Rapid Alert System: Pestizidrückstände bleiben ein Problem, PFAS in Fisch und Fleisch

Der neue Bericht des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) zum Europäischen Schnellwarnsystem für Lebensmittel und Futtermittel zeigt, dass Pestizidrückstände den zweiten Platz der „Top 10 Gefahrenkategorien“ belegen. Auch die häufigsten Beanstandungen in der Produktkategorie „Obst und Gemüse“ 2025 entfielen auf Pestizidrückstände. PFAS wurden in der Kategorie Umweltkontamination in Fisch, Meeresfrüchten und Fleisch nachgewiesen. [1]

Zum Schutz von Verbraucher*innen gibt es seit 1979 das europäische Schnellwarnsystem für Lebensmittel, Lebensmittelbedarfsgegenstände und Futtermittel (RASFF, Rapid Alert System for Food and Feed). Es dient dem Informationsaustausch und als Warnsystem über z. B. Verunreinigungen von Lebens- und Futtermitteln oder Lebensmittelbedarfsgegenständen.

Im Jahr 2025 gab es 1.042 Meldungen zu Lebensmitteln im RASFF-System [2], die Deutschland als Empfängerland betrafen. Auf Platz eins der Verunreinigungen standen pathogene Mikroorganismen (z.B. Salmonellen, Listerien) mit 23 % der Meldungen, gefolgt von Pestizidrückständen mit 14 % und Platz drei mit 10 % belegten Mykotoxine (Schimmelpilze) in z.B. Nüssen.

Bei den Pestizid-Meldungen im RASFF handelt es sich um Überschreitungen der geltenden Rückstandshöchstgehalte. Das BVL verweist darauf, dass eine Meldung nicht zwangsläufig eine akute Gesundheitsgefahr beim Verzehr bedeutet, dennoch gehören aus Sicht von PAN die beanstandeten Pestizidrückstände nicht ins Essen.

Besonders erschreckend: Bei den Pestizidrückständen entfielen 45 von 160 Meldungen auf Chlorpyrifos-Nachweise. Das hochgiftige Organophosphat-Insektizid wirkt schädigend auf das menschliche Nervensystem und stört insbesondere die Hirnentwicklung von Kindern. In der EU ist es seit 2020 nicht mehr erlaubt und seine weltweite Verwendung wurde – leider mit einigen Ausnahmen – 2025 durch die Stockholm Konvention verboten (PAN berichtete). Am zweithäufigsten wurden bei den Pestizid-Rückständen 2025 Acetamiprid Funde gemeldet, vorrangig in Tafeltrauben und Rosinen. Acetamiprid ist ein Insektizid und gehört zu der Stoffgruppe der Neonikotinoide. Es ist als extrem giftig für Vögel eingestuft und wirkt schädigend auf Bienen. Zudem gilt es als akut toxisch für Menschen, es ist als reproduktionstoxisch (R2) eingestuft und schädlich für die neuronale Entwicklung. Zum Schutz der Gesundheit hatte die EU im Januar 2025 die Rückstandshöchstgehalte für Acetamiprid für bestimmte Lebensmittel gesenkt (Verordnung (EU) 2025/158).

Alarmierend sind auch die RASFF-Meldungen über Belastungen mit per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen, kurz PFAS in der Kategorie „Umweltkontamination“:  PFAS sind eine große Gruppe langlebiger, so genannter „Ewigkeits-Chemikalien“, die sich durch besondere Persistenz auszeichnen und sich in der Umwelt und in uns Menschen anreichern. PFAS haben wasser-, fett- und schmutzabweisende Eigenschaften und fanden und finden daher Verwendung in vielen Produkten, darunter Kühlmittel, Pfannen, Verpackungen, Löschschaum und Bekleidung sowie in Pestiziden (wir berichteten). Aufgrund der Langlebigkeit von PFAS nimmt die Belastung durch diese Umweltkontaminante stetig zu.

Im Jahr 2025 gab es in der Kategorie „Umweltkontamination“ eine Reihe von Meldungen zu PFAS-Funden in tierischen Produkten:

  • PFOA in gefrorenen, gekochten und geschälten Teppichmuscheln aus Vietnam,
  • PFOS und PFNA in Seezunge aus den Niederlanden,
  • PFAS in gekühlten Makrelen aus Frankreich,
  • PFOS und PFHxS in gekühltem Schweinefleisch.

Aufschluss über die Quellen oder Pfade der Kontamination – ob über PFAS-in Verpackungen, im Meerwasser, durch Kühlmittel oder andere mögliche Pfade – liefert der Bericht nicht.

Das europäische Schnellwarnsystem (RASFF) ist eine wichtige Errungenschaft, die zeigt, dass Lebensmittelsicherheit an der Quelle ansetzen muss.  Notwendig ist daher, die Produktion und Verwendung – insbesondere die umweltoffene Verwendung – schädlicher und langlebiger Substanzen einzustellen. Dazu gehört, nicht-chemische Pestizide zu fördern und ein Verbot für PFAS-Pestizide umzusetzen.

 

 

[1] https://www.bvl.bund.de/SharedDocs/Fokusmeldungen/01_lebensmittel/2026/HI_RASFF-Meldungen-2025.html

[2] Insgesamt wurden 1.145 Meldungen, die DE als Empfängerland betrafen, im RASFF-System 2025 erfasst:  1.042 Meldungen entfielen dabei auf Lebensmittel, 60 Meldungen auf Futtermittel und 43 auf Lebensmittelkontaktmaterialien.