchtungen über Abschwächungen des langerwarteten strategischen Ansatzes zu Arzneimitteln in der Umwelt (PiE) fordern europäische NGOs, Wasserversorger und Investitionsunternehmen mit einem offenen Brief an EU Präsident Juncker die EU Kommission auf, sicherzustellen, dass wichtige Maßnahmen zur Bewältigung dieser Probleme in den strategischen Ansatz aufgenommen werden.

In diesem Zusammenhang muss besonders der wachsenden Bedrohung durch antimikrobielle Resistenzen und den verheerenden Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit Rechnung getragen werden. Große Mengen an Antibiotika werden in der Tierhaltung und -zucht verwendet. Es ist unverantwortlich, dass in der intensiven Tierhaltung Arzneimittel zur Kompensation von Defiziten bei Unterbringung, Zucht und Management eingesetzt werden. Dieser Missstand trägt maßgeblich zur Umweltverschmutzung bei und erhöht das Risiko der Resistenzbildung. Weil gesunde Tiere keine Arznei brauchen, fordert PAN Germany, die Einführung von EU-weiten Maßnahmen zur Verbesserung des Tierwohls in der Tierhaltung, um die Tiergesundheit zu gewährleisten und den Bedarf an Medikamenten wirksam zu reduzieren.

Weitere Infos: Pressemitteilung von Changing Market Foundation

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Joint statement - Europe must align policies to tackle Pharmaceuticals in the Environment

Datum: 17. Mai 2018 169.72 KB

The signatories urge European policymakers to ensure that Europe’s response to the threat posed by...

 

Fotorechte: Kühe: adel_pixelio




Antibiotika-Resistenzen: EU-Umweltausschuss fordert Umwelt-Überwachungen

In seiner Abstimmung über Änderungen des Aktionsplans Antimikrobielle Resistenzen (AMR) vom 20.06.2018 fordert der Umweltausschuss des europäischen Parlaments eine obligatorische Umweltüberwachung von Antibiotika-Resistenzen auf Ebene der Mitgliedstaaten.

Seit 2017 gibt es einen gemeinsamen EU-Aktionsplan zur Bekämpfung von Resistenzen gegen antimikrobielle Wirkstoffe. Dieser Aktionspaln war ein wichtiger Schritt auf dem Weg gegen die globale Bedrohung durch AMR, ging aber in einigen Bereichen nicht weit genug. PAN Germany hatte zuletzt in einer Stellungnahme gemeinsam mit 5 anderen europäischen Organisationen kritisiert, dass der bisherige Aktionsplan u.a. die Umweltaspekte kaum berücksichtigt und daher nicht ausreicht, um die Umwelt und in der Konsequenz Menschen und Tiere vor AMR zu schützen. Grundsatz des „One Health“-Ansatzes ist das Verständnis darüber, dass die Gesundheit von Menschen, Tieren und der Umwelt miteinander verbunden sind. Krankheiten und resistente Keime können von Menschen auf Tiere dirket oder über die Umwelt übertragen werden und umgekehrt. Um die Entwicklung und Verbreitung von AMR in der Umwelt zu stoppen, fordert der Umweltausschuss nun eine Verzahnung des „One Health“-Prinzips und der Umweltüberwachung. Aus Sicht von PAN Germany bedarf es weiterer Anstrengungen insbesondere hinsichtlich gemeinschaftlicher verpflichtender Regelungen zu vorsorgenden Maßnahmen, um dem Problem der Umweltbelastung durch Antibiotika und der Entwicklung resistenter Keime zu begegnen.

 

 




Stellungnahme: Europa-Politik muss Umweltbelastungen durch Arzneimittel ein Ende setzen

Gemeinsam mit 5 europäischen NGOs fordert PAN Germany die politischen Entscheidungsträger in Europa auf, die Bedrohung durch Pharmazeutika in der Umwelt und zunehmende Antibiotikaresistenzen endlich ernst zu nehmen. Gegenwärtige und zukünftige europäische Maßnahmen müssen rechtzeitig beschlossen und in allen relevanten Politikbereichen umgesetzt werden, fordern die NGOs in ihrer gemeinsamen Stellungnahme.

Insbesondere vor dem Hintergrund der sich abzeichnenden Gesundheitskrise durch antimikrobielle Resistenzen (AMR) ist ein multisektoraler Ansatz notwendig, um die Gesundheit von Menschen, Tieren und Ökosystemen in Europa und weltweit zu schützen.

Der lang ersehnte strategische Ansatz der EU Kommission für Pharmazeutika in der Umwelt sieht eine Reihe von Maßnahmen vor, um die Verschmutzung und die Schäden durch Arzneimittel zu verringern. Dabei folgt der strategische Ansatz dem Follow-Up Aktionsplan der Kommission zur Bekämpfung der Antibiotikaresistenz aus dem Jahr 2017. Dieser kann aus Sicht der NGOs nicht ausreichend garantieren, die Umwelt effektiv zu schützen, und lässt klare Beweise für das Ausmaß der Arzneimittelverschmutzung aus.

Pharmazeutische Wirkstoffe, ob in der Human- oder Tiermedizin, sind derzeit vom EU-Umweltrecht ausgenommen, was angesichts der Gefahr, die die Umweltverschmutzung durch Arzneimittel für die Gesundheit von Mensch und Tier darstellt, unhaltbar ist. Die europäischen NGOs fordern daher die EU Kommission auf, eine Reihe wichtiger politischer Maßnahmen zu ergreifen, die die verheerenden Auswirkungen von Pharmazeutika in der Umwelt und die Bedrohung durch AMR reduzieren können. Zu den Forderungen zählen unter anderem eine bessere Datentransparenz hinsichtlich eingesetzter und in der Umwelt nachgewiesener Human- und Tierarzneimittel, eine wirksame Einschränkung der Anwendung von Antibiotika in der Tierhaltung und eine bessere Berücksichtigung des Umweltschutzes bei der Zulassung von Medikamenten. PAN Germany sieht einen besonderen Nachholbedarf im Bereich des vorbeugenden Tier-Gesundheitsschutzes und fordert darum, die Einleitung von EU-weiten Maßnahmen zur Verbesserung des Tierschutzes in der Tierhaltung als wichtige Vorsorgemaßnahmen zum Wohl der Tiere, und um die Tiergesundheit zu sichern und den Bedarf an Medikamenten zu reduzieren.

Alle Forderungen und weitere Informationen finden Sie in der Stellungnahme (englisch).

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Joint statement - Europe must align policies to tackle Pharmaceuticals in the Environment

Datum: 17. Mai 2018 169.72 KB

The signatories urge European policymakers to ensure that Europe’s response to the threat posed by...




Europäisches Tierarzneimittelrecht

Nachbesserungen zum Schutz von Umwelt und Gesundheit vor Antibiotika-Belastungen dringend notwendig

Presseinformation.

Hamburg, 28. Februar 2018. Derzeit wird das europäische Tierarzneimittelrecht überarbeitet. Ziel ist u.a. die Eindämmung der Risiken der Verbreitung von Antibiotikaresistenz. PAN Germany sieht erheblichen Nachbesserungsbedarf, um die Umwelt und die menschliche Gesundheit besser zu schützen.

Infektionskrankheiten können aufgrund resistenter Krankheitskeime immer häufiger nicht erfolgreich mit Antibiotika bekämpft werden. Dies ist zum weltweiten Problem geworden. Der Einsatz von Antibiotika in der intensiven Nutztierhaltung begünstigt die Resistenzentwicklung sowie die Ausbreitung resistenter Keime. Doch nicht nur die menschliche Gesundheit wird gefährdet: Auch die Umwelt ist zunehmend mit Antibiotika belastet und resistente Keime werden über die Umwelt verbreitet.

Dass Belastungen der Umwelt nicht nur ein Problem in Ländern sind, in denen Pharmazeutika unter unzureichenden Umwelt-Auflagen hergestellt werden, wurde vielen Menschen in Deutschland spätestens Anfang des Monats bewusst, als der NDR die Rechercheergebnisse (1) zweier Journalisten veröffentlichte, die multi-resistente Erreger in Bächen und Badeseen in Norddeutschland nachgewiesen hatten. Sie wiesen unter anderem Colistin-Resistenzen nach. Das Antibiotikum Colistin wird nach wie vor in Tierställen eingesetzt, obwohl die Weltgesundheitsorganisation den Wirkstoff im vergangenen Jahr in die Kategorie der Reserve-Antibiotika eingeordnet hat, die unbedingt für die Behandlung schwerer, mit anderen Antibiotika aufgrund von Resistenzen nicht mehr zu bekämpfenden Infektionskrankheiten bei Menschen benötigt werden.

„Wir appellieren an die Verantwortlichen von EU-Parlament, -Rat und -Kommission, die jetzt über das neue Tierarzneimittelgesetz beraten, Antibiotika mit höchster Priorität für den Menschen endlich aus der tierärztlichen Verwendung zu nehmen. Zudem müssen verbindliche Maßnahmen für eine bessere Überwachung des Umweltvorkommens von Arzneimitteln festgeschrieben werden und auch Alt-Arzneimittel einer umfassenden Umweltüberprüfung unterzogen werden“ fordert Susan Haffmans, Referentin für Tierarzneimittel von PAN Germany.

Aus Sicht von PAN Germany wird der Tatsache, dass Antibiotika-Resistenzen auch über die Umwelt verbreitet werden, nach wie vor zu wenig Beachtung geschenkt. Eine Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes, wie sie nach Meinung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) Priorität hat, würde auch die Umwelt entlasten.

In dem Hintergrundpapier „Antibiotika in der Tierhaltung“ hat PAN Germany Informationen zum Thema zusammengestellt: http://www.pan-germany.org/download/tierarzneimittel/Antibiotika_in_der_Tierhaltung.pdf. Das Hintergrundpapier ist seit heute auch in Englisch verfügbar: http://www.pan-germany.org/download/veterinary_pharmaceuticals/Antibiotics_in_Livestock_Farming.pdf

(336 Wörter, 2926 Zeichen)

Kontakt:
Susan Haffmans, Tel: +49 40 399 19 10 0, E-Mail: susan.haffmans(at)pan-germany.org

Anmerkungen
(1) https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/Gefaehrliche-Keime-in-Baechen-Fluessen-und-Seen,keime302.html

 




Antibiotics in Livestock Farming

What can be done to reduce environmental threats and avoid the development of antibiotic resistance?

The use of antibiotics in intensive livestock farming promotes the development of antibiotic resistance and the spread of resistant bacterial strains. The livestock industry has a special responsibility in the fight against antibiotic resistance and against the environmental impacts of veterinary pharmaceuticals. The background paper gives an overview on the issue, shows that pharmaceutical residues have become a global environmental problem and highlights the need for a change in animal production.




Aquakultur im Überblick

Umweltbelastungen durch Arzneimittel und Antifoulings, wirtschaftliche Bedeutung und Fragen der Ernährungssicherung

Mit dem Potenzial zur Erholung von Wildfischbeständen und gleichzeitig zur Ernährungssicherung künftiger Generationen beizutragen, hat die Aquakultur zunehmend an Bedeutung gewonnen. Vor dem Hintergrund der Frage, wie nachhaltig die Produktion von Aquakulturerzeugnissen ist und welche Umweltrisiken wir dafür in Kauf nehmen, sind in dem vorliegenden Hintergrundpapier Informationen zum Thema Aquakultur zusammengestellt. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf möglichen Umweltbelastungen – gerade in Bezug auf Arzneimittel – und wie diese reduziert oder vermieden werden können.




Aquakultur im Überblick

Umweltbelastungen durch Arzneimittel und Antifoulings, wirtschaftliche Bedeutung und Fragen der Ernährungssicherung

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Aquakultur im Überblick 3.44 MB 47 downloads

Umweltbelastungen durch Arzneimittel und Antifoulings, wirtschaftliche Bedeutung...




Weniger Arzneimittel – gesunde Tiere – entlastete Umwelt

Beispiele aus Forschung & Praxis: So lassen sich Antibiotika & Co in der Nutztierhaltung verantwortungsvoll reduzieren

Vor dem Hintergrund zunehmender Umweltbelastung durch Arzneimittel und sich ausbreitender Arzneimittel- Resistenzen stellt die vorliegende Broschüre Beispiele vor, wie der Arzneimitteleinsatz in der Nutztierhaltung reduziert werden kann.




Antibiotika in der Tierhaltung

Wie lassen sich Umweltbelastungen reduzieren und Resistenzen vermeiden? Der Einsatz von Antibiotika in der intensiven Nutztierhaltung begünstigt die Resistenzentwicklung und Ausbreitung von Bakterienstämmen mit Resistenzen. Wie lassen sich Umweltbelastungen durch Arzneimittel aus der Tierhaltung reduzieren und Resistenzen vermeiden? Das Hintergrundpapier von PAN Germany geht dieser Frage nach.