Fachleute für Endokrinologie warnen vor den Folgen des Pestizid-Omnibusses und fordern ein Umsteuern

Die Endocrine Society (ES), die Europäische Gesellschaft für Endokrinologie (ESE) und die Europäische Gesellschaft für pädiatrische Endokrinologie (ESPE) fordern in einem gemeinsamen Schreiben an die Mitglieder des Europäischen Parlaments, Teile des Omnibus-Pakets zur Lebens- und Futtermittelsicherheit abzulehnen. Mit dem Omnibus-Gesetzespaket soll das geltende Pestizidrecht vereinfacht werden; dies passiert nach Ansicht vieler auf Kosten des Gesundheits- und Umweltschutzes (PAN berichtete wiederholt).

Die Fachleute der drei führenden endokrinologischen Gesellschaften sind besorgt, dass die Omnibus-Vorschläge im Falle ihrer Verabschiedung den bestehenden Gesundheits- und Umweltschutz erheblich schwächen und die Exposition von Mensch und Umwelt gegenüber endokrin wirksamen Pestiziden verlängern könnten.

Eine anhaltende Exposition gegenüber endokrin wirksamen Chemikalien (EDCs) kann zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen beitragen, darunter Störungen der Fortpflanzungsfunktion, Stoffwechselstörungen, Störungen der neurologischen Entwicklung und kognitive Beeinträchtigungen sowie bestimmte hormonbedingte Krebserkrankungen.

In ihrem Schreiben vom 2. September 2026 an die Mitglieder des Europäischen Parlaments, die im AGRI-Ausschuss (Landwirtschaft) und im ENVI-Ausschuss (Öffentliche Gesundheit und Umwelt) sitzen, forderten die drei Fachgesellschaften die Ausschussmitglieder nachdrücklich auf, Teile des Omnibus-Pakets zur Lebensmittel- und Futtermittelsicherheit abzulehnen, die den Schutz vor schädlichen Chemikalien, einschließlich endokrin wirksamer Chemikalien (EDCs) schwächen können.

EDCs können in den Hormonhaushalt eingreifen und werden mit negativen Folgen wie Beeinträchtigungen der Fruchtbarkeit, Stoffwechselerkrankungen, bestimmten Krebsarten und Auswirkungen auf die neurologische Entwicklung in Verbindung gebracht. Eine Exposition ist besonders besorgniserregend während der fetalen Entwicklung, im Säuglings- und im Kindesalter, wenn Hormone wesentliche Wachstumsprozesse steuern.

Die drei Gesellschaften heben in ihrem Brief insbesondere die folgenden vorgeschlagenen Änderungen an den EU-Pestizidvorschriften als kritisch hervor: die Abschaffung der geltenden obligatorischen regelmäßigen Pestizid-Neubewertung, die Lockerung von Ausnahmeregelungen und Gewährung verlängerter Übergangsfristen, wodurch gefährliche Stoffe, darunter auch EDCs, länger auf dem Markt verbleiben sowie die Einschränkung der Berücksichtigung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse bei Zulassungsentscheidungen.

Die drei Gesellschaften fordern, dass diese rückschrittlichen gesetzgeberischen Schritte gestoppt werden.

Sie fordern die Entscheidungsträger*innen der EU nachdrücklich auf:

  • die obligatorische regelmäßige Neubewertung von Pestiziden beizubehalten;
  • Ausnahmeregelungen und unnötig verlängerte Übergangsfristen für als gefährlich eingestufte Stoffe abzulehnen; und
  • sicherzustellen, dass Regulierungs- und Zulassungsentscheidungen auf den besten verfügbaren und aktuellsten wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren.

Mitglieder der drei Fachgesellschaften – Wissenschaftler*innen, Mediziner*innen und andere Fachleute aus dem Gesundheitswesen – sind weltweit führende Expert*innen auf dem Gebiet der Endokrinologie und Gesundheitswissenschaften. Sie verfügen über umfassendes Wissen darüber, was Hormone sind, welche Funktionen sie erfüllen und wie die Gesundheit beeinträchtigt wird, wenn Chemikalien in die Hormonbiologie eingreifen.

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